Provokationen bei Demos von Türken und Kurden

Heilbronn  Rund 550 Türken und 550 Kurden versammeln sich in Heilbronn für politische Botschaften zum Militäreinsatz der Türkei. Die Polizei trennt die Kundgebungen mit großem Aufgebot voneinander. Provokationen gibt es dennoch, Verletzte bis 18.30 Uhr nicht.

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Provokationen bei Demos von Türken und Kurden

Türkische Demonstranten bei der Kundgebung auf dem Kiliansplatz.

Foto: Veigel

Zwei parallele Demonstrationen von Türken und Kurden zum Militäreinsatz der Türkei im syrischen Grenzgebiet sind gestern in Heilbronn relativ friedlich zu Ende gegangen. Einige hundert Polizeibeamte in voller Schutzausrüstung bewachten die Demos.

Mit einer Flasche ein Auto beschädigt

Man habe mit dem starken Aufgebot ein direktes Aufeinandertreffen und damit Schlimmeres verhindern können, sagte Polizeisprecher Rainer Köller gegen 18.30 Uhr. Es habe keine Verletzten gegeben, aber einige Provokationen. Nach den Kundgebungen hätten Täter einen BMW, in dem ein Türke saß, mit einer Flasche beschädigt. Im Zug der Kurden seien Bengalos gezündet worden. In beiden Fällen habe man Beteiligte identifizieren können, so Köller.

Auf dem Kiliansplatz hatten sich nach Polizeiangaben etwa 500 bis 600 Türken versammelt, um an einer Kundgebung zur Unterstützung der türkischen Soldaten teilzunehmen. Auffallend war: Es gab keine Plakate, aber viele türkische Fahnen, die geschwenkt wurden. Redner sprachen von der Ladefläche eines Kleinlasters, viele Demonstranten salutierten mit der Hand an der Stirn. Applaus gab es nach der türkischen Nationalhymne, es wurde gefallener türkischer Soldaten gedacht. Die Polizei hatte die Zugänge zum Kiliansplatz mit Metallgittern abgeriegelt, kontrollierte den Zugang.

Erdogan als Mörder und Terrorist bezeichnet

"Ich demonstriere für mein Land. Die USA oder Russland spielen mit uns ein Spiel", sagte ein Heilbronner (47) mit türkischen Wurzeln. Präsident Erdogans Militäroffensive sieht er als nötig an. Weil sich in dem Gebiet andere Kräfte "aufbauen", eine Bedrohung für die Türkei seien.

Ein ähnlich großer Protestzug der Kurden zog über die Allee. Auf Plakaten stand "Hände weg von Rojava", Teilnehmer nannten Erdogan lautstark "Mörder" und "Terrorist".

Für Aufsehen hatte ein Vermummter in der Nähe des Kiliansplatzes gesorgt, als er auf einem kleinen Dachvorsprung in großer Höhe verbotenerweise ein Transparent vor der Versammlung der Türken entrollte. Darauf war "Kein Platz für Kriegsbefürworter" zu lesen. Auch in dem Fall ermittelt die Polizei.


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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