Protestanten haben gewählt: Neue Synodale aus der Region

Heilbronn  Überall in Württemberg standen am Sonntag Kirchenwahlen an. Pünktlich zum Beginn des neuen Kirchenjahres waren 1,75 Millionen evangelische Christen an die Wahlurnen gerufen. Jetzt stehen die neuen Synodalen für die Region Heilbronn fest.

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Die Wahlbeteiligung betrug in Württemberg insgesamt 22,92 Prozent und lag damit 1,4 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2013. Mit 29,7 Prozent lag sie im Wahlkreis Crailsheim/Blaufelden/Weikersheim am höchsten. Den geringsten Wert weist Tuttlingen/Balingen mit 15,8 Prozent auf.

Von 15 Dekanaten mit 381 Gemeinden der Prälatur Heilbronn liegen fünf Wahlbezirke komplett oder teilweise im Heilbronner Land und in Hohenlohe. Hier die Ergebnisse bei den Synodalwahlen der regionalen Wahlkreise

Besigheim, Brackenheim: Von den drei Kandidaten bei den sogenannten Laien haben es Matthias Böhler (Kirche für morgen, 11 722 Stimmen) und Christiane Mörk (Offene Kirche, 9090 Stimmen) in die Synode geschafft. Für die Theologen zieht Oliver Römisch (Kirche für morgen, 6166 Stimmen) ein; auch hier gab es drei Kandidaten. Die Wahlbeteiligung lag bei 26,4 Prozent (2013: 27,5 Prozent).

Heilbronn: Gewählt wurden bei den Laien Jörg Beurer (Offene Kirche, 7230 Stimmen) und Michael Schneider (Evangelium und Kirche, 4558); als Theologe hat Erhard Mayer (Offene Kirche, 4310 Stimmen) den Einzug in die Synode geschafft. Die Wahlbeteiligung lag bei 19,4 Prozent (2013: 21 Prozent).

Weinsberg, Neuenstadt, Öhringen: Gewählt wurden bei den Laien Susanne Jäckle-Weckert (Lebendige Gemeinde, 13 182 Stimmen), Hannelore Jessen (Offene Kirche, 10 845) und Bernd Wetzel (Kirche für morgen, 8550). Bei den Theologen gewann Thomas Burk (Lebendige Gemeinde, 8276). Die Wahlbeteiligung lag bei 22,4 Prozent (2013: 22,9 Prozent).

Künzelsau, Schwäbisch Hall und Gaildorf: Hier haben Andrea Bleher (Lebendige Gemeinde, 12 571 Stimmen) und Annette Sawade (Evangelium und Kirche, 9362 Stimmen) als Laien den Einzug in das Kirchenparlament geschafft. Als Theologe wird Holger Stähle (Offene Kirche, 5240 Stimmen) in der Landessynode sitzen. Die Wahlbeteiligung betrug 26,4 Prozent; vor sechs Jahren waren es 27,9 Prozent.

Ludwigsburg, Marbach: Bei den Laien haben sich Ines Göbbel (Offene Kirche, 14 806 Stimmen) und Reiner Klotz (Kirche für morgen, 10 960 Stimmen) durchgesetzt. Bei den Theologen waren Professor Dr. Thomas Hörnig (Offene Kirche, 15 448 Stimmen) und Thomas Stuhrmann (Lebendige Gemeinde, 14 397 Stimmen) erfolgreich. Die Wahlbeteiligung betrug 20,9 Prozent (2013: 23,8 Prozent).

Gesprächskreise sind politische Gruppen

In einem politischen Spektrum würde man die Offene Kirche wohl als links bezeichnen. Gegründet wurde sie 1972 als Gegenbewegung zum Pietismus. Sie betont den gesellschaftlichen Auftrag der Kirche für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Auf der anderen Seite des Spektrums steht die Lebendige Gemeinde, die eher traditionell vor allen den Glauben an die Bibel und Jesus Christus betont. Sie ist seit den 50er Jahren ein Zusammenschluss evangelikaler Christen mit pietistischem Hintergrund.

Die Vereinigung Evangelium und Kirche nimmt häufig eine vermittelnde Position zwischen den beiden ein. Sie entstand ab 1934 aus der Bekennenden Kirche in Württemberg, die gegen den Nationalsozialismus opponierte.Der Gesprächskreis Kirche für morgen wurde erst 2001 gegründet. Er ist weder als "progressiv" noch als "konservativ" einzuordnen, sondern stellt einen charismatischen Aufbruch innerhalb der Kirche dar, der durchaus auch im Traditionellen wurzelnde Inhalte durch neue Formen kirchlichen Lebens transportieren möchte.

Wichtig: In der Synode gibt es keinen Fraktionszwang. Das Meinungsspektrum innerhalb der einzelnen Gesprächskreis kann ziemlich breit sein. Deshalb sind Abstimmungen in der Regel schwer vorherzusagen.

Wichtigste Aufgaben der Landessynode

Die Landessynode bestimmt den Kirchenkurs wesentlich mit, vor allem über die Wahl des Bischofs, die kirchliche Gesetzgebung sowie den Haushalt, inklusive Kirchensteuern. Zudem haben die 90 Mitglieder das Recht, Anträge, Wünsche und Beschwerden an den Landesbischof und den Oberkirchenrat zu richten - und dazu Antworten zu bekommen.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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