Problematische Hitze, historische Dürre

Region  Der Sommer 2018 ist auf gutem Weg, in die Geschichte einzugehen. Allerdings nicht nur wegen der Temperaturen, sondern vor allem wegen der Trockenheit, wie unsere Datenauswertung für die Region zeigt.

Von David Hilzendegen und Patricia Okrafka

Bald haben wir es überstanden, sagt der Wetterbericht - zumindest vorerst. Am Freitag soll die maximale Temperatur in Heilbronn und Umgebung erstmals seit dem 23. Juli 2018 unter 30 Grad Celsius liegen. Es werden dann 17 Tage gewesen sein, in denen uns die Hitze zu schaffen gemacht hat - von der Dürre, die womöglich noch weiter anhalten wird, ganz zu schweigen.

Der Sommer 2018 wirkt wie der heißeste Sommer seit Jahren. Wir haben uns durch das Datenarchiv des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gewühlt und uns die Zahlen der Wetterstation in Öhringen angesehen. Unser Fazit: Die Temperaturen des bisherigen Sommers waren historisch, aber nicht einmalig. Und das gravierendere Problem des Sommers ist weniger die Hitze, als vielmehr die Dürre.

 

Es geht noch heißer

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Temperaturen. Die folgende Grafik zeigt die monatlichen Durchschnittstemperaturen an der Wetterstation Öhringen seit 1947. Bei dieser wie auch bei den folgenden Grafiken stehen graue Linien für jeweils ein vergangenes Jahr, die rote Linie steht für das Jahr 2018. Die schwarze Linie beschreibt den Gesamtdurchschnitt pro Monat seit 1947.

 

Monatliche Durchschnittstemperaturen seit 1947 an der Wetterstation Öhringen

Mitteltemperatur

Aus der Grafik geht hervor, dass das Jahr 2018 bisher überdurchschnittlich warm war, gerade in der jüngeren Vergangenheit gab es aber mehrere solcher Ausschläge. Selbst der gefühlt manchmal unerträgliche Juli des diesjährigen Sommers muss sich gleich drei anderen Jahren geschlagen geben. 1994, 2015 und vor allem 2006 waren bedeutend wärmer.

Damit kratzt der Juli 2018 im Mittel nur am Wärmerekord, was auch daran liegt, dass die Hitze erst gegen Ende des Monats kam. "Zu zwei Dritteln war der Juli 2018 ein wunderbarer Sommermonat, erst im letzten Drittel haben die Temperaturen richtig angezogen", sagt Uwe Schickedanz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). 2006 sei dagegen jeder Tag ein Ausreißer gewesen.

 

Was der Durchschnitt nicht verrät

Die monatlichen Durchschnittstemperaturen verraten allerdings nichts über die Spannweiten der Temperaturen, also über den Unterschied zwischen der niedrigsten und der höchsten gemessenen Temperatur des Tages. Dieser Unterschied kann den rechnerischen Durchschnitt empfindlich beeinflussen, weil Ausreißer je nach Richtung den Wert drücken oder steigern. Die folgende Grafik zeigt die durchschnittliche Spannweite pro Monat.

 

Monatliche Durchschnittsspannweite seit 1947 an der Wetterstation Öhringen

temperatur range

Wir sehen, dass das Jahr 2018 seit März überdurchschnittlich hohe Unterschiede zwischen der höchsten und der niedrigsten Temperatur des Tages aufweist. Das hat einerseits zur Folge, dass wir nachts wenigstens ein bisschen durchatmen konnten, weil die Temperaturen relativ weit gesunken sind. Andererseits verstellt die Spannweite aber den Blick auf das Ausmaß der Hitze, weil sie den Durchschnitt beeinflusst.

 

In der Spitze war 2018 sehr heiß

Denn tatsächlich weist insbesondere der Juli 2018 sehr hohe Maximaltemperaturen auf. Genau genommen war an der Wetterstation in Öhringen seit 1947 nur der Juli 2006 heißer, wie die folgende Grafik zeigt.

 

Durchschnittliche Maximaltemperatur pro Monat seit 1947 an der Wetterstation Öhringen

2006 stürzten die Temperaturen im August ab, dafür zog der sogenannte Jahrhundertsommer 2003 im Spätsommer richtig an. Bislang schickt sich 2018 an, im August noch einmal nachzulegen. Aber der Monat ist noch lang und eine seriöse Prognose nicht möglich.

 

Massive Dürre in der Region

Die Hitze ist problematisch und längst kein Anzeichen für einen schönen Sommer mehr, sondern Folge eines massiven, menschengemachten Problems. Schlimmer noch ist aber die derzeitige Dürre. Wegen der darf zum Beispiel in Hohenlohe nur noch begrenzt Flusswasser entnommen werden. Und im Landkreis Heilbronn haben einige Kommunen an ihre Bürger appelliert, mit Wasser sparsam umzugehen.

Wie massiv sich die Dürre in der Region darstellt, zeigt folgende Grafik.

 

Niederschlagsmenge pro Monat seit 1940 an der Wetterstation Öhringen

Den Januar ausgenommen, liegt die Niederschlagsmenge durchgehend unter dem Gesamtschnitt, in den Monaten Juni und Juli sogar deutlich. Daran ändert auch der Regen von Donnerstag wenig: Der Deutsche Wetterdienst schätzt die Waldbrandgefahr in der Region wegen der Dürre weiterhin mittel bis hoch ein.

 

Die Dürre erkennt man auch auf Satellitenbildern

Die Trockenheit der vergangenen Wochen hat die Landschaft im Vergleich zum Vorjahr verändert. Vor allem an landwirtschaftlich genutzten Feldern erkennt man die Ausmaße. Braune Flecken sind dort zu sehen, wo 2017 noch grüne Flächen waren. Das hängt auch damit zusammen, dass Felder wegen der Dürre dieses Jahr früher geerntet wurden.

Aktuell liegt die Bodenfeuchte in der Region bei etwa 30 bis 50 Prozent. Das ist noch gerade so ausreichend für die Wasserversorgung der Pflanzen, aber „die vorhandene Vegetation steht aufgrund der fehlenden Bodenfeuchte unter Stress“, erläutert Jörg Asmus vom DWD. Eine optimale Wasserversorgung liegt bei 50 bis 80 Prozent. Die Folge: Die Vegetation geht zurück: „Selbst in Waldgebieten südöstlich von Heilbronn treten mehr bräunliche Flächen auf“, sagt Asmus. 

 

Die beiden Satellitenaufnahmen zeigen den Großraum Heilbronn. In der Mitte ist der Neckar erkennbar. Dort wo er etwas nach Osten versetzt fließt, liegt zentral die Stadt Heilbronn. Auch der Breitenauer See, sichelförmig und dunkelblau eingefärbt, ist gut erkennbar.

Satellitenaufnahme der Region Heilbronn am 15. August 2017:

15. August 2017

Satellitenaufnahme der Region Heilbronn am 3. August 2018:

03. August 2018

 

Hintergrund und Quellen 

Alle Daten stammen vom Deutschen Wetterdienst und sind öffentlich verfügbar, zum Beispiel unter diesem Link. Die Auswertung berücksichtigt nur Werte aus Öhringen, weil diese am weitesten zurückreichen.

Die Satellitenaufnahmen stammen vom United States Geological Survey, das die Bilder unter anderem auf dieser Homepage zur Verfügung stellt. Mit dem Sentinel-Satelliten lassen sich Aufnahmen bis 2015 zurückverfolgen. Mit den Landsat-Satelliten sogar bis ins Jahr 1999.