Pro & Contra: Was für und was gegen Artenschutz spricht

Meinung  Sind die strengen Schutzregeln für Mauereidechse & Co. übertrieben? Sind die Auflagen für Bauherren zu streng? Die Meinungen gehen auseinander.

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PRO

von Helmut Buchholz 

Artenschutz ist wichtig und richtig. Dass andere Länder in Europa es womöglich mit den strengen Schutzregeln für die Mauereidechse nicht so eng sehen, kann natürlich in Deutschland kein Argument sein, die Richtlinien hier laxer zu handhaben. Allerdings ist die Mauereidechse auch ein schönes Beispiel dafür, wie man es mit dem Artenschutz übertreiben kann.

In der Tradition preußischer Obrigkeitsgläubigkeit werden Schutzvorschriften wie ein militärischer Befehl befolgt, koste es, was es wolle. Der Sinn spielt dabei keine Rolle. Belege dafür gibt es genügend: Dass beim Einfangen der Eidechsen zum Zwecke ihrer Umsiedlung einige sterben? Egal. Dass für Ersatzbiotope wertvolle ökologische Habitate anderer Arten zerstört werden? Wen kümmert's? Dass die Umsiedlung einer einzigen Eidechse mehrere tausend Euro verschlingen kann? Wir haben's ja.

Das reiche Deutschland darf sich die biologische Vielfalt zwar durchaus etwas kosten lassen. Aber irgendwann kippt das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ins Absurde. Zur Erinnerung: Die Mauereidechse ist in Heilbronn durch ihr starkes Vorkommen kaum bedroht. Ganz abgesehen von diesem Missverhältnis: Mancher Mensch würde sich einen rigorosen Schutz wie bei der Mauereidechse in einem Land wünschen, in dem horrend laute Klappenauspüffe völlig legal sind und der Kampf gegen Lärm von Nachbarn ziemlich aussichtslos ist.


CONTRA

von Bärbel Kistner

So viel Tamtam um ein paar Eidechsen? Nur die Reptilien zu sehen und gar die Kosten für Ausgleichsmaßnahmen auf das einzelne Tier umzurechnen, greift zu kurz. Jede Tier- und Pflanzenart hat ihren Platz im Kreislauf der Natur. Manche Arten, etwa den viel geschmähten Juchtenkäfer, gibt es nur in ökologisch besonders wertvollen und eigentlich schützenswerten Lebensräumen. Wer solche Flächen zerstört, muss der Natur etwas zurückgeben. Artenschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Von vorneherein darauf zu verzichten, wäre das falsche Signal.

In Heilbronn gibt es einige Maßnahmen, die sehr gut funktionieren, etwa auf den Feldern in Klingenberg. Dort gibt es wieder deutlich mehr Feldlerchen. Die investierte Summe in Ausgleichsvorhaben ist aber noch lange kein Garant für den Erfolg. Das komplexe Zusammenspiel in der Natur lässt sich immer nur sehr schwer künstlich erzeugen. Manches aufwendig angelegte Biotop ist für die Katz" und nichts anderes als ein Feigenblatt.

Wer es mit Artenschutz wirklich ernst meint, muss deshalb zu manchen Bauprojekten schlicht und ergreifend "nein" sagen. Das ist in Zeiten des Booms eine unpopuläre Forderung. Doch schreitet der Umgang mit Flächen und die Zerstörung der Natur im momentanen Tempo weiter voran, bleibt der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung formulierte Anspruch eine Farce: unseren Kindern und Enkeln eine intakte Natur zu bewahren.

 

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