Prevorster Seifenkutschenrennen unter erschwerten Bedingungen

Oberstenfeld  Die jugendlichen Fahrer müssen beim 29. Prevorster Seifenkutschenrennen der Nässe trotzen und meistern die 350 Meter lange Rennstrecke dennoch mit Bravour.

Von Steffan Maurhoff
Email

Hendrick Sinn aus Eschenau zieht den behelmten Kopf ein, duckt sich so tief wie möglich hinter das Lenkrad. Dann geht die Klappe der Startrampe nach unten, und seine Seifenkutsche setzt sich in Bewegung. Sekunden später saust der 13-Jährige talwärts. "Hendrik macht sich so klein wie möglich, damit er den geringsten Luftwiderstand bietet", erklärt Streckensprecher Timo Wirth, und über die Lautsprecher bekommt es jeder an der Piste mit. Auch beim 49. Seifenkutschenrennen in Prevorst ist so etwas wie Motorsportatmosphäre mit einem Schuss Volksfeststimmung angesagt. Applaus bekommt dabei jeder der tollkühnen Rennfahrer zwischen acht und 16 Jahren.

Kurz vor dem Rennen schüttet es

Zeitsprung zurück, eine knappe Stunde vor Hendricks Start: Noch ist das Rennen nicht eröffnet. Besorgte Blicke der Organisatoren des Seifenkutschen- und Skivereins Prevorst wandern zum grauen Himmel. Schon fallen die ersten Tropfen, und schnell ist klar: Das wird ein richtig kräftiger Regenguss. Hurtig deckt Michael Kröner aus Gronau die Seifenkutsche mit der Startnummer 71 mit einer Plastikplane ab. Schließlich soll sein Sohn Marius (12) nachher, wenn es auf die Piste geht, im Trockenen sitzen. "Ausgerechnet jetzt regnet es", beklagt sich Tante Gerlinde Rossmanith. Mutter Cornelia Kröner gibt sich optimistisch: "Hoffen wir, dass es aufhört und wieder trocken wird."

Unterdessen guckt Lenya Wurst nach ihrem Fahrzeug mit der Startnummer 19. Ein riesiger Regenschirm schützt das Innere. Wenn alles nass wäre, so meint sie, "dann ist das halt unangenehm".

Im Rennlager bleiben trotzdem alle cool

Während der heftige Regenschauer im Festzelt für drangvolle Enge sorgt und die Helfer hinter der Essenstheke und am Ausschank zu Höchstform auflaufen, herrscht im Fahrerlager eine gewisse Gelassenheit. Reifentausch bei Regenwetter, so wie bei den Boliden der Formel 1? Fehlanzeige. "Das macht hier kein Mensch", sagt Michael Kröner und lacht. Gerlinde Rossmanith weiß aber um die Finessen der passenden Bereifung: "Marius hat Slicks drauf", sagt sie und deutet auf das Gefährt ihres Neffen: "Der braucht trockenes Wetter." Anders als Marius" Freund Luca Herrmann aus Gronau: "Der hat Schubkarrenreifen drauf. Das ist besser bei Regen."

Veranstalter setzt auf Sicherheit

Der Regen sorgt jedenfalls für erschwerte Bedingungen beim Prevorster Bergab-Happening. Doch Eugen Schall, Pressewart des veranstaltenden Vereins, gibt sich vor dem Start gelassen. Geregnet hat es bei dem traditionsreichen Spaß ohnehin schon öfters. "Bei Nässe", meint Schall, "greifen die Bremsen vielleicht nicht wie gewohnt. Das sind dann halt neue Erfahrungen." Er weiß ja, dass drunten in der Hohlgasse Schikanen aus gestapelten Autoreifen für einen Notstopp sorgen, falls jemand von der Piste abkommt. Zudem sind die Piloten mit Schutzkleidung und Helm eingepackt.

Mancher landet in den Autoreifen

Zeitsprung vor - Startfreigabe durch Ortsvorsteher Karlheinz Massa. Der zollt den Fahrern der Rennkisten Marke Eigenbau größten Respekt. Beherzt gehen die dann ans Werk. Als der neunjährige Marko Schmidt aus Prevorst seinen ersten Lauf absolviert, raunt die Schar an der Piste. "Boah!" Kurz darauf ist der Traum vom flotten Durchlauf dahin - Seifenkutsche Nummer 8 landet erst mal in den Autoreifen, die schicken Radzierkappen auch. Ein Schicksal, das nicht wenige Teilnehmer bei den drei Durchgängen ereilt. Das Publikum - trotz des anfänglichen Regens strömen die Zuschauer - verfolgt aufmerksam das Geschehen. In der dritten Reihe hat es sich Erika Rumler aus Oberstenfeld auf einem Campingstuhl gemütlich gemacht. Sie hat ein Schild auf dem Schoß. "Auf geht"s, Lukas. Flitz davon!", steht darauf. Als Lukas Rumler (11) dann vorbeizischt, springt seine Oma auf und streckt das Schild in die Höhe.

Pressewart Eugen Schall ist unterdessen mit der Zahl der Anmeldungen. 54 Fahrzeuge sind diesmal am Start. "Eines mehr als vergangenes Jahr. Rekord!"

Hintergründe und Sieger

Beim 49. Prevorster Seifenkutschenrennen sind 54 Fahrzeuge am Start, zehn davon mit Seitenwagen. An den Start gehen 50 Teilnehmer, teils mehrfach in den Klassen des Rennens: Soloklasse A mit Jungen und Mädchen zwischen acht und elf Jahren, Soloklasse B (zwischen zwölf bis 16 Jahre) und Seitenwagenklasse (acht bis 16 Jahre). Jüngste Teilnehmerin ist diesmal Hanna Brosi aus Oberstenfeld, die im Mai acht Jahre alt wurde. Sieger in der Soloklasse A ist Jannik Wolf aus Prevorst mit einer Gesamtzeit von 98,16 Sekunden, gefolgt von Lars Frey aus Gagernberg und Tina Sinn aus Eschenau. Marie Wolf aus Prevorst ist mit 90,44 Sekunden beste der Soloklasse B. Zweiter wurde Lukas Wurst aus Prevorst vor Marius Körner aus Gronau. Die Seitenwagenklasse gewinnen Max und Simon Wolf aus Prevorst (93,29) vor Luisa und Jannik Wolf aus Prevorst sowie Patrick und Hendrik Sinn aus Eschenau.


Kommentar hinzufügen