Polizei kontrolliert verstärkt Corona-Schutzmaßnahmen

Region  Am Wochenende zog es viele Menschen bei strahlender Sonne und Temperaturen um die 20 Grad in die Natur. An beliebten Ausflugszielen zeigte die Polizei Flagge, um die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen zu kontrollieren.

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Vor allem am Sonntagnachmittag zog es viele Ausflügler ins Freie. Vielerorts zeigte die Polizei das ganze Wochenende über verstärkt Flagge. Am Breitenauer See waren sogar zwei Pferde und eine Drohne im Einsatz.

Fotos: Andreas Veigel

Die Szenerie erinnert an einen Thriller, über dessen vordergründigem Idyll ein unsichtbarer Schatten lastet. Vogelgezwitscher, anmutige Schwäne, Ausflügler, Kinderlachen. Und über allem strahlt der Himmel, blau wie in Hollywood. Selbst zwei Reiter in der Ferne scheinen ins Bild zu passen. Plötzlich surrt eine Drohne, überall Polizei. Wir sind auf dem Boden der Wirklichkeit gelandet, im Frühling des Jahres 2020, wo ein Thema alles dominiert: Corona.

Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad zeigt die Polizei übers Wochenende verstärkt Präsenz und kontrolliert Zeitgenossen, die sich wenig um die Corona-Schutzmaßnahmen kümmern. Flagge zeigen die Ordnungskräfte vor allem "an den bekannten Hotspots", so Polizeisprecher Gerald Olma, also etwa in Naherholungszielen wie Wartberg, Hörnle, Ehmetsklinge und vor allem am Breitenauer See. Dort sind nach Angaben des Weinsberger Revierleiters Uwe Trumpp am Samstag ein Dutzend Kollegen unterwegs, am Sonntag noch mehr, inklusive zwei Pferden und Reitern der Bereitschaftspolizei plus Drohne. Die Löwensteiner Platte, wo sich noch vor einer Woche Motorradfahrer drängten, ist inzwischen gesperrt.

 

 

"Eigentlich sind die meisten vernünftig und reagieren auf die Hinweise", berichtet Trumpp: Abstand zwei Meter, ausweichen, nicht mehr als zwei Leute nebeneinander, mit Ausnahme von Familien und vor allem: Grillen verboten! "Das hat sich langsam rumgesprochen." Auf die kesse Frage, ob zwei Beamte, die einen Passanten ansprechen, nicht gegen das Verbot von Dreiergruppen verstoßen, bleiben Olma und Trumpp gelassen. "Systemrelevante" Personen seien davon befreit. Im Übrigen verwahrt sich Olma davor, "uns den schwarzen Peter zuzuschieben, wir kontrollieren nicht zum Spaß oder weil wir jemanden drangsalieren wollen". Man achte nur darauf, dass das, was die Politik entschieden hat, eingehalten wird: lauter Maßnahmen, die die Ausbreitung des Virus bremsen, Kliniken vor dem Kollaps bewahren und Leben retten wollen.

 

„Wir haben keinen Garten. Da muss man unbedingt raus“

Artan Ajvazi

 

"Verständnis" zeigt beispielsweise der Arzt Artan Ajvazi. Mit Ehefrau Suzanna und den beiden Töchtern wohnt er mitten in Heilbronn. "Wir haben keinen Garten. Die Spielplätze sind gesperrt. Da muss man unbedingt raus." Christa Plass und Inge Gorny aus Aspach drehen bis zu drei Mal die Woche ihre Runden um den See. Als sie sich dem Bauhof nähern, entdecken sie im Hof vier, fünf Polizeiautos. Die Präventionsmaßnahmen verstehen sie "teils, teils". "Neulich sind sie sogar durch die Weinberge gefahren, also bitte!" Und: "Alles zieht einen langen Rattenschwanz nach sich." Zu viele Firmen stünden vor dem Ruin.

Polizei kontrolliert Ausflügler wegen Corona-Maßnahmen

Die Löwensteiner Platte ist gesperrt, weil sie von zu vielen Motorradfahrern angesteuert wird. Gleichzeitig bot die Polizei eine Online-Sprechstunde für Biker.

"Ihren Ausweis bitte!" Die drei Personen aus Erlenbach, die an einem Tisch vor dem Kiosk sitzen, sind ein klassischer Fall für die Polizei. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um eine Familie mit erwachsener Tochter handelt. "Das konnten wir nicht sehen", gibt ein Polizist zu verstehen. Trotzdem wolle man nicht, dass sich am Kiosk noch mehr Leute niederlassen. Ein benachbartes Paar räumt freiwillig das Feld. Andere, die sich auf der Liegewiese niederlassen wollen, bekommen schnell Besuch von der Polizei. "Sorry, das ist nicht erlaubt!"

Wenn an Ausflugszielen wie Jagst und Kocher relativ wenige Ordnungshüter unterwegs seien, liegt das laut Olma daran, "dass sich hier das meiste verläuft". Und wenn die Freibäder diesen Sommer dicht bleiben? Trumpp antwortet prompt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir den Breitenauer See dann noch offen halten. Das wäre kontraproduktiv." Dies sei letztlich eine Entscheidung des Zweckverbandes, der dann von seinem Hausrecht Gebrauch machen könne.

Bußgelder bis zu 25.000 Euro

„Unter 100 Euro geht gar nichts“, betont Uwe Trumpp mit Blick auf den Bußgeldkatalog bei Verstößen gegen Corona-Schutzmaßnahmen. Wie der Leiter des Weinsberger Polizeireviers erklärt, muss jeder Beteiligte in einer Gruppe mit mehr als zwei Personen im Extremfall bis zu 1000 Euro zahlen. Auch wer öffentlich grillt zahlt 100 bis 1000 Euro. Bei extremen Verstößen drohen im Wiederholungsfall sogar bis zu 25.000 Euro. 

 

 

 

 

 

 

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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