Planungen für Teilumfahrung in Bad Wimpfen können weitergehen

Bad Wimpfen  In Bad Wimpfen ist die Entscheidung gefallen, ob eine Teilumfahrung der Stadt gebaut werden soll. Beim heutigen Bürgerentscheid entfielen 61,4 Prozent der Stimmen auf „Ja“. Dagegen votierten 37,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 45,4 Prozent.

Von Kirsi-Fee Rexin
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Info: Ein aktueller Bericht zum Ausgang des Wimpfener Bürgerentscheids folgt.

 

 

In den Wimpfener Wahllokalen herrscht am Sonntag reger Betrieb. Einzelne Bürger, aber auch ganze Grüppchen strömen in ein Klassenzimmer im Hohenstaufen-Gymnasium. „Heute morgen war es noch etwas ruhig, aber seit 13 Uhr geht es Schlag auf Schlag“, berichtet Wahlhelferin Anja Watzl. Um 14 Uhr haben sie, Rudi Holzmann und Vesna Cico 303 Wähler registriert. Trotzdem muss niemand lange warten, bis er in die Wahlkabine kann, denn ein Kreuz bei Ja oder Nein ist rasch gemacht.

Eine Gruppe von Freunden, die alle im Wohngebiet „Stauferpark“ leben, haben sich gemeinsam zum Wählen aufgemacht, obwohl sie unterschiedliche Ansichten haben. „Unsere Entscheidung ist nach der Infoveranstaltung am Mittwoch gefallen. Wir stimmen für die Tangente, weil man die Entwicklung von Wimpfen nicht verschlafen darf“, erklärt eine Frau, die lieber anonym bleiben möchte. „Außerdem hat die Bürgerinitiative nichts Neues hervorgebracht.“

Ihre Freundin sieht das anders: „Ich habe mich gegen die Tangente entschieden, weil mir einfach die Entlastung, die sie bringen soll, zu gering ist.“

Bürgerin: „Ich glaube, das wird eine enge Kiste“

„Ich glaube, das wird eine enge Kiste“, vermutet Michaela Baier. Sie und ihr Mann Michael haben den Besuch im Wahllokal im Kindergarten Landgraben an diesem Mittag einfach mit einem Spaziergang in der Sonne verbunden. „Wir haben für Ja gestimmt. Wenn wir jetzt nicht planen, dann hängen wir ewig hinterher“, findet die Wimpfenerin. „Außerdem ist das ja erstmal nur eine Planung, es ist ja noch nichts in Stein gemeißelt.“ Die Argumente der Bürgerinitiative konnten sie nicht überzeugen. „Es ist einfach nicht gesagt, dass die Alternativen auch wirklich umgesetzt werden können.“ Ehemann Michael meint: „Wir diskutieren schon seit 40 Jahren über eine Umgehungsstraße, jetzt muss einfach mal etwas passieren.“

Von 8 bis 18 Uhr waren die Wahllokale der Stadt Bad Wimpfen am Sonntag geöffnet. Der erste, der im Rathaus seine Stimme abgab, stand Punkt 8 Uhr vor der Tür. Foto: Plapp-Schirmer

Ähnlich sieht das Susanne Reinmuth: „Zu den Stoßzeiten ist Wimpfen komplett dicht, die Tangente kann hoffentlich eine Verbesserung bringen.“ Als Wimpfener-Urgestein kennt sie die ehemalige Stauferstadt wie ihre Westentasche und weiß: „Vor 20 Jahren sah die Situation noch besser aus.“ Radwege und den ÖPNV weiter auszubauen, wie es die BI vorschlägt, ist in ihren Augen nicht genug. „Ich glaube nicht, dass man das Busnetz so ausbauen kann, dass man jeden Punkt in Wimpfen erreichen kann. Und älteren Menschen bringen auch die Radwege nichts, weil die oftmals gar nicht mehr mit dem Rad fahren können.“

„Ein Tunnel muss her“

Im Rathaus haben die ersten Bürger bereits Punkt 8 Uhr ihre Stimme in die Urne geschmissen. Wahlhelfer Gerhard Fröhlich registriert bis 9.15 Uhr genau 17 abgegebene Stimmen. Einer der frühen Wähler ist Thomas Pfundtner. Er hat sein Kreuz bei Nein gemacht. Der Wimpfener ist gegen den Bau der Querspange, weil er sich sicher ist, dass auch die Tangente allein nicht die Lösung aller Verkehrsprobleme sein wird. „Sie ist nur ein Teil des Stückwerks. Wer wirklich will, dass Bad Wimpfen dauerhaft vom zunehmenden Verkehr entlastet wird, wird zu der Erkenntnis kommen: Ein Tunnel unter dem Ort muss her. Im Vergleich zu Stuttgart 21 oder dem Flughafen BER wären es nur Peanuts, die dafür aufgebracht werden müssten“, findet Pfundtner.

„Ich bin gespannt und habe Hoffnung“, erklärt Rathauschef Claus Brechter im Rathaus. Er habe sein Möglichstes getan, um die Wähler von der Tangente zu überzeugen, „jetzt sind die Bürger an der Reihe“. Auch wenn er das Ergebnis nicht abschätzen könne, so stehe eines für ihn bereits fest: „In jedem Fall ist die Entscheidung zu akzeptieren. Sollte jedoch die Mehrheit gegen die Tangente stimmen, ist das Thema Straßenbau für die Stadt ad acta gelegt.“ Für eine Wahlparty im Anschluss sei er, egal wie der Bürgerentscheid ausgehe, nicht zu haben. „Ich halte das für unnötig.“

BI will mit Entscheidung konsens- und kompromissorientiert umgehen

Anders die Bürgerinitiative „Wimpfener Straßen entlasten“ (WiSe): Der harte Kern der Mitglieder will nach der Wahl noch im Hotel am Rosengarten feiern. „Auch wenn es nicht zu unseren Gunsten ausgehen sollte, denn wir haben mit unsere Initiative enorm viel erreicht“, findet Sprecherin Martina Burkert. „Es ist schön, dass die Leute das Recht der direkten Demokratie nutzen - allein das gilt es zu feiern.“

Burkert ist sich sicher, dass jeder Wähler seine Entscheidung sorgfältig abgewogen hat. „Man muss wegkommen von dieser Grundhaltung ,Ich gewinne, und du verlierst. Stattdessen sollten wir mit der Entscheidung der Bürger konsens- und kompromissorientiert umgehen.“ Sollten sich die Bürger für die Tangente entscheiden, so wolle man den Kopf keinesfalls in den Sand stecken. „Wir werden weiter als Bürgerinitiative aktiv sein. Außerdem hoffen wir, dass wir ein bis zwei Vertreter in den Gemeinderat bringen können. So wollen wir uns sachlich, ruhig und konsensorientiert für ein Umdenken in der Stadt einsetzen.“

 

 
 
 
 

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