Photovoltaik-Anlagen liefern mehr Strom

Region  Bei der Solarstrom-Produktion in Deutschland bahnt sich ein Rekord an. In diesen Tagen Tagen dürfte die Erzeugung das Niveau des gesamten Jahres 2017 erreicht sein. Davon geht der Bundesverband Solarwirtschaft aus. Auch die Region spürt ein Plus.

Von Simon Gajer und Heiko Fritze

Photovoltaik-Anlagen liefern mehr Strom

Foto: dpa

 

"Das wird ein gutes Jahr", schätzt Bernd Weibler aus dem Bretzfelder Teilort Bitzfeld, wo der Landwirt eine größere Freiflächen-Photovoltaik-Anlage betreibt. Nähere Zahlen liegen ihm zurzeit nicht vor, da er nicht täglich nach den Werten schaue. "Die Anlage läuft", meint er und schmunzelt.

Die vergangenen Monate lassen für ihn aber nur einen Schluss zu: "Wenn von morgens bis abends die Sonne scheint, gibt es mehr Strom."

Genossenschaft Energeno vermeldet ein Plus

"Wir im Süden sind privilegiert, was die Sonneneinstrahlung angeht", zieht Georg Dukiewicz allerdings ein gemischtes Fazit der vergangenen Monate. Das Vorstandsmitglied der Heilbronner Bürger-Energie-Genossenschaft Energeno vermeldet für die 19 Standorte ein unterschiedliches Plus der Monate April bis August.

Es gibt regionale Unterschiede

In der Region, wo Energeno unter anderem entlang der Autobahn A 6 bei Kirchardt positioniert ist, stieg die Stromproduktion in diesem Zeitraum um acht Prozent. Im Osten der Republik betreibt Energeno ebenfalls Anlagen, und dort ging es sogar um insgesamt 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr hoch. "Dort waren die vergangenen Jahre eher schlecht", betont Georg Dukiewicz.

Energeno nennt die Zahlen zu zwei Anlagen

Zwei Beispiele aus Brandenburg nennt der Energeno-Vorstand im Gespräch mit unserer Zeitung: Bei Rückersdorf rechnet die Genossenschaft in der Regel mit einem Jahresertrag von insgesamt 1,5 Millionen Kilowattstunden, von April bis August kamen schon 1,2 Millionen zusammen.

In Schönewalde liegt der geplante Jahresertrag bei 3,9 Millionen Kilowattstunden. Im selben Zeitraum 2018 kamen 3,1 Millionen zusammen. Ein langer Sommer bedeutet laut Georg Dukiewicz aber nicht automatisch viel Strom. "Wenn es zu heiß wird, schalten die Anlagen ab." Energeno hat Glück, Ausfälle habe es nicht gegeben.

Zeag spricht von einem Rekordjahr

Für den Heilbronner Energieversorger Zeag und die angeschlossene Bürger-Energie Heilbronn erwartet Harald Endreß ein Rekordjahr. Deren Photovoltaikanlagen erzeugten normalerweise täglich etwa 18 000 Kilowattstunden Strom, berichtet der Geschäftsführer der Zeag Erneuerbare Energien GmbH.

Die mehr als 110 Anlagen haben diesmal im Vergleich zum Vorjahr rund 8,3 Prozent mehr Strom in den Sommermonaten geliefert. Die erste Photovoltaikanlage wurde bei der Zeag 2009 in Böckingen installiert. An der Mehrzahl der Anlagen sind Privatpersonen über ein Bürgergenossenschaftsmodell beteiligt.

Strom aus ehemaligem Militärgelände

Im ersten Halbjahr ein Plus zwischen fünf und zehn Prozent gegenüber der sonst üblichen Sonneneinstrahlung: Das vermeldet Kambis Ebrahimi für eine Photovoltaik-Anlage im Kraichgau. Ebrahimi ist Geschäftsführer von PV-Strom Solar Investments GmbH & Co. KG aus Ludwigsburg. Das Unternehmen betreibt unter anderem zwischen dem Bad Rappenauer Stadtteil Obergimpern und Siegelsbach einen Standort, der sich in einem ehemaligen Militärgelände befindet.

Dort werden pro Jahr im Schnitt 1,2 Millionen Kilowattstunden erwartet. Exakte Zahlen nennt Ebrahimi nicht, doch sein Unternehmen registriert das Plus: Die Stromproduktion liege in den ersten sechs Monaten um 5,1 Prozent über den Erwartungen. Im Vergleich dazu habe das gesamte Vorjahr 2,6 Prozent unter den Erwartungen abgeschnitten.

Große Nachfrage nach Photovoltaikanlagen

Unterdessen spürt Friedhelm Widmann, Geschäftsführer der Widmann Energietechnik GmbH aus Neuenstadt, eine Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen. Auf den langen Sommer lasse sich das nicht zurückführen. "Prinzipiell hat es angezogen", sagt Widmann. "Es liegt an der allgemeinen Stimmungslage."