Papier oder Plastik, um Hefte und Bücher einzubinden?

Region  Immer im September stürmen Eltern in Schreibwarengeschäfte. In ihren Händen Listen mit dem, was Kinder für den Unterricht brauchen. Immer mehr Schulen wünschen sich dabei Papier und Pappe statt Plastik. Ob das Sinn ergibt - da gehen die Meinungen auseinander.

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Papier oder Plastik um Schulhefte und Schulbücher? Das ist die Klima-Frage.

Papierumschläge wie der grüne sind bei Seel immer gefragter.

Foto: Mario Berger

Ein blauer Schnellhefter, ein grünes Ringbuch, ein Heft DINA4 kariert mit Rand und blauem Umschlag, ein Heft DINA5 liniert ohne Rand mit gelbem Umschlag... Gefühlt sind sie endlos, die Listen, die die Kinder mit nach Hause und Eltern zum Stöhnen bringen.

In den vergangenen Tagen es schon ruhiger geworden im Bürofachmarkt Mollenkopf in Neckarsulm, aber kurz nach Schulstart war die Hölle los. "Wir hatten am Tag zwischen 350 und 400 Kunden", schätzt Saskia Müller vom Vertrieb. Deren Listen sehen anders aus als noch vor ein paar Jahren: "Der Trend bei Hefteinbänden und Schnellheftern geht zu Papier und Pappe. Die Lehrer wollen das aus Nachhaltigkeitsgründen."

Mollenkopf hat im Sortiment, was gewünscht wird, doch Müller sagt auch: "Die Sachen aus Papier gehen schneller kaputt."

Schlechte Erfahrungen mit Papier

Das deckt sich mit der Erfahrung einer Mutter im vorigen Schuljahr: Nach sechs Wochen waren die Papierumschläge ihrer Grundschul-Tochter zerschlissen. Beim Ersatz widersetzte sich die Mutter dem Wunsch der Lehrerin und griff zu Kunststoff. "Die Frage nach dem Nutzen für die Umwelt ist schon zwiespältig, wenn ich drei Mal Papier statt einmal Plastik brauche", sinniert auch Saskia Müller.

Das Thema Umweltschutz sei bei der Kundschaft inzwischen komplett angekommen, hat Eva Schnepf, Geschäftsführerin bei Schreibwaren Seel in Heilbronn, beobachtet. "Die meisten Kunden bringen zum Beispiel ihre Taschen mit. Wir brauchen kaum noch Plastiktüten." Und immer mehr Schulen schreiben auf ihre Listen: "Wir wollen Papier."

Da bei Seel während des Schuljahrs kaum noch Umschläge verkauft würden, geht Eva Schnepf davon aus, dass die Papierumschläge auch dauerhaft halten - wobei: "Es gibt solche und solche." Also welche aus dünnem Papier und dickere, kartonartige. "Klar, da stellt sich dann wieder die Frage nach der Herstellungsart." Vereinzelt gebe es mittlerweile Schulen, die komplett auf Umschläge verzichten.

Und was sagen die Verkäuferinnen?

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Martina Kübler von der Buchhandlung Rau in Öhringen hat mit ihren Kolleginnen die große Schulbeginn-Einkaufsschlacht geschlagen und beobachtet: "Viele Kunden kommen mit Zetteln, auf denen die Lehrer Pappschnellhefter wünschen". So ganz ist der Umweltschutzgedanke allerdings noch nicht zu den Schulen durchgedrungen: "Ein Lehrer wünschte Pappschnellhefter, die mit Folie eingebunden werden sollen." Satire pur.

Was machen Eltern mit den Büchern? Folie oder Papier? "Selbstklebende Folie darf nicht verwendet werden, sonst müssen die Eltern die Bücher bezahlen", weiß Kübler. Die meisten Eltern hätten Plastikeinband bevorzugt, weil der länger halte und nicht nach zwei Wochen erneuert werden müsse. "Es gab aber auch welche, die Bücher mit Paketpapier einbinden." In Eppingen ist das nicht gern gesehen. Dort wurde den Schülern gesagt, die Umschläge müssten durchsichtig sein.

 


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

Yvonne Tschwerwitschke

Yvonne Tscherwitschke

Autorin

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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