Obersulmer führt Deutschlands größten Wachtel-Online-Shop

Obersulm  Michael Volk hat als neunjähriger mit der Hühnerzucht begonnen. Heute führt der 24-Jährige in Obersulm Deutschlands größten Wachtel-Online-Shop. Er musste aber auch Rückschläge hinnehmen.

Von Reto Bosch
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Michael Volk (rechts) und Nico da Silva haben aus einer Idee ein funktionierendes Geschäftsmodell gemacht. Foto: Mario Berger

Der kleinste Hühnervögel Europas spielt im Leben von Michael Volk eine große Rolle. Genauer: Die Existenz des Obersulmers ruht auf dem Appetit von Wachteln. Als Neunjähriger hat er begonnen, die starengroßen Eierproduzenten zu züchten. Heute beschäftigt er 17 Mitarbeiter, verkauft pro Jahr mehr als 1000 Tonnen Futter, betreibt den nach eigenen Angaben größten Online-Shop Deutschlands für Wachtelbedarf.

Michael Volk hat aus den Rückschlägen gelernt

Michael Volk sitzt in einem Besprechungsraum. Der 24-Jährige soll erzählen, wie er ein kleines, aber dynamisches Unternehmen aufgebaut hat. Der Obersulmer muss keine Sekunde überlegen, hat alle Meilensteine seiner Geschichte parat. Und es sind so viele, dass gar nicht alle in diesen Artikel hineinpassen.

Michael Volk besucht die dritte oder vierte Klasse als alles beginnt. Er will unbedingt Eier von eigenen Hühnern essen. Der Grundschüler gibt so lange keine Ruhe, bis er in Obersulm ein Grundstück gefunden hat, auf dem er ein paar Hühner halten darf. Schnell richtet sich sein Blick auch auf Wachteln, die pro Jahr bis zu 300 Eier legen. "Das hat wunderbar geklappt." Morgens muss er die Tiere in den Auslauf entlassen, mittags füttern, abends die Geflügelschar wieder sicher verwahren. Jeden Tag. Nachbarn, Lehrer, Freunde bekommen die Eier geliefert. Zwölf Stück für drei Euro.

Futter eingekauft und für den doppelten Preis verkauft

Zu dieser Ausdauer gesellt sich rasch Geschäftstüchtigkeit. "Ich bin mit dem Rad zur Mühle gefahren, habe Futter gekauft, es umverpackt und zum doppelten Preis wieder verkauft." Michael Volk ist elf Jahre alt, als er beginnt, selbst gezüchtete Wachteln über die eigene Homepage zu verkaufen. "Ich habe schnell gemerkt, dass sich mit dem Zubehör mehr Geld verdienen lässt als mit den Wachteln selbst." Die Nachfrage wird so groß, dass er nicht mehr liefern kann. Mit seiner Mutter fährt Volk nach Bayern und kommt mit 200 Wachteln im Auto wieder zurück. "Ohne meine Mutter würde es das Unternehmen nicht geben." Sie stützt den Sohn, hilft, meldet für ihn ganz offiziell ein Gewerbe für Minderjährige an.

Die Mutter hilft ihm auch über die Rückschläge hinweg. Michael Volk erzählt von seinen Enttäuschungen im Bewusstsein, aus diesen gestärkt hervorgegangen zu sein. Zusammen mit Nico da Silva (29) investiert er Monate in einen verdreckten, ausgedienten Stall, um darin Wachteln züchten zu können. Einen Vertrag gibt es nicht. Am Ende haben die beiden viel Geld und Zeit verloren. Ähnlich ergeht es ihnen mit einem Gebäude in Pfedelbach. Auch dort werden, so Volk, Absprachen nicht eingehalten, sie müssen die Zucht einstellen.

Geschäftspartner lobt Hartnäckigkeit

Jeder dieser Rückschläge hätte Volk und da Silva dazu bringen können, die Idee zu begraben und sich irgendeinen Job zu suchen. Dazu kommt es nicht. Warum, kann ein Geschäftspartner erklären: "Die beiden zeigen Leidenschaft und Begeisterung. Das, was man als Unternehmensgründer braucht." Das sagt Andreas Rohr, Geschäftsführer des Futtermittelherstellers Beweka, dieser Redaktion. Er erinnert sich an den ersten Termin. "Ich hatte die Pläne zunächst belächelt." Heute schätzt er das "innovative Duo", die "coolen Typen" hätten eine gute Nische gefunden.

Das Unternehmen von Michael Volk muss sich mehrfach häuten, bis es die heutige Dimension erreicht. Laden- und Versandflächen werden zu klein, ein ums andere mal. Inzwischen stehen dem Ladengeschäft Tier-Oase, einem weiteren Standbein, mehr als 300 Quadratmeter zur Verfügung, eine Halle für den Online-Shop bietet 750 Quadratmeter. "Wir beliefern Kunden in 35 Ländern", sagt der 24-Jährige. 50.000 Pakete gehen pro Jahr auf die Reise.

Private Wachtel-Halter in den Fokus genommen

Gewerbliche Tierhalter liegen nicht im Fokus des Wachtelshops. Sondern private Halter, die ein paar Tiere halten, eigene Eier produzieren wollen und Wert auf qualitativ hochwertiges Futter legen. Natürlich bieten Volk und da Silva das gesamte Zubehör an. Inklusive befruchtete Wachteleier und Brutgerät.

Ein Blick auf die bisherige Firmengeschichte legt nahe, dass es dabei nicht bleiben soll. "Unser Ziel ist, wieder in die Wachtelzucht einzusteigen", sagt Michael Volk. Nach den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit will das Duo aber selbst bauen, sich nicht wieder einmieten. "Bis wir das Kapital haben, müssen wir aber noch ein bisschen durchziehen."


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