Obduktion bringt kein eindeutiges Ergebnis

Heilbronn  Ermittlungen im Fall des verstorbenen Gastwirts Lothar Hesser aus Heilbronn laufen weiter. Solche Todesermittlungsverfahren sind gar nicht so selten.

Von Heike Kinkopf

Obduktion bringt kein eindeutiges Ergebnis

Die Kernerhöhe ist vielen Menschen als "Hessersbeck" bekannt. In dem Lokal in der Nähe des Hauptfriedhofs scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Foto: Andreas Veigel

 

Der Leichnam des verstorbenen Gastronoms Lothar Hesser ist am Freitag obduziert worden. Nach wie vor ist offen, woran genau der 65-Jährige gestorben ist. Das teilt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Heilbronner Stimme mit. Das Todesermittlungsverfahren ist durch die Obduktion also noch nicht beendet.

Hessers Tod hat viele Menschen bestürzt. Am Donnerstag vor einer Woche verstarb der Wirt der Heilbronner Gaststätte Kernerhöhe ganz plötzlich. Hesser soll eine Apfelschorle getrunken haben, in der sich eine Wespe befand und die er verschluckte. Später klagte der Wirt laut Mitarbeiterinnen über ein Brennen im Mundbereich, Anzeichen auf einen allergischen Schock habe es aber nicht gegeben. Ein Taxi brachte den 65-Jährigen schließlich in die Notaufnahme am Gesundbrunnen. 

Verdacht auf Behandlungsfehler

Ein Bekannter des Verstorbenen erstattete Anzeige, sagt Martin Renninger, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dieser Bekannte sei nicht im Krankenhaus bei der Behandlung des Gastwirts dabei gewesen. Im Raum steht laut Staatsanwaltschaft die Frage, ob der Tod Hessers hätte verhindert werden können. Worauf sich der Verdacht des Anzeigenerstatters auf einen Behandlungsfehler stützt, ist unbekannt.

Die Obduktion des Leichnams bringt kein abschließendes Ergebnis. "Die Todesursache lässt sich nicht eindeutig feststellen", sagt Renninger. Weitere Untersuchungen sollen klären, ob tatsächlich Behandlungsfehler vorliegen. Dazu werden häufig Sachverständige hinzugezogen. Der Klärungsprozess könne sich unter Umständen "eine sehr geraume Zeit hinziehen". Behandlungsfehler nachzuweisen, sind "hochkomplexe Vorgänge".

Mehr Verfahren als Tage im Jahr

Todesermittlungsverfahren sind bei der Staatsanwaltschaft Heilbronn keine Seltenheit. Im Jahr 2017 sind insgesamt 528 solcher Verfahren geführt worden. "Nach einem Wochenende haben wir oft vier bis fünf Fälle", sagt Renninger. Die allermeisten Ermittlungen richteten sich nicht gegen bestimmte Personen. Verfahren gegen Ärzte, seien es Bedienstete von Kliniken oder niedergelassene Ärzte, "sind selten". Vielmehr gehe es in den meisten Fällen darum, zu prüfen, ob ein natürlicher Tod vorliegt oder ob es Hinweise auf eine Fremdbeteiligung gibt.

Hat jemand etwas getan oder unterlassen, das zum Tod eines Menschen führte? Kam es dabei zu Straftaten, beispielsweise zu einer unterlassenen Hilfeleistung? Häufig seien Ärzte und Polizei, die etwa zu einem Notfall gerufen werden, in der Lage zu erkennen, ob jemand am Tod eines Menschen beteiligt war.

Woran genau ist ein Mensch gestorben? Es kommt vor, dass am Ende eines Todesermittlungsverfahrens diese Frage nicht eindeutig beantwortet ist - war es ein Herzinfarkt? War es ein Schlaganfall? Entscheidend ist aus juristischer Sicht ohnehin nur die Feststellung, ob jemand Schuld am Tod eines Menschen trägt oder ob das ausgeschlossen werden kann.

 


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