Ölheizungsbesitzer in der Region sind verunsichert

Region  Was wird aus der eigenen Öl- und Gasheizung? Die Debatte um ein Verbot beschäftigt Handwerker, Genossenschaften und Brennstoffhändler rund um Heilbronn. Die Empfehlung der Innung ist klar.

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Heizöllieferung
Das angekündigte Aus der Ölheizung beschäftigt Hausbesitzer, Mieter und das Handwerk. Wie geht es weiter mit der Heiztechnik? Foto: dpa

Noch sind es nur Pläne, für die es noch gar keine endgültigen Beschlüsse und Gesetze gibt. Doch das angekündigte Aus für die Ölheizung beschäftigt bereits viele. Allen voran Hausbesitzer, Mieter und das Handwerk. Denn für sie stellt sich die Frage, wie es weitergeht in Sachen Heiztechnik.

Bei der Innung Sanitär-Heizung Klima Heilbronn-Hohenlohe muss Obermeister Martin Freisleben zurzeit immer wieder verunsicherte Heizungsbesitzer beruhigen. Nach den aktuellen Entwürfen müssen sie ihre heute bestehenden Heizungen nämlich nicht auswechseln. "Bestehende Anlagen dürfen noch repariert und umgebaut werden", sagt er. Ein Verbot greife zunächst nur, wenn es um eine neue Heizung geht.

"Ich empfehle zwar meinen Kunden, dass sie auf regenerative Energien umsteigen", erklärt er. "Aber das kann man nicht generell und überall umsetzen." Der Inhaber eines Betriebs in Flein ist überzeugt: "Die Gas- und Ölheizungen werden nicht von heute auf morgen sterben. Die nötige Infrastruktur für andere Heizungen gibt es oft einfach nicht."

 

Heizungen in Baden-Württemberg

Fertig gestellte Neubauten nach überwiegender Heizenergie in Prozent

60,2%

(2018)

58,1%

(1984)

Gas

60%

Öl

50

40

29,9%

(2018)

Erneuerbare

Energien

24,4%

(1984)

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11,3%

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8,5%

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Strom

10

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Fernwärme

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HSt-Grafik, Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Heizungen in Baden-Württemberg

Fertig gestellte Neubauten nach

überwiegender Heizenergie in Prozent

60,2%

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Gas

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Erneuerbare

Energien

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HSt-Grafik, Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

 

Denkmalschutz wird zum Problem

Zum Beispiel seien die gängigen Alternativen, etwa Photovoltaik, bei allen Gebäuden nicht möglich, die unter Denkmalschutz stehen - und das gelte somit oft schon für ganze Altstädte, etwa in Bad Wimpfen, Eppingen oder Forchtenberg. Schließlich soll dort das historische Ortsbild nicht durch Solarmodule verändert werden. "Wer in einem denkmalgeschützten Haus wohnt und eine Öl- oder Gasheizung hat, braucht sich keine Sorgen zu machen", sagt Freisleben.

Das Handwerk fordert Sicherheit

Die Handwerksbetriebe selbst haben ein anderes Problem: Sie hängen zurzeit gewissermaßen in der Luft. "Wir wissen gar nicht genau, wie wir damit umgehen sollen, so lange das Gesetz noch in der Schwebe ist", sagt der Obermeister. Generell erwartet er aber deutliche Änderungen für das Geschäftsfeld der 179 Mitgliedsbetriebe. "Sie werden sich wohl alle umstellen auf Wärmepumpen-Technologie und regenerative Energien." Bis 2025 werde das wohl vollzogen sein. Immer vorausgesetzt, bis dahin besteht eine klare Gesetzeslage.

Heilbronner Gewo schafft die Ölheizungen ab

Bei Neubauprojekten ist die Ölheizung ohnehin schon lange nicht mehr gefragt. Und auch Wohnbaugenossenschaften nehmen davon immer mehr Abstand. "Beim Verkauf von Wohnungen wird man praktisch gezwungen, andere Energieträger anzubieten", berichtet Waldemar Fiedler, Vorstand der Heilbronner Genossenschaft Gewo. "Es ist eben der politische Wille, fossile Energieträger auslaufen zu lassen." Werde ein Neubau geplant, der förderfähig sein soll, dürfe folglich keine Ölheizung eingebaut werden, erläutert er.

Die Gewo habe unter ihren etwa 1100 Wohnungen allenfalls noch eine Handvoll dieser Anlagen in Betrieb - und diese würden dann bei Sanierungen außer Betrieb genommen. "Wir haben sehr viel reduziert in den vergangenen Jahren", sagt Fiedler. "Und für die Ölheizungen, die wir noch haben, werden wir auch noch Lösungen finden. Eigentlich hat man ja keine Wahl mehr."

Zahlen zum Heizöl

Der Heizöl-Absatz in Deutschland ist von Januar bis September 2019 um 23 Prozent gestiegen. Nach wie vor gibt es 5,6 Millionen Ölheizungen in Deutschland, die 20 Millionen Menschen, also 25 Prozent der Bundesbürger, mit Wärme versorgen.

Ölhändler hoffen auf E-Fuel

Von großer Unsicherheit unter seinen etwa 400 Mitgliedern berichtete jüngst auch Thomas Rundel, Energiehändler aus Singen und Vorsitzender des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH): "Viele sprechen uns Händler auf die Gesetzes- und Verordnungsentwürfe an und fragen, wie sie in Zukunft heizen können", sagte er. Wie in der Gasversorgung liege auch in der Ölheizung Potenzial für eine klimaneutrale Technologie, hält er dagegen - und zwar über erneuerbar erzeugte flüssige Brennstoffe.

Diese sogenannten E-Fuels werden mithilfe von Ökostrom aus Reststoffen oder aus CO2 und Wasserstoff produziert. Sie müssten daher als CO2-neutral anerkannt werden, fordert Rundel. Sonst könne der gute Wille zum Bumerang werden, warnt er: "Anstatt zu motivieren, veranlasst die Bundesregierung unsere Kunden dazu, ihre alte, aber zuverlässige Ölheizung möglichst lange zu betreiben."


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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