Nur ein Pfarrer will katholischer Dekan im Unterland werden

Region  Bei der Suche nach einem neuen katholischen Dekan von Heilbronn-Neckarsulm gibt es Probleme. Die Wahl fällt mangels Interessenten aus. Der Rottenburger Bischof wird wohl Roland Rossnagel benennen.

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Nur ein Pfarrer will katholischer Dekan im Unterland werden

Weihbischof Thomas Maria Renz (Zweiter von rechts) bei der Einführung der bisherigen Dekane: (von links) Michael Donnerbauer (Erster Stellvertreter), Siegbert Denk (Leitender Dekan) und Roland Rossnagel (Zweiter Stellvertreter).

Foto: Archiv/Sawatzki

Eigentlich sollte im katholischen Dekanat Heilbronn-Neckarsulm diese Woche ein neuer Dekan gewählt werden, inklusive Stellvertreter. Doch der 70-köpfigen Wahlversammlung aus Dekanatsräten, Pfarrern und pastoralen Mitarbeitern schneite kurzfristig eine Nachricht ins Haus, dass es zu keiner Wahl kommen wird: ganz einfach aus Mangel an Kandidaten. Die Amtszeit von Siegbert Denk (61) lief bereits am 25. Juli aus. Denk wollte nach "neun guten Jahren und nach reiflicher Überlegung", so heißt es, nicht mehr kandidieren. Er bleibt aber Pfarrer in Neckarsulm.

Nur zwei Pfarrer machten ihre Kreuzchen

Wie Dekanatsreferent Michael Dieterle auf Anfrage der Heilbronner Stimme erklärt, habe man in Abstimmung mit Weihbischof Thomas Maria Renz, dem zuständigen Gebietsreferenten der Diözese Rottenburg-Stuttgart, bereits vor der Sommerpause rechtzeitig einen vierköpfigen Wahlausschuss gebildet. Der habe alle 14 in Frage kommenden Pfarrer zwischen Lauffen und Gundelsheim, zwischen Obersulm und Brackenheim angefragt, ob sie sich die Kandidatur vorstellen könnten. Doch fast alle kreuzten das Feld "gar nicht" an. Alleine Roland Rossnagel (64) von St. Peter und Paul in Heilbronn, der bereits schon Vize ist, machte sowohl bei "Dekan" als auch bei "Stellvertreter" ein Kreuz. Rossnagels Kollege Michael Donnerbauer (44) aus Lauffen am Neckar wäre zunächst bereit gewesen weiterhin als Stellvertreter zu fungieren. Doch nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Thomas im September zog er die Kandidatur zurück.

Bischof setzt einen Pfarrer ein

Kirchenrechtlich greift in solchen Fällen die Möglichkeit, dass der Bischof einen Pfarrer zum Dekan ernennt. Nach Informationen der Heilbronner Stimme soll dies tatsächlich der Fall sein. Demnach wird das Amt am 1. Dezember kommissarisch Roland Rossnagel übertragen - mit der Maßgabe, dass die Unterländer Katholiken innerhalb von zwei Jahren mindestens einen Stellvertreter finden, was für ein Dekanat mittlerer Größe ausreiche. In 16 Seelsorgeeinheiten mit 37 Pfarreien leben 90.000 Gläubige. Das Gebiet ist ungefähr deckungsgleich mit dem Stadt- und Landkreis Heilbronn. Die Dekanatsordnung sieht vor, dass der Dekan aus dem Kreis der im Dekanat tätigen Leitenden Pfarrern kommen muss.

Doppelbelastung und Dauerproblem

Warum das Interesse an dem Amt so gering ist? In Zeiten der Priesternot hätten Pfarrer in der Gemeindeleitung und in der Seelsorge "schon mehr als genug zu tun", weiß Dekanatsreferent Dieterle. Gleichzeitig seien die meisten mit pastoralem Personal "nicht gerade üppig ausgestattet". Anders als in vielen evangelischen Kirchenbezirken gebe es für katholische Dekane in der Regel keine Freistellung vom Pfarrdienst. Der "Dekanenbonus", so Dieterle, halte sich mit einer zusätzlichen Stelle in Grenzen, "aber da muss man halt auch erst mal jemanden finden". Das Problem ist nicht neu. Bereits beim Abgang des vorherigen Dekans Dr. Uwe Scharfenecker hatte die Kirche vergeblich nach Kandidaten gesucht, weshalb Bischof Gebhard Fürst 2010 Denk zum Dekan ernannte.

 


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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