Notstand im Krankenhaus

Heilbronn  Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisiert bei der Jahrespressekonferenz die Belastung der Pflegefachkräfte und die unangemessenen Reaktionen innerhalb der SLK Kliniken. Ein Vorschlag ist, weniger Betten bereitzuhalten.

Von Joachim Friedl

Notstand im Krankenhaus
Die Belastung der Pflegefachkräfte in den SLK Kliniken nimmt immer mehr zu. Es fehlt an Personal. Verdi kämpft für Verbesserungen. Foto: Archiv/Mugler  

Heftige Kritik übt der Verdi-Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken an der "nach wie vor hohen Belastung der Pflegefachkräfte" und an "mangelhaft besetzten Stellen" in den SLK Kliniken:

"Wir sind nicht zufrieden, wie das Thema innerhalb der Kliniken behandelt wird. Führungskräfte reagieren nicht angemessen auf die Belastungen der Beschäftigten in der Pflege", legte Verdi-Geschäftsführerin Marianne Kugler-Wendt bei der Jahrespressekonferenz den Finger in die Wunde.

Mitarbeiter unter Druck gesetzt

"Wenn du die Verantwortung nicht tragen kannst, dann such' dir einen anderen Job", zitierte Kugler-Wendt die Antwort, die eine Pflegekraft von ihrem Vorgesetzten erhalten habe, nachdem sie sich über die unzureichende Personalbesetzung auf der Station beschwert und eine Gefährdungsanzeige an die Leitung gesandt hatte.

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Wenn statt wie vorgesehen acht nur sechs Mitarbeiter, von ihnen zwei Pflegehelferinnen, mehr als 70 Patienten versorgen, oder statt sieben nur vier Pflegekräfte anwesend sind, dann gehe das zu Lasten der Patienten: "Als Patient geht man davon aus, bestmöglich im Krankenhaus versorgt zu werden. Aber die Pflege schafft das aufgrund des Personalmangels nicht", merkte im Gewerkschaftshaus Verdi-Bezirksvorsitzender Torsten Reinhart dazu an.

Personal muss ernst genommen werden

Als Konsequenz des Pflegefachkräftemangels gibt es nach den Worten von Marianne Kugler-Wendt nur zwei Möglichkeiten: "Zum einen muss das Personal gefördert und ernstgenommen werden, zum anderen müssten Betten geschlossen werden." Es könne nicht sein, dass in den SLK Kliniken aus finanziellen Gründen operiert und operiert werde, obwohl das Pflegepersonal fehle.

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Die beiden Verdi-Gewerkschafter hatten aber auch Positives zu sagen - und zwar Richtung Bundesregierung. "Mit dem geplanten Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals nehmen die Verantwortlichen die Lage und die Belastungen in der Pflege endlich ernst", lobte Kugler-Wendt. Anerkennenswert seien die vollständige Refinanzierung jeder zusätzlichen und jeder aufgestockten Pflegestelle im Krankenhaus und die Herauslösung der Pflegefinanzierungskosten aus dem Fallpauschalensystem.

Tarifbindung für alle Pflegeheimträger

Einen Blick warfen Torsten Reinhart und Marianne Kugler-Wendt auch in die Pflegeheime in der Stadt und im Landkreis Heilbronn. Die Ursache für hier nicht besetzte Fachkräftestellen sehen sie in der nicht tarifgerechten Bezahlung. Deshalb hätten die Träger von Einrichtungen, die von profitorientierten Unternehmen geführt werden, große Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen. Die Folge: Heimbewohner verlassen die Pflegeeinrichtung.

Ziel von Verdi ist deshalb, die Tarifbindung aller Träger und eine der Belastung und Verantwortung angemessene Bezahlung bundesweit durchzusetzen.