Nicht jeder Schüler verfügt über Computer und Drucker

Heilbronn  Lehrer nutzen ihre eigenen Geräte, um daheim den Unterricht zu gestalten. Das sagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zur besonderen Schulzeit.

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Unterricht per Internet, Hilfestellung per E-Mail und Messenger-Dienste: Die Lehrer sind kreativ, um Kindern und Jugendlichen den Stoff zu vermitteln. Die ersten Tage der Corona-Zwangspause haben aber an den Schulen "die digitale Nichtexistenz ganz deutlich gemacht", sagt Harald Schröder, Vorstandssprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Heilbronn. Beispielsweise seien Server zusammengebrochen.

Die Lehrer müssen auf die eigenen Rechner zugreifen

Homeoffice: In der freien Wirtschaft bedeutet das meist, dass die Mitarbeiter die Ausstattung vom Arbeitgeber gestellt bekommen. Nicht so bei den Lehrern. Harald Schröder weist darauf hin, dass seine Kollegen an ihren privaten Endgeräten arbeiten. Je nach Ausstattung hänge eben ab, wie die Unterrichtsvermittlung aussehen kann. Viele Lehrer, das weiß GEW-Sprecher Schröder, sorgen sich um Schüler.

Gerade Kinder und Jugendliche aus "sozial prekären Schichten" würden nicht über eine umfassende digitale Infrastruktur verfügen: Sie besäßen vielleicht ein Smartphone, aber nicht unbedingt noch PC und Drucker. Um diese Kinder mit dem Unterrichtsstoff zu versorgen, hätten viele Kollegen das Material kopiert und verteilt. Noch ist angedacht, dass die Schulen nach den Osterferien öffnen. Sollte das doch nicht der Fall sein, werde man diesen Jugendlichen weiteres Material zuschicken - per Post. Die Folge: "Das Porto geht vom Schuletat ab."

Nach der Abschlussprüfung sollten Lehrer vom Unterricht freigestellt werden

Erst Ende vergangener Woche hat das Kultusministerium die Abschlussprüfungen verschoben, die gleich nach den Osterferien stattfinden sollten. Harald Schröder setzt darauf, dass Kollegen, die Prüfungen korrigieren, in dieser Zeit vom Unterricht befreit werden. Außerdem hofft er, dass beim Bewerten andere Maßstäbe gelten als in den Vorjahren. Die Jugendlichen stünden unter einem starken "psychischen Druck". Die Gewerkschaft steht ihren Mitgliedern per Telefon und Internet zur Verfügung. Sie gibt Tipps und stellt Links zur Verfügung, damit Lehrer "wertvolle Bildungsinhalte" vermitteln können. "Die GEW tut, was sie kann", sagt Harald Schröder.

Das bleibt wichtig

Schon jetzt zeichnet sich aus Sicht der Lehrer-Vertreter ab, wo Handlungsbedarf besteht: bei den digitalen Lernangeboten, sagt Harald Schröder. Sie müssten auf einen Stand gebracht werden, mit dem man international mithalten könne. Die Digitalisierungsmittel müssten an die Schulen ausgeschüttet werden, ohne dass diese erst in einem langwierigen Verfahren einen Medienentwicklungsplan aufstellen müssen. "Die Situation zeigt, dass jede Schule die digitale Infrastruktur benötigt." Noch eines wird sich vermutlich ändern. "Wir können die Sitzungskultur überdenken", sagt er. "Wir können uns über andere Formate austauschen, ohne lange Sitzungen und Besprechungen abhalten zu müssen."

 


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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