Neuer Schwung auf alten Gleisen

Lauffen  Der Verkehrsclub Deutschland setzt beim verkehrspolitischen Abend in Lauffen auf die Reaktivierung von Bahnstrecken. Gute Chancen werden der Zabergäubahn eingeräumt.

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Neuer Schwung auf alten Gleisen

Der VCD lud zum verkehrspolitischen Abend (v.l.): Gerhard Schnaitmann, Matthias Lieb, Joachim Esenwein, Hans-Martin Sauter und Hans-Joachim Knupfer.

Foto: Nupnau

Auf großes Interesse stieß der verkehrspolitische Abend, zu dem der Verkehrsclub Deutschland (VCD) am Mittwochabend in die Weingärtnergenossenschaft Lauffen eingeladen hatte. Möglicherweise kommt aufgrund der derzeitigen Klimadebatte neuer Schwung in die Bestrebungen, stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren. Das Land untersucht derzeit 41 solcher Strecken auf ihr Potenzial.

Denn es plant laut einer Aussage von Dietmar Maier von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, bis 2030 den Öffentlichen Nahverkehr zu verdoppeln. Neue Hoffnungen bekommen dadurch auch der Verein Zabergäu pro Stadtbahn sowie die Bürgeraktion Bottwartalbahn, die an dem Abend ebenfalls dabei waren.

Gute Rahmenbedingungen

Große Chancen werden vor allem der Zabergäubahn, die von Zaberfeld nach Lauffen führt, eingeräumt. "Die Infrastruktur ist erhalten, und die bundespolitischen Rahmenbedingungen sind so gut wie noch nie", erklärte Matthias Lieb, Landesvorsitzender des VCD.

Gerhard Schnaitmann, langjähriger Mitarbeiter der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, sieht dies ähnlich: "Die Zabergäubahn steht in der Region Heilbronn auf Platz eins und hat auch Potenziale." Zwar müsse man auch über eine Eingliederung in den Stuttgarter Verkehrsverbund VVS reden - allerdings zu gegebener Zeit, so Schnaitmann.

Joachim Esenwein, Schriftführer des Vereins Zabergäu pro Stadtbahn, kritisierte, dass Landrat Detlef Piepenburg auf ein Schreiben vom Mai noch nicht geantwortet habe. Dabei ging es um die Frage, wie weit die Bemühungen des Landkreises gediehen sind, "der Standardisierten Bewertung der Zabergäubahn zu einem positiven Ergebnis zu verhelfen". Denn diese Bewertung gibt Auskunft über die Wirtschaftlichkeit und gilt daher als der Schlüssel für eine mögliche Reaktivierung von Bahnstrecken.

Kostengünstigere Standards

Gegenüber der Heilbronner Stimme machte Landrat Piepenburg nun deutlich, dass bei der Frage, an welchen Stellschrauben gedreht werden müsse, um zu einer besseren Bewertung für die Zabergäubahn zu gelangen, die Ausbaustandards in den Fokus gerückt seien. "Nach einer zunächst ablehnenden Haltung hat die Deutsche Bahn inzwischen mitgeteilt, dass sie auch kostengünstigere Standards ausbauen kann." Eine technische Vorstudie habe erst eine grobe Kostenschätzung ergeben, die mit der DB noch verifiziert werden müsse.

Priorität bei der erhofften Reaktivierung der Zabergäubahn hat laut Gerhard Schnaitmann die Anbindung an die Schulen. Im Zabergäu herrschten optimale Verhältnisse: "Wir brauchen lediglich in Lauffen eine Weiche, außerdem muss man dort ein Signal versetzen." Aber das bekomme man hin.

Potenzial für die Bottwartalbahn

Neuer Schwung auf alten Gleisen

Seit vielen Jahren wird über die Reaktivierung der Zabergäubahn von Zaberfeld nach Lauffen diskutiert. Nun könnte neuer Schwung in die Angelegenheit kommen. Dabei steht und fällt alles mit der Standardisierten Bewertung.

Foto: Archiv/Veigel

Hans-Joachim Knupfer von der Bürgeraktion Bottwartalbahn hält die heutige Ausgangslage ebenfalls für günstig, um zu einer Reaktivierung der Strecke von Marbach über Beilstein nach Heilbronn zu kommen. In Karlsruhe gebe es einen Fuhrpark, Heilbronn habe hohe Wachstumsraten und bei Bosch in Abstatt gebe es inzwischen rund 5000 Mitarbeiter. Knupfer: "Das heißt, es gibt Potenzial in beide Richtungen."

Schnaitmann schränkte jedoch ein: Die Bottwartalbahn benötige eine neue Trasse und habe außerdem eine Kreisgrenze nach Ludwigsburg, was schwierige Verhandlungen nach sich ziehe.

Die dritte zu reaktivierende Bahn könnte die Krebsbachtalbahn sein, die von Neckarbischofsheim nach Babstadt/Hüffenhardt verläuft und über einen kurzen Lückenschluss an Bad Rappenau und damit an die Stadtbahn Nord angebunden werden könnte. Matthias Schnaitmann wies jedoch auf viele notwendige Abstimmungen hin, denn diese Bahn verläuft durch drei Landkreise und den Zuständigkeitsbereich von zwei Regierungspräsidien.

In der Diskussionsrunde der VCD-Veranstaltung tauchte die Frage auf, ob bei der erhofften Strecken-Reaktivierung Zabergäu- und Bottwartalbahn gegeneinander ausgespielt werden könnten. Der frühere Mitarbeiter der Nahverkehrsgesellschaft, Gerhard Schnaitmann, schlug daher folgende Vorgehensweise vor: "Wir brauchen für Heilbronn einen gemeinsamen Ausbauprozess in drei Stufen mit drei Bahnen. Dann wären wir bei den Planungskosten gut dran, und es würde keiner gegen den anderen ausgespielt."

 

Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Gemmingen. Darüber hinaus ist er zuständig für die Berufsschulen des Landkreises.

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