Nach der Sprengung: Letztes Teilstück der ehemaligen A6-Brücke fällt

Heilbronn/Neckarsulm  Über eine Tonne Sprengstoff haben zwei Pfeiler der ehemaligen Autobahnbrücke zerstört, gut 300 Meter Fahrbahn sackten ab.

Von Simon Gajer
Die Brücke der A6 liegt nach der Sprengung nur noch in Asch und Schutt. Foto: Mario Berger

Der Boden vibriert, die Brücke sackt ab, Staub steigt auf. Nach wenigen Sekunden ist das Spektakel vorbei. Ein weiterer Abschnitt der einstigen A 6-Brücke über dem Neckar ist Geschichte. Die Wucht der Explosionen war kilometerweit zu hören. Das Rätsel bleibt in den ersten Minuten danach: Liefen die Sprengungen der Pfeiler tatsächlich so wie geplant? Einige Zuschauer zweifeln daran.

Ein Teilstück richtet sich auf und zeigt in den Himmel

Die ehemalige Fahrbahn in Richtung Sinsheim stürzt auf weiten Teilen zu Boden, fast mahnend ragt ein kurzes Teilstück in den Himmel. Anders sieht es beim ehemaligen A 6-Abschnitt in Richtung Weinsberg aus. Einige Dutzend Meter liegen auf Staubbergen, die Sekunden zuvor die stabilen Pfeiler des Brückenabschnitts waren. Immerhin erinnert ein Riss am Rand dieser Fahrbahn an die Kraft der Explosionen.

Der Sprengmeister ist zufrieden

Sprengmeister Eduard Reisch ist aber mit dem Ergebnis seiner Arbeit zufrieden und spricht von einer "erfolgreichen Sprengung". Allerdings gibt er zu, dass es tatsächlich nicht so lief, wie es die Berechnungen vorhergesagt hatten. Der ehemalige Abschnitt in Richtung Weinsberg liege zu hoch, der in Richtung Sinsheim sei aber tiefer gestürzt als erwartet. Und worauf er mit Stolz hinweist: Auch der Abschnitt über die wichtige Neckartalstraße fiel nach der Explosion viel weiter runter. Das erleichtere es, die Straße freizuräumen. Bis spätestens Montagfrüh soll die wichtige Verkehrsachse wieder zu befahren sein. "Es ist ein Abbruchzustand, der sauber abzutragen ist."

Wenn die Neckartalstraße frei ist, geht es mit Baggern an die restlichen Abschnitte. Irgendwann sacke auch die noch hoch liegende Fahrbahn nach Weinsberg zu Boden, verspricht der Sprengexperte am Vormittag. Am frühen Nachmittag ist es tatsächlich so weit.

 

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Der Sprengstoff steckt in 196 Bohrlöchern

Im Bruchteil einer Sekunde zerlegt der Sprengstoff in 196 Bohrlöchern die Pfeiler, die Vorbereitungen für diesen kurzen Moment liefen seit Monaten. Wie Sprengmeister Eduard Reisch erzählt, ging es im Oktober los. Geprüft wurde nicht nur, wie viel Sprengstoff nötig ist, um möglichst viel Brücke auf den Boden zu bekommen. Viel wichtiger waren die Fragen: Ist die Sprengung überhaupt möglich, und wie fallen die Erschütterungen aus?

Eduard Reisch ist seit 33 Jahren im Geschäft, Tausende Sprengungen machte er mit. Auch der Abriss der ehemaligen A 6-Brücke sei anspruchsvoll, denn direkt nebenan steht bereits eine neue. Allerdings: Es gibt auch deutlich heiklere Einsätze. So berichtet er von Sprengungen bei einer Brücke, deren Pfeiler mit einer Länge von 65 Metern deutlich höher reichten als die der Brücke, die am Feiertag an der Reihe war. Hinzu kam: Die ersten Häuser waren nur 30 Meter entfernt.

Die Dimensionen an der A 6 sind ebenso gewaltig: Über eine Tonne Sprengstoff haben die Kollegen um Eduard Reisch in die beiden Brückenpfeiler gepumpt - denn er kam nicht mehr als herkömmliche Stangenform zum Einsatz. Stattdessen setzten die Verantwortlichen auf eine Geleemasse. Eduard Reisch hat damit bereits einmal das Fundament eines Windrads zerlegt. Nun kam für ihn diese Variante erstmals bei einer Bauwerkssprengung zum Einsatz. Mit ein Vorteil dieser Variante: Der Sprengstoff kommt viel schneller in die Bohrlöcher.

Viele Familien kommen am Feiertag an die Absperrungen

Die Sprengungen der Pfeiler am Feiertag sind für mehrere Dutzend Menschen ein Erlebnis. Familien mit Kleinkindern zieht es an die Absperrungen. Da im Vorfeld nur bekannt war, wann die Straßen gesperrt sind, war für viele ein langes Warten angesagt. Am Ende explodierten eineinhalb Tonnen Sprengstoff um 8 Uhr. Seit 6.45 Uhr wartet Christian Sommer auf den Moment der Zündung. Aufstehen muss sein, findet er. "Es ist das erste und letzte Mal, dass ich so etwas sehen kann." Allerdings: "Ich hatte mir mehr erhofft", sagt der Untereisesheimer, der sich zu Hause auf die Couch legen wird.

Erst seit 7 Uhr ist Sven Fischer an dem rot und weiß gestreiften Flatterband. "So etwas gibt es selten." Mit dem Spektakel ist er zufrieden. "Es war beeindruckend, das mitzuerleben."

 

 

 

 


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