Nach Unfall mit Radler: Busfahrer verurteilt

Heilbronn  Das Amtsgericht hat am Donnerstag einen Busfahrer der Verkehrsbetriebe Heilbronn verurteilt. Wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung muss er eine Geldstrafe bezahlen. Doch es kommt für den Fahrer noch schlimmer.

Von Helmut Buchholz
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Ein Teil der Flotte der Verkehrsbetriebe Heilbronn: 17, 3 Millionen Fahrgäste pro Jahr fahren mit den blau-weißen Bussen. Foto: Archiv/Mugler

Das Amtsgericht hat am Donnerstag einen Busfahrer der Verkehrsbetriebe Heilbronn nach einem Unfall mit einem Radfahrer wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt. Der 52-Jährige muss zudem dem verletzten Radler 3600 Euro Schmerzensgeld zahlen. Richter Alexander Lobmüller ordnete zudem den Führerscheinentzug und eine zehnmonatige Fahrsperre an. Der Busfahrer musste dem Richter noch im Gerichtssaal seinen Führerschein aushändigen.

Härtere Starfe als von Staatsanwaltschaft gefordert

Richter Lobmüller ging mit seinem Schuldspruch noch über das von der Staatsanwältin beantragte Strafmaß hinaus. Sie hatte auf 1200 Euro Geldstrafe und ein zweimonatiges Fahrverbot plädiert. Der Verteidiger des Busfahrers, Bernd Stupp, hatte Freispruch beantragt.

Sein Mandant sei ein erfahrener, sicherer Fahrer, habe keine Punkte in Flensburg. Der Angeklagte sei nicht schuld an dem Sturz des Radlers, habe ihn nicht touchiert. Das hatte zuvor auch der 52-Jährige selbst beteuert: "Es gab überhaupt gar keine Berührung. " Er habe bei seiner Arbeit schon tausend Radler überholt. "Das mache ich jeden Tag."

Richter geht von Kontakt beim Überholen aus

Doch Richter Lobmüller ging davon aus, "dass es einen Kontakt gab", als der Busfahrer den Radler am 24. Februar auf der Franz-Reichle-Straße in Heilbronn nahe des Tierheims mit seinem Gelenkbus überholte. Anfangs habe der 52-Jährige noch den Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Meter eingehalten, wie auch ein Fahrgast als Zeuge vor Gericht erklärt hatte.

Doch dann, so Richter Lobmüller, sei ein Auto "um die Ecke gekommen, Sie sahen, dass es nicht reicht und haben den Überholvorgang dennoch fortgesetzt". So habe der Angeklagte den Unfall billigend in Kauf genommen. Beim Einscheren "haben Sie den Sicherheitsabstand nicht eingehalten", so Lobmüller. Der Radler habe einen Schlüsselbeinfraktur erlitten, ihm sei bei einer Operation ein Metallstück eingesetzt worden.

Der Richter attestierte dem Busfahrer "wechselhafte, dem Verfahrensstand angemessene Einlassungen" und folgte der Unfallversion des Radfahrers. Der Radler hatte im Verfahren angegeben, er fahre 15 000 Kilometer im Jahr mit seinem Rad, sei noch nie gestürzt. Er war sich sicher, dass der Busfahrer ihn mit nur 30 Zentimeter Abstand überholt hat: "Er hat mich erwischt, hundertprozentig, es hat einen Riesenschlag getan."

Strafbefehl nicht akzeptiert

Im Gerichtssaal kochten mehrfach die Emotionen hoch. Der Angeklagte und der Radfahrer gifteten sich mehrfach an. Der Busfahrer unterstrich: "Ich fahre die Strecke nicht zum ersten Mal." Er schere nicht mit seinem Bus nach dem Überholen ein, "wenn ich nicht völlig am Radfahrer vorbei bin". Verteidiger Stupp hatte von einem "normalen Überholvorgang gesprochen". Vielleicht sei der Radler durch Unachtsamkeit gestürzt.

Zu dem Prozess war es erst gekommen, nachdem der Busfahrer Einspruch gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft eingelegt hatte. Das Strafmaß lautete ursprünglich: "nur" 1200 Euro Geldstrafe und zwei Monate Fahrverbot.

Der Busfahrer und sein Anwalt können jetzt noch in die Berufung gegen das Urteil gehen.

Verkehrsbetriebe in Zahlen

Die Verkehrsbetriebe Heilbronn betreiben das Stadtbus- und Stadtbahn-Netz in der Stadt Heilbronn. Es gibt insgesamt 14 Stadtbuslinien. Pro Jahr nutzen 22,8 Millionen Fahrgäste das Angebot der städtischen Verkehrsbetriebe. Davon sind 5,5 Millionen mit der Bahn, 17,3 Millionen mit den blau-weiß lackierten Bussen unterwegs.


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