Nach Raubüberfall: Zu Hause wird aufgerüstet

Heilbronn  Nach dem Raubüberfall auf eine Ehepaar im Heilbronner Osten sind Menschen verunsichert. Sie fragen verstärkt nach Einbruchschutz und Alarmanlagen. Experten geben Tipps, worauf zu achten ist.

Von Heike Kinkopf
In Heilbronn ist ein Ehepaar in seinem Wohnhaus im Bereich der Rosengartstraße überfallen, ausgeraubt und verletzt worden. Foto: Kinkopt

Der brutale Raubüberfall auf ein Ehepaar nachts im eigenen Haus im Heilbronner Osten schreckt viele Menschen auf. Die Nachfrage nach Einbruchschutz und Alarmanlagen steigt, stellen Polizei und Anbieter entsprechender Technik fest.

Soll ich eine Alarmanlage installieren? Die Haustür ist gut gesichert, aber reicht das? Fragen wie diese treiben die Menschen um. "Unmittelbar nach dem Raubüberfall haben sich Nachbarn an uns gewand, wir sollen ihr Haus anschauen", sagt Harald Pfeifer von der Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Heilbronn.

Der Vorfall in der Rosengartstraße vor knapp zwei Wochen wirke sich direkt auf seine Beratungstätigkeit aus. "Wir merken das", sagt auch Frank Ströbel, Geschäftsführer von AST Alarm- und Sicherheitstechnik in Heilbronn. Kunden riefen an und fragten, ob ihre Technik noch dem Stand entspräche. "Sie wollen wissen, ob sie noch sicher sind."

Schutz kostet keinen fünfstelligen Euro-Betrag

Wer vor Jahren Schutzvorkehrungen getroffen hat, sollte klären, ob diese noch sinnvoll sind. "Es gibt einfache Mittel und Wege, vorhandene Technik umzurüsten", sagt Gianni Dragna von der Firma SSAM in Heilbronn und Inhaber von Hydra Sicherheitstechnik. Er kennt nach eigenen Angaben zahlreiche Häuser in der Stadt und weiß: "Das Problem ist, dass viele Anlagen veraltet sind." Beispiel: Alte Installationen mit Bewegungsmeldern kommen nur zum Einsatz, wenn keiner zu Hause ist. Neuere Systeme sichern das Haus inzwischen so, dass sich die Bewohner trotz Bewegungsmeldern daheim aufhalten können.

Wer sich vor Einbrechern schützen möchte, muss Geld in die Hand nehmen. Ob die Summen als hoch oder niedrig bewertet werden, hängt vom eigenen Geldbeutel ab. Die Kosten für zuverlässige und zugelassene Technik liegen laut Dragna nicht im fünfstelligen Euro-Bereich, sondern weit darunter.

Einfallstore für Einbrecher

"Wir empfehlen das, was der Hauseigentümer zahlen kann", sagt Polizist Harald Pfeifer. Der Besitzer nenne Betrag X und die Polizei sage, was mit der Summe in Sachen Einbruchschutz geht. Die Beamten setzen in der Beratung den Schwerpunkt auf mechanischen Schutz. Das heißt: Wie lassen sich Fenster und Türen sichern? "Die Haustür ist meistens sechs-, siebenfach gesichert", beobachtet Pfeifer. Und die Terrassentür hinterm Haus bleibe ungeschützt. Ungesicherte Eingänge und ebenerdige Fenster seien die häufigsten Einfallstore für Einbrecher. Kämen Täter jedoch mit den Methoden Aufwuchten oder Aufhebeln nicht rasch zum Ziel, ließen sie von ihrem Vorhaben ab.

Frank Ströbel macht die Erfahrung, dass der beste Schutz wenig bringt, wenn die Hausbewohner nachlässig sind. "Wenn das Fenster gekippt oder die Haustür unverschlossen ist, nützt der Schutz wenig", mahnt der AST-Geschäftsführer. Anderes Beispiel: Die Hausbesitzer geben Codes für Sicherungssysteme an andere weiter, zum Beispiel an die Putzfrau. Moderne Technik umgeht solche allzu menschlichen Fehler, indem erst gar nicht mit Codes gearbeitet wird, sondern mit sogenannten Transpondern, ähnlich den Schlüsselkarten in Hotels.

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Wachdienst erhält Alarmmeldung

Gianni Dragna rät, Einbrecher und Räuber durch Alarmanlagen zu vertreiben. Die Systeme könnten das Eindringen von Fremden an einen Wachdienst melden. Laute Signaltöne im Haus und draußen, dazu Innen- und Außenbeleuchtung im Alarmfall bringen Täter laut Dragna häufig von ihrem Vorhaben ab. Die Technik lasse sich heutzutage über drei Knöpfe steuern und einfach bedienen. Mechanischer Schutz verzögere einen Einbruch zwar, er verhindere ihn aber nicht unbedingt, so Dragna. "Sinnvoll und absolut bezahlbar ist es, beides zu machen."

Auf dem Markt tummeln sich viele Unternehmen, die Sicherheitstechnik anbieten. Darunter nach Erfahrung von Spezialisten auch unseriöse. Die Polizei gibt eine Liste des Landeskriminalamts mit zertifizierten Firmen heraus.

Keditanstalt gewährt finanzielle Hilfe

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt Vorhaben zum Einbruchschutz mit Geld. Rund 50 Millionen Euro stellt der Bund dafür zur Verfügung. "Es ist auch für eine Breitenförderung von Privatpersonen gedacht", sagt eine Sprecherin der KfW. Gefördert werde jeder, der in den Einbruchschutz einer bestehenden Wohnimmobilie investiert. Im Fördertopf für dieses Jahr sei noch Geld vorhanden. Ein Antrag lässt sich online über das KfW-Zuschussportal stellen. Telefonische Beratung gibt es kostenfrei unter der Nummer 0800 5399002.

Die Polizei informiert zum Thema Einbruch und Diebstahl unter www.polizei-beratung.de

 

 


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