Nach Gülle-Vorfall: Wem gehört der Feldweg?

Bad Wimpfen  Die Auseinandersetzung zwischen einem Landwirt und Spaziergängerinnen sorgt für reichlich Diskussionen, nicht nur vor Ort.

Von Alexander Klug
Nach Gülle-Vorfall: Wem gehört der Feldweg?

Auf einem Feldweg im Süden Bad Wimpfens gerieten ein Landwirt und ein Mütter-Trio aneinander. Ergebnis ist eine Anzeige und Ermittlungen.

Foto: Archiv/Klug

Ob Unfall oder Vorsatz, ist unklar. Klar ist aber, dass von Kleidern und Kinderwagen, die Melanie Weber (Name geändert) Mitte April an und dabei hatte, nichts mehr benutzbar ist, auch um den eineinhalb Jahre alten Sohn sorgten sich seine Eltern zwischenzeitlich und riefen im Krankenhaus an. Denn alles ist über und über mit Gülle bespritzt – Ergebnis einer Auseinandersetzung mit einem Landwirt samt Gülletank auf dem Anhänger. Für das Ehepaar aus dem nahen Neubaugebiet geht es um 2500 Euro Schadenersatz. Vor allem im Internet diskutieren viele Leser teils emotional darüber, wer was auf den Feldwegen macht und darf.

Das sind die Regeln laut Straßenverkehrsordnung

Für die Regelung des Verkehrs durch Schilder ist das Landratsamt als Straßenverkehrsbehörde zuständig, auch wenn der Feldweg selbst der Stadt gehört. „Meistens verbietet das Verkehrszeichen 260 die Benutzung solcher Wege, ein Zusatzzeichen nimmt den landwirtschaftlichen Verkehr aus“, erläutert Landratsamtssprecher Manfred Körner. Es zeigt ein Auto und ein Motorrad umgeben von einem roten Kreis. Im Umkehrschluss bedeute das, dass sämtlicher nicht-motorisierter Verkehr erlaubt sei.

„Die Straßenverkehrsordnung sieht keinen Vorrang für die Nutzer der Wege vor“, sagt Körner. Er verweist auf die ersten beiden Absätze der Straßenverkehrsordnung. Dort steht, dass die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht erfordere – außerdem haben sich Verkehrsteilnehmer so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder über Gebühr behindert oder belästigt wird. „Wenn sich die Parteien in den jeweils anderen hineinversetzen, dürfte das doch kein unlösbares Problem sein.“

Vorfälle wie dieser sind nicht bekannt

Außer denjenigen, die mit der Landwirtschaft zu tun haben, dürfe die Wege niemand mit dem Fahrzeug benutzen, wenn ein solches Schild am  Wegrand steht, sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums, Frank Belz. Die Konflikte zwischen Landwirten und Menschen, die die Feldwege in der Freizeit nutzen, seien der Polizei aber durchaus bekannt. „Es kommt schon mal vor, dass sich der eine über den anderen beschwert. Ernstere Vorfälle wie dieser sind aber keine bekannt.“

Klar sei, dass es angesichts begrenzten Platzes ohne Rücksicht nicht funktioniere, meint Frank Belz. Ein weit verbreitetes Phänomen sei, dass Feldwege als Schleichwege genutzt werden, vor allem im Berufsverkehr parallel zu Ein- und Ausfallstraßen. „Das ist verboten, wenn ein entsprechendes Schild aufgestellt wurde.“ Es droht ein Bußgeld.

Dass es bei der Nutzung der Feldwege zu Konflikten komme, sei ein Problem, sagt der Geschäftsführer des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, Jan Schwarting. „Die Feldwege wurden im Rahmen von Flurbereinigungen zum Ziel der Bewirtschaftung erstellt und dafür den Eigentümern Flächen abgezogen. Aber es ist uns bewusst, dass die Wege auch für Erholungszwecke genutzt werden“, erläutert der Geschäftsführer. Das könne aber nur in konstruktivem Miteinander und nicht durch aggressives Verhalten erfolgen. In Bad Wimpfen sei von Landwirten schon mehrfach die Forderung nach breiteren Feldwegen erhoben worden – ohne Erfolg.

"Nicht typisch für die Landwirtschaft"

So ein Vorfall dürfe nicht passieren, stellt der Geschäftsführer klar. „Das ist auch nicht typisch für die Landwirtschaft, sondern ein Einzelfall. Von einem Angriff auf einen Landwirt bei Horkheim habe ich schon einmal gehört, aber von so etwas noch nicht.“ Seit 2002 ist Schwarting Geschäftsführer beim Bauernverband für den Bereich Heilbronn.

Man könne nicht ans Feld ziehen und dann erwarten, dass einem der Feldweg gehört, kritisiert ein Landwirt im Westen der Bad Wimpfener Gemarkung, während er in einer Halle den Traktor für den Einsatz vorbereitet. „Die Wege sind schließlich für die Landwirte gebaut worden damals.“ Der Mann baut Gerste, Weizen, Zuckerrüben und Mais an. „Ich betreibe schon immer Landwirtschaft, es ist schwieriger geworden. Und wenn man etwas sagt, ist man noch der Böse.“

 

Hinweis der Redaktion (8. Mai 2019, 12.05 Uhr): Der Artikel wurde zwischenzeitlich ergänzt und aktualisiert.


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