Nach Erdrutsch: Strecke ab Montag wieder in Betrieb

Bad Wimpfen/Bad Rappenau  Es sieht gut aus für die Züge und Stadtbahnen Richtung Bad Rappenau und Sinsheim auf dem derzeit gesperrten Abschnitt bei Bad Wimpfen. "Ziel ist, dass ab Montag alles wieder normal läuft", sagt Bahnsprecher Michael Greschniak.

Von Ute Plücktun

Strecke ab Montag wieder in Betrieb

Mit schweren Gerät ist eine Schwarzwälder Spezialfirma zugange, um die Schäden eines Hangrutsches bei Bad Wimpfen zu beseitigen.

Foto: Ute Plückthun

 

Am 5. Februar war ein Baum unterhalb der Bahnstrecke wegen der starken Niederschlagsmengen ins Rutschen gekommen und hatte dabei Erde mit sich gezogen. Zunächst hatte der deutlich sichtbare Schaden, der von einem Triebfahrzeugführer gemeldet worden war, den Bahnverkehr nur bedingt beeinträchtigt.

Reduzierte Geschwindigkeit

Mit reduzierten 50 Stundenkilometern, waren die Wagen der Stadtbahnlinie 42 sowie die Regionalexpresszüge zwischen Heilbronn und Mannheim an der Abbruchstelle, die sich nicht auf Bahngelände befindet, vorbeigeleitet worden.

"Um die Gleislage zu stabilisieren, wurde ein geologisches Gutachten erstellt", berichtet DB-Sprecher Greschniak nun. Unter regelmäßiger Kontrolle der Rutschstelle. "Dabei hat sich gezeigt, dass sich die Bruchkante weiter in Richtung der Gleise bewegt."

Aus Sicherheitsgründen hatte die Bahn den Streckenabschnitt deshalb am vergangenen Freitag stillgelegt. Zusätzlich wurde der ebenfalls unterhalb der Stadtmauer verlaufende Haagweg durch das Bad Wimpfener Ordnungsamt auf Höhe des Freibads gesperrt.

Schweres Gerät angeliefert

Am letzten Karnevalswochenende hat die Firma Sachtleben Mining Services GmbH aus Wolfach im Auftrag der Bahn dann schweres Gerät angeliefert. Seit Montag sind sechs Mitarbeiter intensiv mit den rund 150 000 Euro teuren Sicherungsmaßnahmen beschäftigt.

"Derzeit wird in 14-Stunden-Schichten bis 22 Uhr gearbeitet", sagt Axel Hirschfeld, Heilbronner Betriebsleiter des Konstruktiven Ingenieurbaus der Bahn.

Wichtiges Instrument ist der Straßen und Schienen taugliche Zwei-Wege-Bagger. Von den insgesamt 32 langen Erdnägeln, die im Abstand von 1,50 Meter in drei Lagen zehn Meter tief ins Erdreich eingeführt und durch Beton befestigt werden, ist gut ein Drittel geschafft.

Hand wird mit Beton stabilisiert

Der Kompressor rattert, um den von einem Mitarbeiter angerührten Beton zu den Kollegen im tiefen Abriss zu pumpen. Er misst an der breitesten Stelle 15 Meter. Das baumbewachsene Gelände zwischen dem rund 25 Meter tiefer liegenden Fußweg fällt in rund 45 Grad steil ab.

Nächster Schritt wird es sein, Stahlbetonmatten um die Erdnägel einzuziehen und schließlich eine Spritzbetonschale aufzubringen. Eine Gleisstopfmaschine wird am Wochenende für die Verdichtung des Oberbaus sorgen.

Das sei "eine temporäre Lösung, um den Bahnverkehr ab Montagfrüh um vier Uhr wieder aufnehmen zu können" sagt Pressesprecher Greschniak. Bis zur kompletten Aushärtung allerdings wiederum in reduzierter Geschwindigkeit.

Ob danach als langfristige Lösung die Anreicherung mit Erdreich oder die Verstärkung mit einer nochmaligen Betonschale angestrebt werde, müsse in Absprache mit dem Geologen geklärt werden.

Schienenersatzverkehr noch bis Sonntag

 

Der Schienenersatzverkehr, für den zwei Busunternehmen aus Eppingen und Waibstadt im Einsatz sind, wird bis Sonntag im Einsatz bleiben. "Er wird gut angenommen", sagt Sarah Fricke, Sprecherin der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft aus Karlsruhe. Sie hätten am Dienstag "von einem kleineren 19-Sitzer auf einen Linienbus gewechselt, weil die Nachfrage gestiegen ist".

Trotzdem stellt die ungewohnte Situation die Fahrgäste vor Herausforderungen. Manchen seien "stinksauer und nervös", hat Busfahrer Muharremaj Sahit erfahren.

Komplett überrascht ist am Donnerstag auch Carla Mazzalla di Bosco, deren Auto streikt. "Für die 15 Kilometer zur Arbeit von Neckarzimmern nach Bad Rappenau brauche ich sonst zehn Minuten", sagt sie, und zwar nachdem sie nun über Bad Friedrichshall zum Ersatzbusverkehr nach Bad Wimpfen schon anderthalb Stunden unterwegs ist.

 

Die Fahrten der Stadtbahn-Linie S 42 laufen ab Heilbronn-Hauptbahnhof bis Bad Wimpfen regulär. Der stündliche Ersatzbusverkehr startet um 5.20 Uhr in Sinsheim Hauptbahnhof. In der Gegenrichtung geht es um 5.25 Uhr in Bad Wimpfen los. Er endet um 0.20 Uhr ab Sinsheim und um 1.05 in Bad Wimpfen. Zwischen Bad Wimpfen und Bad Rappenau kann außerdem auf die Fahrten der regulär verkehrenden Buslinie 684 ausgewichen werden. Vom Erdrutsch nicht betroffen ist die regulär verkehrende Linie S 41 zwischen Heilbronn und Mosbach.