Nach A6-Unfall durchbrechen Autofahrer die Absperrung

Heilbronn  Die Stimmung an der Unfallstelle auf der A6 am Donnerstagmittag ist aufgeheizt. Polizisten und Mitarbeiter der Autobahnmeisterei müssen durch Schreie und heftiges Gestikulieren Autofahrer in Schach halten. Diese ignorieren die Absperrung und versuchen sich vorbeizuschlängeln.

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Der Unfall ereignete sich auf der A6 kurz nach der Neckartalbrücke auf Höhe der Ausfahrt Heilbronn/Neckarsulm. Foto: Heike Kinkopf

 

Der Unfall ereignet sich gegen 12.30 Uhr auf der A6 in Fahrtrichtung Nürnberg kurz nach der Neckartalbrücke. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei ist eine Mercedes-Fahrerin auf der mittleren von drei Fahrspuren unterwegs. Vermutlich übersieht sie die Ausfahrt Bad Friedrichshall / Neckarsulm. Um doch noch abfahren zu können, zieht sie unvermittelt auf den rechten Fahrstreifen.

Dort fährt ein Lkw. Dieser schiebt den Mercedes ein Stück vor sich her, durch die Wucht des Aufpralls wird der Wagen in die Höhe katapultiert. Der Mercedes landet auf der Leitplanke entgegengesetzt zur Fahrtrichtung. Die Fahrerin kommt in ein Krankenhaus.

Die Abfahrt nach Bad Friedrichshall / Neckarsulm wird vorübergehend gesperrt. Der Lkw-Fahrer setzt seine Fahrt nach der Unfallaufnahme fort. Ein Abschleppdienst benötigt einige Zeit, um den Mercedes von der Leitplanke auf den Abschleppwagen zu hieven.

Warnbaken sind für einige kein Hindernis

In dieser Zeit kommt es an der Unfallstelle wiederholt zu gefährlichen Situationen. "Ja - geht's noch?", brüllt ein Polizist gegen den Verkehrslärm an. Zum x-ten Mal bremst ein Autofahrer an der Unfallstelle ab, weil er ein Schlupfloch sucht. Dabei signalisieren Warnleuchten und rotweiß gestreifte Baken auf der Straße, dass die Durchfahrt verboten ist.

Zusätzlich postieren sich zwei Mitarbeiter der Straßenmeisterei in ihrer grell orangefarbenen Arbeitskleidung so zwischen den Warnbaken, dass sie abbiegewilligen Verkehrsteilnehmern den Weg versperren. Mit kreisenden Armbewegungen fordern sie zum Vorbeifahren auf. Die meisten Autofahrer lassen, wenn auch zögerlich, von ihrem Vorhaben ab. Sie geben Gas und fahren weiter geradeaus zum Weinsberger Kreuz. Ihr Verhalten zwingt die Fahrzeuge dahinter ebenfalls zum Bremsen. Rechts fahren vor allem Lkw. Eine Hupe dröhnt.

Der Pkw kam auf einer Leitplanke zum Stillstand. Foto: Heike Kinkopf

 

Fünf Anzeigen

Dann zwängt sich ein Pkw durch die Absperrung. Die Polizei gestikuliert und schreit. Stopp. Die Fahrt endet auf der gesperrten Abbiegespur, wo weiter vorn der Abschleppdienst mit dem Mercedes zugange ist. Sichtlich genervt steigen der Fahrer und weitere Insassen aus, die Laune ist im Keller. Drei weitere Fahrzeuge preschen rücksichtslos durch die Absperrung. Die Polizisten ermahnen, schreiben Anzeigen. Zerknirscht wirkt keiner der Übeltäter. "Das gibt ein Bußgeld von mindestens 70 Euro und einen Punkt", erklärt ein Polizist. Fünf Anzeigen schreiben die Beamten in knapp 30 Minuten. 

Versuchen einige durch die Absperrung zu fahren, stellen sich andere Autofahrer einfach hinter das Polizeiauto, das die Abbiegespur blockiert. Sie warten. Erst als sie merken, dass es länger dauert, versuchen sie, in den fließenden Verkehr auf der rechten Spur einzufädeln. Wieder sind es meistens Lkw-Fahrer, die abrupt bremsen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei schüttelt den Kopf. Einziger Kommentar: "Wahnsinn."

 


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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