Motorman Run: Jedem die Qual seiner Wahl

Neuenstadt  Beim zehnten Motorman Run in Neuenstadt machen sich 2500 Läufer so richtig schön dreckig. Die Party steigt auf und neben der Strecke.Wem der Hindernislauf zu leicht ist, der nimmt eben etwas Ballast mit.

Unter siffigen Autoreifen durchkriechen, durch knietiefes Schlammwasser waten, fünf Meter in die Tiefe springen. Kann man machen, muss man aber nicht. Für immer mehr ist es die Qual der Wahl. Die Veranstalter des zehnten Motorman Run in Neuenstadt am Kocher hätten deutlich mehr als die gedeckelten 2500 Starterplätze vergeben können.

Beste Aussichten vom eigenen Gärtle

Christopher Ehmsen ist gut drauf. Die Kumpels sind da, das Grillfeuer glüht, die Getränke sind kaltgestellt. "Das ist eine Riesengaudi", freut sich der Neuenstadter. Er muss ja nicht mitlaufen. Ehmsen hat ein Gartengrundstück unweit der Dreschhalle, die Premiumaussicht auf das Geschehen gewährt. Hier steigt nachher eine inoffizielle After-Run-Party. "Viele Läufer kommen auch noch vorbei."

Im Moment muss sich Ehmsen nur sorgen, dass ein Läufer am Hindernis Nummer 13 falsch abbiegt und in seinem Schuppen landet. Nur ein paar Minuten nach dem Start schwingen sich die ersten Sportler behende über die Bretter, um dann ein Stück weiter unter einer Batterie Reifen durchzurobben.

Zum Bedauern mancher Teilnehmer regnet es kaum

Schlechtes Wetter ist gutes Wetter beim Hindernislauf. Der Dreck ist der Zweck. Und weil es zum Bedauern manches Teilnehmers nur nieselt, sorgen die Ehrenamtlichen des TSV Neuenstadt mit Gartenschläuchen für die rechte Sauerei. Vom Tümpel erklingt ein Urschrei. Mehmet Topyürek ist da.

Der 33-jährige Heilbronner ist selbst eine Marke, er hat einen 20 Kilogramm schweren Holzprügel geschultert. Sonst wären die neun oder 18 Kilometer mit 48 Hindernissen wohl zu leicht. Topyürek läuft barfuß. Tut das nicht weh? "Mir tut es nur weh, wenn die Leute nicht lachen", hat er schon vor dem Start gesagt. Keine Gefahr. Der Holzläufer ist einer der Publikumslieblinge. So wie die Truppe Alt-Ägypter, die einen Papp-Sarkophag über den Parcours schleift. "Wir haben jedes Jahr eine andere Verkleidung", sagt Joe Daniels, der zum Pharaonenzug gehört, eigentlich aber aus Newcastle in England kommt. Damit dürfte er einer der am weitesten angereisten Teilnehmer sein.

Viele laufen verkleidet

Aus ganz Baden-Württemberg rekrutiert sich die Gruppe um Isabella Pitzer. Sie ziehen als Urzeitmenschen in den Kampf, die Herren am Oberkörper nur in Tarnfarben getaucht. Ein bisschen kalt sei das, bei dem Wetter. Aber der Motorman Run ist erklärtermaßen etwas für "Powerfrauen und echte Kerle". Als Ausrüstung empfohlen: "Nichts, was ihr irgendwann noch mal gebrauchen möchtet." Ist davor Training nötig? "Das bekommen wir auch so hin", winkt Isabella Pitzer ab.

"80 Prozent Spaß, 20 Prozent sportlicher Ehrgeiz." So schätzt Stefan Rüdele die Motivationslage ein. Er leitet das Organisationsteam beim TSV Neuenstadt, das schon vor acht Wochen die Anmeldelisten schließen musste. "Mehr als 2500 geht nicht, wir hätten locker mehr Startnummern vergeben können." Man wolle "das Flair der Stadt bewahren" und nicht auf eine Außenfläche ausweichen.

Vor "Wolke 7" haben einige Respekt

Ein Hindernis, vor dem viele Manschetten haben, steht mitten in der Stadt. An der "Wolke 7" hüpfen die Wagemutigen fünf Meter auf die Matte. Wer sich nicht traut, macht Burpees, eine Art Strecksprung, und läuft um die Wolke herum. Jedem die Qual seiner Wahl.

Für Christopher Ehmsen und seine Gäste im Garten ist es die pure Erholung. Hans Jäckle hat sich dazugesellt, ihm gehörte früher das örtliche Gasthaus Lamm. "Neuenstadt hat sich echt gemacht", findet er angesichts einiger erfolgreicher Veranstaltungen. Der Motorman Run gehört dazu. Die Läufer tauschen im Ziel Tortur gegen ausgelassene Stimmung. Im Gärtle wird eh weitergefeiert. Einer der Kumpels hat Geburtstag.


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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