Moschee-Neubau kommt erst nach der Buga

Heilbronn  Die Verkehrssituation an der Weinsberger Straße lässt zur Bundesgartenschau (Buga) keine Großbaustelle zu. Deshalb wird der Baubeginn auf Oktober 2019 verschoben.

Von Bärbel Kistner

Moschee-Neubau kommt erst nach der Buga
Die bisherige Moschee der Ditib-Gemeinde an der Weinsberger Straße wird frühestens im Oktober 2019 abgerissen. Zur Buga soll es dort keine Großbaustelle mit einspuriger Verkehrsführung geben. Fotos: Mario Berger  

Vom ersten Zeitplan hatte sich die Heilbronner Ditib-Gemeinde längst verabschiedet. Ursprünglich wollte man zur Bundesgartenschau den Moschee-Neubau als architektonisches Highlight präsentieren − nachdem Ende 2014 der Siegerentwurf des Architekturwettbewerbs gekürt worden war.

Jetzt steht endgültig fest: Erst nach der Buga, also frühestens Mitte Oktober 2019, können die Bauarbeiten überhaupt erst starten.

Das ist mittlerweile auch im Sinne der Verwaltung. Während der Gartenschau sei keine Großbaustelle an der Mannheimer und Weinsberger Straße machbar, erklärt Baubürgermeister Wilfried Hajek auf Nachfrage: "Ein Fahrstreifen an diesem neuralgischen Punkt in der Innenstadt wegzunehmen und den Verkehr einspurig zu führen, ist in diesem Zeitraum nicht möglich."

Verkehrschaos unvermeidbar

Bis nach der Buga zu warten, "ist für alle Beteiligten einfacher", sagt der mit der Ausführung beauftragte Heilbronner Architekt Matthias Müller. Er geht davon aus, dass während der Bauarbeiten ein Verkehrschaos unvermeidbar sein wird. Die gewonnene Zeit will man für eine "sehr gute Planung und Abstimmung nutzen".

Moschee-Neubau kommt erst nach der Buga
Die Planung steht: Ditib-Vorsitzender Erdinc Altuntas und Architekt Matthias Müller präsentieren das Modell für den Neubau der Moschee mit Kulturzentrum.  

Dem Vorsitzenden der Heilbronner Ditib-Gemeinde, Erdinc Altuntas, ist ebenfalls daran gelegen, die Hauptachse zur Buga nicht zusätzlich durch die Bauarbeiten zu behindern: "Eine Baustelle in diesen sechs Monaten macht keinen Sinn."

Die Schau sei ein sehr wichtiges Projekt für Heilbronn, dazu wolle die muslimische Gemeinde ihren Beitrag leisten: "Es ist auch unsere Buga. Auch wir wollen, dass sie erfolgreich wird", betont Altuntas.

Suche nach Ausweichquartier 

Direkt danach soll der Abriss des alten Ditib-Moscheegebäudes beginnen. Wegen der Verzögerungen hat Altuntas die Suche nach einem Ausweichquartier gestoppt. "Bis zum Sommer 2019 müssen wir eine Bleibe finden", hofft er.

Dass sich der Baustart derart in die Länge zieht, hat nach Einschätzung des Architekten auch mit den vielfältigen, unterschiedlichen Nutzungen zu tun. "Es ist mehr Kulturzentrum als Moschee", erläutert Matthias Müller. Es gibt Räume für Veranstaltungen, eine Bibliothek, Gastronomie, Handel und Dienstleistungen. Aufgrund von längeren Öffnungszeiten hat die Stadt ein Lärmschutzgutachten gefordert, das derzeit erstellt wird. Das Gebäude wird später nur auf dem Drittel der Fläche von Gebetsräumen belegt sein. Unterschiedliche Bestimmungen baurechtlich zusammenzubringen, sei eine Herausforderung.

Baukosten sind gestiegen

Aus der Verzögerung will man nun zumindest Nutzen ziehen und mit einem längeren Vorlauf die Bauleistungen ausschreiben: "Das ist kostenmäßig günstiger", sagt Müller. Durch den Zeitverzug wird das Projekt ohnehin teurer als geplant. Baupreise steigen derzeit um vier Prozent jährlich. "Das ist für einen Verein nicht einfach", bekräftigt der Ditib-Vorsitzende. Anfangs war von neun Millionen Euro die Rede. Inzwischen rechnet man mit einer zweistelligen Millionensumme. Das Geld dafür komme aber "weder aus der Türkei noch aus einer anderen Stadt". Finanziert werde der Bau mit Geld vom Ditib-Bundesverband, Krediten, zinslosen Darlehen und Spenden.

Für Altuntas ist die neue Moschee nicht nur eine Herzensangelegenheit: "Es ist mein Lebenswerk." Der 45-Jährige wurde kürzlich einstimmig als lokaler Ditib-Vorsitzender bestätigt: "Ich weiß die Unterstützung der ganzen Gemeinde hinter mir." Politische Debatten im Zusammenhang mit der Türkei hätten das Projekt nicht beeinflusst. Das Ziel sei jetzt, den Moschee-Neubau vor dem Kommunalwahlkampf vom Gemeinderat absegnen zu lassen.

 

Mehr Öffentlichkeitsarbeit

Seit 30 Jahren ist die Heilbronner Ditib-Gemeinde an der Weinsberger Straße beheimatet. Der Verein hat 450 Mitglieder, Tendenz steigend, und gehört zu den 165 Ditib-Vereinen in Baden-Württemberg. Vorsitzender Erdinc Altuntas bedauert, dass die ehrenamtliche Arbeit des Vereins und "der Beitrag von uns Muslimen für die Gesellschaft" in der Heilbronner Öffentlichkeit nicht ausreichend ankomme und nur Negatives wahrgenommen werde. Altuntas: "Das müssen wir ändern."