Mord in Löwenstein: Langer Prozess steht bevor

Löwenstein/Heilbronn  Der Angeklagte soll seine von ihm getrennt lebende Frau vor der evangelischer Tagungsstätte brutal erstochen haben. Er streitet alle Vorwürfe ab. Am Freitag beginnt der mit Spannung erwartete Mordprozess.

Von Helmut Buchholz
Email

Am Freitagmorgen beginnt der Mordprozess um das Tötungsdelikt vor der evangelischen Tagungsstätte in Löwenstein. Die Staatsanwaltschaft wirft dem getrennt lebenden Ehemann des Opfers vor, im März 2017 seine Ehefrau auf dem Parkplatz vor der Tagungsstätte brutal erstochen zu haben. Die 59-Jährige war Mitarbeiterin des evangelischen Tagungshauses und nach Feierabend gerade zu Fuß auf dem Weg zu ihrem Auto.

Mehr zum Thema: An diesem Tag geschah das Gewaltverbrechen vor der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein

Das Verbrechen sorgte für Entsetzen in der Region. Der angeklagte Georg M. (63) streitet ab, der Täter zu sein. Die Tatwaffe − ein Messer − ist bis heute nicht gefunden. Darum zeichnet sich ein langwieriger Indizienprozess ab. Knapp hundert Zeugen und fünf Sachverständige sind geladen, 23 Verhandlungstage bis April angesetzt.

 

 

 

Mit einem Messer griff der Täter an

Als Motiv für den Mord gibt die Staatsanwaltschaft an, dass die Ehefrau einen neuen Lebensgefährten hatte und sich endgültig von Georg M. trennen wollte. In den Abendstunden des 29. März 2017 habe der Angeklagte dem Opfer aufgelauert. Gegen 21.30 Uhr soll er aus seinem Versteck am Parkplatz vor der Tagungsstätte herausgetreten sein und seine Ehefrau, die in diesem Moment mit keiner Attacke rechnete, mit einem Messer angegriffen haben, um sie zu töten.

Der 63-Jährige habe dem Opfer insgesamt neun Stich- und fünf Schnittverletzungen zugefügt. Erst als ein Tagungsgast die Schreie der Frau hörte und zum Tatort eilte, soll der Angeklagte die Flucht ergriffen haben. Durch den hohen Blutverlust ist die 59-Jährige noch auf dem Parkplatz gestorben.

Keine Spur von der Tatwaffe

Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf erklärt für ihren Mandanten: "Er bestreitet die Tat." Georg M. werde beim Prozessauftakt weder zu seiner Person noch zur Sache Angaben machen.

Da das wichtigste Beweisstück, die Tatwaffe, fehlt, muss sich die Staatsanwaltschaft auf Indizien, vor allem Zeugenaussagen stützen. Unter den geladenen Zeugen sind Personen aus dem privaten Umfeld der Familie der Getöteten und des Angeklagten. Auch Mitarbeiter der Tagungsstätte Löwenstein stehen auf der Zeugenliste.

Mehr zum Thema: Polizeitaucher suchen nach der Tatwaffe in einem Teich bei Eichelberg

Als Nebenkläger sind die erwachsene Tochter und der erwachsene Sohn des Ehepaars M. an dem Prozess beteiligt. Rechtsanwalt Christoph Wingerter vertritt sie. Er sagt über die Gemütslage seiner Mandanten: "Es ist ganz schlimm für sie. Sie haben ihre Mutter verloren. Wichtig ist, dass der Fall lückenlos aufgeklärt wird." Sohn und Tochter wünschen sich, "dass die Wahrheit ans Licht kommt". Nach Aktenlage spreche vieles dafür, "dass der Vater es war", erklärt Christoph Wingerter.

Keine Rolle bei dem Mordprozess spielt ein parallel laufendes Betrugsverfahren gegen Georg M. Er soll mehrfach Kunden mit dem Verkauf neuer Küchen betrogen haben. Das Amtsgericht Heilbronn hatte ihn im November 2017 zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Georg M. und sein Anwalt haben Berufung eingelegt.

Auch interessant: Jedes zweite Gewaltverbrechen an Frauen wird vom Partner begangen  

 

 


Kommentar hinzufügen