Möbelhaus Rieger mit Zirkusmanege

Heilbronn  Das Familienunternehmen setzt bei seinem Heilbronner Projekt auf Erlebniseinkauf. Viel Lob gab es beim Richtfest für das 65 Millionen Euro teure Großprojekt.

Von Bärbel Kistner

 

Die Stadt Heilbronn und Möbel Rieger passen gut zusammen, beide sind modern und innovativ", lobt Oberbürgermeister Harry Mergel beim Richtfest für das neue Möbelhaus zwischen Saarlandkreisel und Neckargarten. 65 Millionen Euro investiert das Göppinger Familienunternehmen in Heilbronn in sein siebtes und zugleich größtes Möbelhaus, 170 mal 100 Meter groß. Mit 36.500 Quadratmeter Verkaufsfläche auf drei Ebenen will Firmenchef Benno Rieger neue Maßstäbe setzen.

"Der spektakuläre Großbau steht an der richtigen Stelle, der Stadtraum dort verträgt den Baukörper", sagt Baubürgermeister Wilfried Hajek. Mit Blocher Partners habe Rieger Top-Architekten beauftragt, "die wissen, wie man mit einer so großen Form umgehen muss". Das Stuttgarter Architekturbüro steht auch hinter der Heilbronner Stadtgalerie.

Lichtdurchflutete Ausstellungsräume

Durch die Außenhülle aus Aluminiumschindeln soll die Fassade Leichtigkeit ausstrahlen: Die 24.600 Metallplatten in sechs verschiedenen Kupferfarbtönen werden handwerklich gefalzt wie bei alten Blechdächern. Statt einer planen Fläche bietet die Fassade optische Tiefe, erklärt Architekt Dieter Blocher.

Aus einem Möbelhaus ein Erlebnishaus zu machen, darin sieht Rieger die Zukunft seiner Branche: "Emotionale Ansprache ist wichtig in Zeiten des Onlinehandels." Das heißt unter anderem: Es gibt lichtdurchflutete Ausstellungsräume ohne vorgegebene Wegeführung, viel Abwechslung durch Pop-Up-Boxen mit regionalen und saisonalen Themen, eine Zirkusmanege integriert ins Möbelhaus, in der Artisten Kindern von Kunden das Jonglieren und Einradfahren beibringen, und eine Gastronomie namens "Heilbronnerei" mit schwäbischer Stube, Streetfood, Barista-Bar und Backstube. "Beliebigkeit wird nicht bestehen", betont Rieger.

280 neue Arbeitsplätze

Die Entscheidung für die hohe Investition in Heilbronn war für Rieger Herzens- und Kopfsache. Die Marktuntersuchung habe den Mangel an qualifiziertem Möbelangebot aufgezeigt und dass Kaufkraft nach Ludwigsburg, Mannheim, Würzburg abfließt − 100 Millionen Euro pro Jahr haben die GMA-Marktexperten errechnet. "Das Projekt wird unsere Stadt und den Einzelhandelsstandort stärken", sagt der OB, aber auch Wettbewerb verschärfen, "hoffentlich zugunsten der Kunden".

280 Arbeitsplätze schafft Rieger in Heilbronn − auf diesem Feld wächst der Wettbewerb ebenfalls. Beim Chef der Arbeitsagentur Jürgen Czupalla mischt sich in die Freude auch die Sorge, die neuen Stellen besetzen zu können: "Es gibt keine arbeitslosen Möbelverkäufer in Heilbronn." Deshalb habe man bereits begonnen, Mitarbeiter zu qualifizieren. Quereinsteiger haben in der Möbelbranche gute Chancen, ebenso wie über 50-Jährige. In der Gastronomiebranche steige durch Rieger der Druck auf Firmen, ihre Arbeitsplätze attraktiv zu gestalten.

Die Eröffnung musste von Ende 2018 auf Frühjahr 2019 verschoben werden, wegen aufwendiger Untersuchungen im 44.000 Quadratmeter großen Baugrund. "Das hat uns zwei Monate Zeit gekostet und einige hunderttausend Euro", berichtet Rieger. Kampfmittel oder Weltkriegsbomben wurden keine gefunden, dafür unter anderem eine alte Laterne. Rieger: "Das ist die teuerste Straßenlampe der Welt."

Mehr zum Thema: Bisher standen hier die Gewächshäuser von Pflanzen Kölle. Jetzt sind sie abgerissen. Möbel Rieger baut direkt an der Neckartalstraße in Heilbronn sein siebtes Möbelhaus

 

 

 


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