Möbel Rieger hat in Heilbronn 65 Millionen Euro investiert

Heilbronn  Einige Monate später als geplant hat am Donnerstag das Möbelhaus Rieger in Heilbronn eröffnet. Der neue Möbelriese am Saarlandkreisel will den Einzelhandelsstandort stärken.

Von Bärbel Kistner
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Andrang zur Eröffnung von Möbel Rieger: 36.500 Quadratmeter Verkaufsfläche sind ein Paukenschlag für die Branche.

Fotos: Ralf Seidel

Hunderte Anrufer hatten sich nach dem Eröffnungstermin erkundigt. Am Donnerstag war es endlich so weit. Einige Monate später als geplant hat Möbel Rieger seine Pforten geöffnet.

Mit einer Verkaufsfläche von 36 500 Quadratmetern ist Rieger nur die Nummer zwei in Heilbronn. Der Neue sorgt aber dennoch für einen Paukenschlag in der Möbellandschaft. Das siebte Haus des Göppinger Unternehmens will den Möbeleinkauf zum Erlebnis machen: mit einem großzügigenRaumgefühl, flexibel nutzbaren Verkaufsflächen und einer außergewöhnlichen Kinderbetreuung im eigenen Zirkusbereich.

500 Plätze im Restaurant

500 Sitzplätze hat das Restaurant "Heilbronnerei", ein Teil davon auf einer Terrasse zum Neckar hin mit Blick auf die Stadt und den Wartberg. Die Gastronomie bietet Pizza, Pasta und asiatische Gerichte. Vor Ort in einer Backstube wird Brot gebacken und Eis hergestellt.

Das Familienunternehmen bringt nicht nur neuen Wettbewerb nach Heilbronn. Das Haus soll auch den Kaufkraftabfluss im Möbelsektor stoppen. 100 Millionen Euro jährlich gehen Heilbronn pro Jahr verloren, laut Handelsgutachten, das die Stadt bereits vor der Rieger-Ansiedlung in Auftrag gegeben hatte. "Heilbronn hat eine Unterversorgung bei Möbeln", stellt der geschäftsführende Gesellschafter, Benno Rieger, fest. Das neue Haus werde auch Kundschaft aus der Region und angrenzenden Landkreisen nach Heilbronn führen.

 

 

Fliegerbomben vemutet

Dass Rieger nicht schon im Frühjahr öffnete, liegt nach Auskunft von Geschäftsführer Jacques Kanceljak am Untergrund. Auf dem Gelände wurden Fliegerbomben vermutet, die sich als Eisenbahnschienen und Rohre entpuppten. "Das hat uns drei bis vier Monate Zeit gekostet."

Aus den projektierten 60 Millionen Euro wurden am Ende 65 Millionen Euro Investitionskosten - weil sich in der Bauphase noch Ideen ergaben, sagt Benno Rieger. Auf die Architektur ist er stolz. Sie ist für den 54-Jährigen eine Antwort auf das "Lechzen der Menschen nach Emotionen". Die Zeit einfallsloser Handelsflächen und "uniformer Möbelkisten" sei vorbei. Inspiration hat sich Rieger nicht nur bei Möbelkonzepten von London bis Berlin geholt. Die Umsetzung für Heilbronn wurde mit den Stuttgarter Architekten von Blocher Partners entwickelt - das Architekturbüro hat auch die Stadtgalerie entworfen.

Fassade mit 26.000 Schindeln

Rieger setzt auf Einkaufserlebnis

Firmenchef Benno Rieger ist überzeugt, dass Erlebniseinkauf die Zukunft für den stationären Handel ist. Das Online-Geschäft mit Möbeln hat er im Auge.

Der markante Bau sei "einzigartig schwierig" zu bauen gewesen, berichtet Benno Rieger. Die Außenhaut besteht aus 26.000 Aluschindeln in sechs Kupferrot-Tönen. Ein Algorithmus hat die Reihenfolge der Schindeln festgelegt, die von Hand gebogen sind. Die Fassade vereine Digitales und Handwerkskunst. Die Bad Rappenauer Firma Reinhardt habe sich als einzige an den Auftrag getraut.

Die Besonderheit ist der Farbverlauf: Nach oben zum Himmel werden die Farben immer heller. Der monumentale, dreigeschossige Bau soll sich so trotz der Größe von 170 mal 100 Metern in die Umgebung einfügen.

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Ökologie

Für ihn sei Ökologie eine "Herzensangelegenheit und keine Modeerscheinung", sagt Firmenchef Benno Rieger. Dazu gehöre 100 Prozent Ökostrom aus Wasserkraft, aber auch, dass keine Einwegtaschen, Strohhalme oder Kaffeebecher aus Plastik zu finden seien. Im Restaurantbereich etwa werden nur Mehrwegflaschen aus Glas angeboten. Auf dem begrünten Dach will Rieger ein Bienenvolk ansiedeln: "Ein Imker war schon da." Ab Herbst kann man Elektroautos aufladen.

 

 

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