Modegeschäft zieht von der Kaiserstraße in früheren Feinkost Müller

Heilbronn  Die Heilbronner Modehändlerin Ingrid Dörr hat die zweite Reihe für sich entdeckt. Sie hat gute Gründe, warum sie der Lage am Rande der Innenstadt in der Titotstraße den Vorzug gibt.

Von Bärbel Kistner

Modegeschäft zieht von der Kaiserstraße in früheren Feinkost Müller

Der frühere Feinkost Müller ist nicht wiederzuerkennen: Ingrid Dörr ist mit ihrem Modegeschäft von der Kaiserstraße in die Titotstraße umgezogen. Foto: Dennis Mugler

Einzelhandel in den Randlagen der Innenstadt hat keine Chance mehr? Von wegen. Genau dort, in der Heilbronner Titotstraße 14, hat jetzt Ingrid Dörr ihr Modegeschäft neu eröffnet.

Die Einzelhändlerin war zuvor knapp acht Jahre in der Kaiserstraße 42 und hat sich aus mehreren Gründen zu einem Umzug entschlossen. "Wir leben überwiegend von Stammkunden, deshalb sind für uns Kundenparkplätze sehr wichtig", sagt Dörr. Und genau diese kann sie an ihrem neuen Standort Titotstraße bieten.

Parkplatz vor der Türe

Derzeit hat sie drei Stellplätze beim Laden, ein weiterer ist in Planung. Viele ihrer Kundinnen und Kunden pflegten ein gewisses Understatement und würden nur ungern ihre Einkaufstüten durch die Stadt tragen. Doch auch eine nachlassende Frequenz hat sie in der Kaiserstraße festgestellt. "Einige meiner Kunden geben mir die Rückmeldung, dass ihnen die Heilbronner Innenstadt zu wenig Verweilstationen zu bieten hat."

Auf einer Etage

Alles auf einer Fläche zu haben, das war für Ingrid Dörr eine weitere Motivation für den Wechsel. Ein Laden auf zweieinhalb Etagen sei sehr personalintensiv gewesen. Das ist ein generelles Problem im Einzelhandel. Viele Flächen in der Heilbronner Fußgängerzone sind kleinteilig und ziehen sich über mehrere Etagen. Ingrid Dörr kann auf den zirka 170 Quadratmetern ihre Mode großzügiger präsentieren, dazu kommt eine rund 30 Meter lange Schaufensterfront. Als Dörr das leer stehende Geschäft entdeckte, war sie sich sicher: "Das ist die richtige Fläche für mich."

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Kiezgefühl an der Titotstraße

Als im Februar 2018 Feinkost Müller zumachte, sah es zuerst nicht danach aus, dass hochwertiger Einzelhandel auf das Lebensmittel-Traditionsgeschäft folgen würde. Jetzt hat Hauseigentümer Wolfgang Müller kräftig investiert: Die Fenster wurden erneuert, ebenso die Decken und der Bodenbelag. Vom neuen Standort ist die Ladeninhaberin angetan: "Das ist wie auf einem Kiez."

Durch das Robert-Mayer-Gymnasium, die Buchhandlung Stritter sowie durch zahlreiche Ämter, Büros, Arztpraxen, Kanzleien, Geschäfte, Dienstleister und Gastronomie sind viele Fußgänger unterwegs. "Von unseren Kunden hat sich niemand über die Entfernung zur Fußgängerzone beschwert." Bis zur Kaiserstraße sind es 350 Meter.

Entwicklung des Onlinehandels macht Prognose schwierig

Eine langfristige Prognose will Ingrid Dörr nicht abgeben: "Das hängt von den Kunden ab. Wir schauen, wie lange unser Geschäft gut läuft." Dazu gehört auch, wie sich der Onlinehandel entwickelt. Dessen Wachstum setzt sich nach Einschätzung des Handelsverbands fort, wenn auch im Textilbereich nicht mehr so stark. Das Potenzial zur Steigerung komme im Wesentlichen aus der Altersgruppe 60plus. Ihr eigener Onlinehandel nützt vor allem digitalen Sichtbarkeit, meint Ingrid Dörr. Bestellungen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

 

 


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