Mitstreiter für islamische Seelsorge am SLK-Klinikum gesucht

Heilbronn  Am SLK-Klinikum am Gesundbrunnen werden Ehrenamtliche gesucht, die als islamische Krankenhausseelsorger Patienten begleiten. Die Ausbildung dafür dauert ein Jahr.

Von Wolfgang Müller

Mitstreiter für islamische Seelsorge gesucht
Fatma Tastan (l.) und Tuncay Guenduez (3.v.l.) informieren über islamische Seelsorge. Abdulhamid Andreas Tittus (4.v.l.) ist im Gesundbrunnen tätig. Foto: Christiana Kunz  

"Für uns sind alle Menschen gleich. Und sie haben ganz ähnliche Sorgen", sagt Tuncay Guenduez. Meist seien sie weltlich geprägt. Und doch sei es wichtig, einen konfessionellen Hintergrund mitzubringen.

Tuncay Guenduez ist islamischer Krankenhausseelsorger im Klinikum am Plattenwald. Zusammen mit Fatma Tastan aus Ludwigshafen hat er jetzt bei einer Informationsveranstaltung im SLK-Klinikum am Gesundbrunnen für diese ehrenamtliche Tätigkeit geworben.

Zur Ausbildung gehören religiöse Themen, aber auch Patientenverfügung oder Gesprächsführung

Eine einjährige Ausbildung bietet das Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog denen an, die sich für die Arbeit als islamischer Krankenhausseelsorger interessierten. 215 Unterrichtsstunden sind dafür angesetzt, berichten die beiden Referenten. Dazu kommen 55 Stunden Praktikum in einem Krankenhaus, begleitet von 25 Stunden Supervision.

Auf dem Unterrichtsplan stehen natürlich religiöse und kulturelle Hintergründe zum Islam. Aber nicht nur. Auch andere Religionen werden betrachtet. "Ob Moslem, Christ, Jude oder Buddhist − wir machen keinen Unterschied", sagt Guenduez. Darüber hinaus stehen aber auch weltliche Themen auf der Agenda, wie etwa Patientenverfügung, Verdienstausfälle bei Krankheit oder Gesprächsführung.

Derzeit gibt es am Gesundbrunnen nur einen islamischen Seelsorger

Abdulhamid Andreas Tittus ist einer von rund 60 islamischen Seelsorgern in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und Mann der ersten Stunde. Als die damalige Integrationsministerin der grün-roten Landesregierung, Bilkay Öney, das Ausbildungsprogramm für islamische Seelsorger auf den Weg gebracht hatte, ist der 57-Jährige gleich aufgesprungen.

Vier Jahre lang arbeitet er mittlerweile in dieser Funktion im Gesundbrunnen. Anfangs hatte er zwei Kollegen an seiner Seite. Inzwischen ist er hier Einzelkämpfer. "Alles alleine zu bedienen geht nur noch auf Abruf", sagt Tittus, der 1984 zum Islam konvertierte. Wenn Not am Mann ist, helfen die Kollegen aus dem Plattenwald zwar auch aus. "Aber manchmal geht es einfach nicht", sagt er.

Tittus ist seit 40 Jahren Krankenpfleger im Intensivbereich. Patienten, die er auf der Station pflegt oder gepflegt hat, könne er nicht seelsorgerisch betreuen. "Diese Doppelfunktion funktioniert nicht", sagt er. Tittus hofft deshalb auf Mitstreiter.

Drei neue Kandidaten interessieren sich für die Ausbildung

Jamal Zawawi ist nach dem Infotag im Gesundbrunnen überzeugt. Der Leingartener will im November mit der Schulung beginnen und sich danach wie jeder, der mitmacht, für mindestens zwei Jahre auf vier Stunden pro Woche verpflichten. Selahattin Araz, Dialogbeauftragter der Moscheegemeinde Oberstenfeld, ist vom Konzept ebenfalls überzeugt. Ob er allerdings die Zeit findet, kann er noch nicht sagen. Kevser Sahan aus Oberstenfeld hat Lust darauf und will Kontakt zum Mannheimer Institut aufnehmen. "Ich will etwas zurückgeben an die Gesellschaft", sagt die 26-Jährige.

Voraussetzung für Seelsorgetätigkeit ist neben Deutsch die türkische oder eine arabische Sprache zu beherrschen. Weitere Informationen gibt es unter www.mannheimer-institut.de.