Miteinander statt nebeneinander im neuen Stadtquartier Neckarbogen

Heilbronn  Café, betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung, Waschsalon: Das Inklusions-Projekt der Stiftung Lichtenstern im Neckarbogen ist offiziell gestartet.

Von Bärbel Kistner

Miteinander statt nebeneinander im neuen Stadtquartier Neckarbogen
Die Stiftung Lichtenstern ist im Neckarbogen mit Café Samocca, Waschsalon, Tagesförderstätte und Wohnhaus für Menschen mit Behinderung vertreten. Fotos: Mugler

Als Pfarrerin Sybille Leiß im Herbst 2014 zum ersten Mal in der Heilbronner Stimme vom Neckarbogen erfuhr, war ihr sofort klar: "Im neuen Stadtteil muss Inklusion von Anfang an mitgedacht werden."

Viereinhalb Jahre später kann die Chefin der Evangelischen Stiftung Lichtenstern in die große Runde der Unterstützer, Mitwirkenden, Mitarbeiter und Angehörigen blicken, die gemeinsam den offiziellen Start des Quartiersprojekts im Neckarbogen feiern.

Café Samocca als Herzstück

Herzstück der Idee ist das Inklusionscafé Samocca, das seit Herbst im Probetrieb läuft, um für den Ansturm der Gäste während der Bundesgartenschau gerüstet zu sein. Menschen mit Handicap arbeiten dort im Service, hinter der Theke und in der Küche. Nach der Buga ist das Samocca Quartierstreffpunkt.

Nicht nur das Café ist gelebte Inklusion. Zum Projekt gehört das Haus am Floßhafen, ein Wohngebäude für Menschen mit geistiger Behinderung. In einem weiteren Gebäude ist die Tagesförderstätte untergebracht, in der Menschen mit Handicap tagsüber betreut werden. Außerdem betreibt die Stiftung Lichtenstern angrenzend ans Samocca einen Waschsalon zum Selberwaschen, der allen Bewohnern offen steht. Im Innenhof gibt es schließlich noch das ebenfalls von der Stiftung begleitete Gartenprojekt unter dem Stichwort Urban Gardening. Es soll die Begegnung der Bewohner fördern. In drei der insgesamt sieben Gebäude im mittleren Baufeld der Stadtausstellung ist Lichtenstern demnach vertreten. "Wir setzen damit ein sichtbares Zeichen auf dem Gelände der Buga", freut sich Sybille Leiß.

Ein Erfolg ist, dass Wohnraum für Menschen geschaffen wurde, die es schwer haben, eine Bleibe zu finden. Doch auch die neuen Arbeitsplätze im Neckarbogen sind wichtiger Bestandteil des Konzepts: "Sie bieten eine echte Chance auf Teilhabe", so Leiß. Im Samocca können Besucher "Vielfalt und Inklusion gelassen und fröhlich erfahren".

Inklusion in die Köpfe bringen

Miteinander statt nebeneinander im neuen Stadtquartier Neckarbogen

Im Inklusionscafé Café Samocca im neuen Stadtquartier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung. Ein halbes Jahr lang wurde für die Buga trainiert.

Für Oberbürgermeister Harry Mergel ist das Projekt im Neckarbogen sehr gut geeignet, um das Thema Inklusion im Bewusstsein der Öffentlichkeit voranzubringen - und damit auch bei den Besuchern der Bundesgartenschau. Für Heilbronn sei es ein Paradebeispiel, wie soziales Zusammenleben funktionieren kann. "Eine Stadt wird lebendiger und reicher, wenn alle Menschen teilhaben können", betont Mergel.

Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas verweist auf die Bedeutung der Konzeptvergabe für die Grundstücke im Neckarbogen. Was in dem Gebäude passieren und wie es genutzt werden soll, spielte für den Zuschlag eine wichtige Rolle - und nicht der Preis, wie sonst bei Grundstücksverkäufen üblich. Barrierefrei sei die Buga nicht nur im Café. "Zum ersten Mal wird Inklusion auf einer Gartenschau gelebt und ist ins Gesamtkonzept eingebunden."

Stolz auf Architektur

Für Projektentwickler Joachim Kruck "können wir alle gemeinsam stolz sein, was an Inklusion entstanden ist". Kruck hebt auch auf die architektonische Qualität der Gebäude ab, die bis ins Detail stimmig sei: "Nachträglich wurde nichts abgespeckt, wir haben so gebaut, wie wir es eingereicht haben."

Für Ulrich Werner vom Genossenschaftsverband spielt das Quartiersprojekt eine Vorreiterrolle in Baden-Württemberg: "Das hat es in dieser Form bisher nicht gegeben." Die Heilbronner Sozialbürgermeisterin Agnes Christner verweist darauf, wie ernst es der Stadt mit dem Thema Inklusion und Teilhabe sei: "Der Neckarbogen ist auch ein klares Bekenntnis dafür, dass Menschen mit Handicap Teil unserer Gesellschaft sind."

 

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