Mit dem TUM-Turm wird Heilbronn zur Uni-Stadt

Region  Die Technische Universität München (TUM) bezieht das zentrale Gebäude auf dem Heilbronner Bildungscampus. Große Hoffnungen sind damit verbunden. Hier haben offensichtlich zwei aufeinander gewartet.

Von Christian Gleichauf

Die Technische Universität München (TUM) hat ihr neues Domizil in Heilbronn bezogen. Der Turm auf dem Bildungscampus in Heilbronn wurde mit einem Festakt feierlich eröffnet. Rund 250 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft waren dabei, unter ihnen der SAP-Gründer Dietmar Hopp, der Künzelsauer Unternehmer Reinhold Würth und der Stifter des Bildungscampus, Dieter Schwarz.

TUM-Präsident: "Ich habe eine Offenbarung erlebt"

Mit dem TUM-Turm wird Heilbronn zur Uni-Stadt

Blick ins Programm: Zahlreiche Vertreter der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft nahmen an den zwei Podiumsdiskussionen beim Festakt teil.

Mit der TUM und Heilbronn haben offenbar zwei zusammengefunden, die aufeinander gewartet haben. So ungefähr stellte es zumindest TUM-Präsident Wolfgang Herrmann dar. Schneller als andere zuvor hatte man in München die Chance erkannt: Nachdem der ehemalige baden-württembergischen Wissenschaftsminister Peter Frankenberg für die Dieter-Schwarz-Stiftung vor zwei Jahren mit der Idee an ihn herangetreten war, habe er sich sofort auf nach Heilbronn gemacht. "Und ich habe eine Offenbarung erlebt."

Er habe sofort gesehen, dass Heilbronn eine der stärksten High-Tech-Regionen in ganz Europa ist, dazu die vielen Familienunternehmen als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. "Wir haben drei Tage später ein Konzept für die Zusammenarbeit präsentiert", ergänzte später der Dekan der TUM School of Management, Gunther Friedl.

Erst im zweiten Anlauf ist Heilbronn erfolgreich

Mit dem TUM-Turm wird Heilbronn zur Uni-Stadt

Ein Saal voller Prominenz: Rund 250 Gäste sind am Donnerstagvormittag zur Einweihung des TUM-Turms in die Aula des Bildungscampus gekommen.

Fotos: Mario Berger

Zwei Jahre später ist Heilbronn nun Uni-Stadt. Wie groß die Chance ist, die sich für die Region daraus ergibt, illustrierte Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel mit einem Blick zurück: 1967 sei Heilbronn im Rennen um die letzte Universitäts-Lizenz im Land der Stadt Ulm unterlegen. "Wenn wir heute nach Ulm schauen, dann sehen wir, dass wir hier in den vergangenen Jahrzehnten mit einem wirklichen Infrastruktur-Defizit zu kämpfen hatten." Die Region stehe wirtschaftlich zwar gut da. Mithilfe der TUM könne sie sich aber nun umso breiter aufstellen und fortentwickeln.

IHK-Präsident Harald Unkelbach konnte sich in diesem Zusammenhang einen Seitenhieb auf die Knausrigkeit des Landes nicht verkneifen: "Wir haben die Zahl der Studienplätze in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Die Region hat dafür selbst Hand angelegt. Es ist aber doch unziemlich, was vonseiten des Landes hier investiert wurde." Deshalb verbinde auch die Wirtschaft große Hoffnungen damit, dass Heilbronn Universitätsstandort wird.

 

Der Name des Turms

CAS-Turm hieß das zentrale, 44 Meter hohe, weiße Gebäude auf dem Bildungscampus schon - wegen des anfangs im Turm untergebrachten Center for Advanced Studies der DHBW. Auch "Langer Wolfgang" oder "Langer Herrmann" habe er schon gehört, sagte der Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung, Professor Reinhold Geilsdörfer. Eine Anspielung auf den Präsidenten der TU München, Wolfgang Herrmann. Auch Elfenbeinturm sei er schon genannt worden, erinnert sich Architekt Achim Söder. Doch obwohl die Münchner Uni nicht den ganzen Turm in Anspruch nehmen und in den oberen Stockwerken die Dieter-Schwarz-Stiftung residiert, hat sich der Name Tum-Turm bereits fest etabliert.

 

Ein Turm mit Symbolcharakter

Mit dem TUM-Turm wird Heilbronn zur Uni-Stadt

Der Präsident der TU München, Wolfgang Herrmann (rechts) im Gespräch mit Reinhold Würth und dessen Gattin, "Ehrenbürgerin der TU München", Carmen Würth.

Der Turm selbst stehe auch für den Transformationsprozess, in dem sich die Region befindet, erklärte der Architekt des Gebäudes, Achim Söder, vom Architekturbüro Auer Weber. Schließlich sei er an die Stelle eines uralten Industriegebiets gebaut worden. "Natürlich ist es der TUM-Turm, natürlich ist es das wichtigste Haus am Platze." Doch der Turm füge sich ein.

Auch das sollte wohl sinnbildlich gedeutet werden. Obwohl sie so herausragend ist, soll sich die TUM einbinden lassen, wünschen sich die anderen Hochschulen der Stadt. Helmut Krcmar, Gründungsdekan des TUM-Campus Heilbronn, zeigte sich offen. Er könne aber nicht für die 13 Professoren sprechen, die ab Oktober nach und nach in Heilbronn beginnen. Derzeit laufen die Berufungsverfahren. "Da brauchen wir noch etwas Geduld, bis diese tollen Köpfe da sind."

Region soll von einer ausgezeichneten Uni profitieren

Mehrfach betonten Redner, welch ausgezeichnete Uni die TU München ist, dass sie in aktuellen Rankings wieder einmal deutschlandweit die ersten Plätze belegte (wir berichteten). Davon solle die gesamte Region profitieren.

Und der Stifter hält sich zurück

Großer Dank ging mehrfach von vielen Seiten an "den Stifter", dessen Name selten ausgesprochen wird, der hier aber so viel bewegt hat. Dieter Schwarz tauchte so gut es geht in der Menge unter. In vielen Gesprächen tauschte er sich anschließend aus. Öffentlich oder gegenüber der Zeitung wollte er sich auch an diesem besonderen Tag nicht äußern.


Wie sich der Bildungscampus in den vergangenen Jahren entwickelt hat

Klicken Sie sich durch unsere Bilderstrecke, um die Baufortschritte auf dem Bildungscampus zu sehen. 

 



Die TU München

Die 1868 gegründete Technische Universität hat neben ihrem Stammsitz in München mehrere Dependancen. In Garching befinden sich Hightech-Labore, in Freising-Weihenstephan ist das naturwissenschaftlich-technische Zentrum. Straubing ist seit Oktober 2017 der vierte Standort. Heilbronn ist als Standort für den Management-Nachwuchs an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften ausgewiesen. 13 der 20 von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanzierten Professuren werden in Heilbronn angesiedelt sein. 2002 hat die TUM den ersten Auslandscampus einer deutschen Uni in Singapur eröffnet.

 

360-Grad-Video

Erstmals eröffnet eine deutsche Universität einen Standort außerhalb des eigenen Bundeslandes: Die TU München auf dem Bildungscampus Heilbronn. Erste Eindrücke gibt es im neuen Video der Kolumne "360 Grad".


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