Mit dem Porsche durch die Rettungsgasse

Region  Weil er als Beifahrer in einem Porsche auf der A6 zwischen Bad Rappenau und Sinsheim durch eine Rettungsgasse fuhr und einen Polizisten beleidigte, wurde ein 40-Jähriger am Mittwoch zu einer Geldbuße und Bewährungsstrafe verurteilt.

Von Michelle Christin List

Im Stau steht niemand gerne. Gut, dass es die Rettungsgasse gibt, dachte sich ein 40-jähriger Waiblinger. Nachdem Polizei, Rettungswagen und Autobahnmeisterei es vorgemacht hatten, reihten er und der Fahrer seines Porsches sich ebenfalls ein. Der Angeklagte hat seit 2005 keine Fahrerlaubnis mehr.

Als er auf sein Fehlverhalten hingewiesen wurde, warf der Auto-Besitzer mit Beleidigungen um sich und zeigte mehrfach den Mittelfinger. So lauten die Aussagen von Polizei und Autobahnmeisterei.

Der aus dem Kosovo stammende Kleinunternehmer hat das zunächst anders in Erinnerung: Als er im Juli 2018 auf der Bundesautobahn A6 zwischen Bad Rappenau und Sinsheim stand, fiel ihm plötzlich auf, dass er vergessen hatte, den Akku aufzuladen. Nicht den für sein Handy, sondern für den Defibrillator. Akku und Ladegerät hatte er bei einem Besuch in Basel vergessen.

Angeklagter will Todesangst gehabt haben

„Wir müssen sofort zurückfahren“, sagte er zum Fahrer seines Porsches. „Ich weiß, dass das nicht erlaubt ist, aber ich hatte Todesangst“, sagt der Angeklagte. Und er ergänzt: „Mein Herz war schon so schwach, dass der Defibrilator Alarm schlug, um mich wiederzubeleben.“ Polizei und Autobahnmeisterei können sich an solch ein akustisches Signal nicht erinnern.

„Ein Mitarbeiter der Autobahnpolizei hatte gar kein Verständnis, hat mich sogar heftig beschimpft und mir immer wieder den Mittelfinger gezeigt“, so der Angeklagte. Besagter Mitarbeiter hat das Ganze anders in Erinnerung. So sei es der Porsche-Beifahrer gewesen, der mit Schimpfwörtern und Gesten unter der Gürtellinie um sich warf.

Unter Schock den Mittelfinger gezeigt

Mit Unterstützung seiner Verteidigerin erinnert sich dieser dann doch noch, ein paar Schimpfwörter geäußert zu haben. Auch den Mittelfinger kann er nicht leugnen. „Ich stand unter Schock. Es war eine Ausnahmesituation.“ Für den 40-Jährigen nicht die erste: Im Jahr 2017 wurde er zum vierten Mal beim Fahren ohne Führerschein erwischt: „Meine Frau hatte so starke Unterleibsschmerzen, dass sie nicht mehr weiterfahren konnte.“

Insgesamt 19 Einträge zeigt sein Vorstrafenregister. Trunkenheit im Verkehr, unerlaubter Aufenthalt oder Urkundenfälschung. Nach einem mehrmonatigen Gefängnisaufenthalt wurden zwei Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt.

Richter Oliver Raschke verurteilt ihn zu fünf Monate Haftstrafe auf Bewährung. Außerdem muss der Angeklagte 5000 Euro an die Deutsche Knochenmarkstiftung zahlen.

 


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