Mit dem Feuerwerk explodieren die Feinstaubwerte

Heilbronn  Über Weihnachten war die Luft in Heilbronn tagelang unbelastet. Mit dem Silvesterfeuerwerk änderte sich die Schadstoffbelastung binnen Minuten. Warum diese hohen Werte wenige Stunden später wieder verflogen waren, erklären wir im fünften Teil unseres Feinstaub-Briefings.

Von Lisa Reiff

Unsere Onlineredaktion misst seit Anfang November die Feinstaub-Belastung in Heilbronn. Dafür haben wir mehr als 15 selbstgebaute Messgeräte in der Innenstadt, in Wohngebieten und an stark befahrenen Straßen aufgestellt. Bis zum Frühjahr 2018 berichten wir jeden Montag auf stimme.de über unsere Messungen. Alle Werte unserer Messgeräte können Sie unter feinstaub.stimme.de einsehen.

Mehr zum Projekt: Wie viel Feinstaub belastet die Luft in Heilbronn?

 

Das war zum Jahreswechsel auffällig:

Wind und Regen vertreiben dichte Feinstaubschwaden

Rauchiges Vergnügen: Durch das Abbrennen der Feuerwerkskörper schnellen die Feinstaubwerte auch in Heilbronn stark in die Höhe.

Foto: Mario Berger

 

In der Silvesternacht hätten wir die Feinstaubmessgeräte unserer Redaktion besser ausgeschaltet. Pünktlich zum Feuerwerk sind die Messwerte quasi explodiert − sie waren im Heilbronner Stadtgebiet fast überall mindestens viermal so hoch wie sonst.

Auf unserer Karte auf www.feinstaub.stimme.de kann man sehen, dass die Werte nach Mitternacht auf über 200 Mikrogramm pro Kubikmeter geschnellt sind. Zuvor lagen sie im Tagesmittel weit unter dem EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Höhere Werte als vor einem Jahr

Die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) hat dieses Silvester höhere Werte als bei der Jahreswende 2016/2017 gemessen. "Unser erster Eindruck ist, dass mehr geballert wurde", sagt Zarko Peranic von der LUBW. Spitzen von mitunter 600 Mikrogramm pro Kubikmeter haben nicht nur die Stimme-Geräte gemessen − auch die LUBW hat vereinzelt solch hohe Werte zwischen null und zwei Uhr aufgezeichnet. Diese Spitzen hängen stark damit zusammen, wie viele Feuerwerkskörper in der Nähe der Messpunkte gezündet werden.

In Heilbronn war die Oststraße nach Stimme-Messungen einer der Spitzenreiter. Auch an unseren Sensoren im Bereich Stuttgarter Straße und Charlottenstraße lagen die höchsten Werte bei über 500 Mikrogramm pro Kubikmeter. Wer dort nicht die maximale Staubbelastung inhalieren wollte, hielt beim Betrachten des Spektakels besser den Atem an. Der maximale Halbstundenwert zwischen 0 und 2 Uhr lag an der offiziellen LUBW-Station Weinsberger Straße bei 136 Mikrogramm. Landesweiter Spitzenreiter war Tübingen (631) vor Stuttgart (603).

Wind und Regen vertreiben den Feinstaub

Lange hat sich die dicke Luft nicht gehalten. Nach rund zwei Stunden ist die Feinstaubkonzentration wieder auf Normalniveau gesunken − dank günstiger Wetterbedingungen. Kräftiger Wind hat die Luftschichten durchmischt und den Feinstaub verteilt. Mancherorts hat auch Regen die Luft wieder sauber gewaschen. Daher geht Zarko Peranic nicht davon aus, dass der erlaubte Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter schon am ersten Tag 2018 überschritten wurde.

Zwischen 100 und 200 Millionen Euro lassen sich die Deutschen die Böller zum Jahreswechsel kosten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden fast 5000 Tonnen Feinstaub an Silvester durch Feuerwerkskörper freigesetzt. Das entspricht etwa 17 Prozent der Feinstaubmenge, die jährlich durch den Straßenverkehr entsteht.

 

Das gibt es Neues:

Kurz vor Weihnachten hat unsere Redaktion ihr Feinstaubmessnetz um drei neue Geräte erweitert. In Biberach wird nun an der Durchfahrtstraße gemessen, in Klingenberg am Ortsrand im Neubaugebiet und in Frankenbach am Ortsausgang an der Leintalstraße. Fragen, Anregungen und Kritik zum Projekt nehmen wir gerne per Mail an feinstaub@stimme.de entgegen.

 

Auch interessant: So verlief die Silvesternacht aus Sicht der Polizei

Auch interessant: Wie Tiere den Jahreswechsel erleben