Mit Drohne und Quads im Notfall besser helfen

Region  Mit der Investition in zwei Quads und in eine große Drohne mit spezieller Wärmebildkamera geht die Hilfsorganisation ASB bei größeren Einsätzen wie Vermisstensuche, Großbrände und Massenunfälle neue Wege.

Von Carsten Friese
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Mit Drohne und Quads im Notfall besser helfen
Übertragene Daten zeigen auf Displays Ergebnisse der Kamera mit Wärmezonen an. So können Menschen geortet werden. Fotos: Christiana Kunz

Für den ASB Heilbronn-Franken ist es ein Aufbruch in ein neues Zeitalter. Mit zwei Quads und einer großen Drohne mit spezieller Wärmebildkamera schlägt die Hilfsorganisation ein neues Kapitel für größere Einsätze auf.

Die Quads und die Drohne sollen zum Beispiel bei der Suche von Vermissten in unwegsamen Gelände eine wichtige neue Hilfe sein, aber nicht nur dort. Auch bei Großbränden, Industrieunfällen oder großflächigen Verkehrsunfällen sollen die Bilder aus der Luft wichtige Hinweise für den Einsatz vor Ort liefern.

Verbesserter Bevölkerungsschutz 

Als "qualitative Verbesserung des Bevölkerungsschutzes" stuft ASB-Regionsvorsitzender Harald Friese die Neuanschaffung für den ASB ein. Man komme historisch gesehen aus dem Rettungsdienst, der Bereich habe sich erweitert. Er sieht den Kauf der neuen Technik auch als Anpassung an veränderte Anforderungen in der heutigen Zeit. Seit rund einem halben Jahr sind die acht Mitarbeiter für die Drohne und zehn auf den Quads geschult worden, um sich genau mit der Technik vertraut zu machen. Ab September wolle man grünes Licht für reale Einsätze geben, blickt Jochen Hähnle, Leiter der 50-köpfigen Schnelleinsatzgruppe Bevölkerungsschutz, voraus.

Mit Drohne und Quads im Notfall besser helfen
Eine Wärmebildkamera für die Menschensuche ist in der Drohne integriert. Bisher hatten Polizeihubschrauber diese Technik.

Nächtlichen Testsuche lief erfolgreich

Bei der Suche von Vermissten kann die Drohne gute Dienste leisten. Die Wärmebildkamera kann auf bestimmte Temperaturbereiche eingestellt werden, die menschliche Körpertemperaturen abbilden. So kann sie zum Beispiel bei einer nächtlichen Suche nur auf Temperaturen zwischen 20 und 35 Grad fixiert sein und nur dort gelbe Alarmsignale anzeigen.

Bei einer Testsuche hatte sich Drohnengruppenmitglied Alexander Nied nachts auf einer Wiese mit hochstehendem Gras unter einem Baum versteckt. Nach rund 20 Minuten haben die Kollegen ihn mit Drohnenhilfe gefunden. "Zu Fuß hätten wir ihn mit dem bloßen Auge da nicht gesehen", verdeutlicht Gruppenkollege Julian Fritz.

An Flussufern kann die Drohne gute Dienste leisten, aber auch über ein Maisfeld ist man viel schneller mit klarem Ergebnis geflogen als es mit viel Personal zu durchkämmen. Eine zweite Kamera mit starkem Zoom ist an dem fünf Kilo wiegenden Flugobjekt installiert, die detaillierte Nahaufnahmen von Einsatzorten liefern kann.

Ein Akku reicht für rund 20 bis 25 Minuten Flug aus. Bei Vermisstensuchen haben die Helfer deshalb viele Akkus dabei. Als ASB-Mitarbeiter die Drohne zum Fototermin in den Feldern nahe der ASB-Rettungswache Böllinger Straße starten, wird klar, welche Kraft das Objekt hat. Von vier Propellern angetrieben, sorgt es für kräftige wogende Bewegungen der Grashalme einer Wiese - wie man es von Hubschraubern kennt.

Bewegliche, wendige Quads sind im Gelände klar im Vorteil

Mit Drohne und Quads im Notfall besser helfen

Zwei der geschulten ASB-Quadfahrer auf den 58 PS starken Maschinen: Jürgen Bleickert und Meike Hohly. Vor allem bei der Vermisstensuche sollen die neuen Gefährte klare Vorteile bringen.

Die Quads wiederum sollen die Vermisstensuche am Boden beschleunigen, gerade in schwierigem Gelände. Ein Rettungswagen ist drei Meter hoch, unter Bäumen, auf Wiesen oder bei kleinen Unterführungen war oft Schluss. Die Quads mit dem Allradantrieb aber "sind klein, beweglich, sehr wendig - da kann man schon richtig im Gelände auch im Schlamm wühlen", gibt Einsatzfahrer Jürgen Bleickert seine ersten Erfahrungen wieder. Die Maschinen seien leicht und "gehen richtig ab". Und auch bei Staus kämen die kleinen Quads besser durch.

Der ASB will die neue Technik nicht nur für sich nutzen. Mit Feuerwehr und Polizei soll es Gespräche geben, um "eine Zusammenarbeit abzuklären", blickt Alexander Nied auf denkbare Hilfseinsätze voraus.

Kosten der Anschaffungen

35.000 Euro hat der ASB in die Drohne samt Wärmebild- und Zoomkamera investiert, 15.000 Euro kosteten die Quads. Damit ist der ASB in Stadt- und Landkreis Heilbronn die erste private Hilfsorganisation mit der Technik. Die Quads können 100 Km/h fahren, die Drohne bis 80 Km/h fliegen.

Man mache dies aus Überzeugung, um besser helfen zu können, erklärt Schnelleinsatzgruppenleiter Jochen Hähnle. Eine Vergütung der Einsätze gibt es nicht. Über Sanitätsdienste oder Erste-Hilfe-Ausbildung erwirtschaftet der ASB Geld, das wieder in andere Bereiche investiert wird.

 
 

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