Mieter lassen verwüstetes Haus zurück

Leingarten  Erst der Streit um die Mietzahlungen, dann die demolierte Wohnung: Nach der zweiten negativen Erfahrung mit Mietern will ein Ehepaar aus Leingarten das Haus nicht mehr vermieten. Im Innern bietet sich ein Bild mutwilliger Zerstörung, laut Gutachter ist das Ausmaß "völlig außergewöhnlich".

Von Carsten Friese

Vermieter verkaufen entnervt Immobilie

Nur noch Fliesen-Bruchstücke: der Anblick im Flur des Obergeschosses.

Sie wollten das von außen schmucke Wohnhaus mit den hölzernen Klappläden im Ortskern von Leingarten eigentlich für die Enkel aufheben. Jetzt, nach einer großen Enttäuschung mit den letzten Mietern, werfen Susanne und Holger Freyer den Bettel hin.

Nachdem ein Ehepaar mit zwei Kindern eingezogen sei, weniger Miete als vereinbart gezahlt und am Ende die Wohnung verwüstet habe, sind sie nicht nur menschlich tief enttäuscht. Tränen hätten ihnen in den Augen gestanden, als sie nach einer Räumungsklage und einem plötzlichen Auszug der Mieter das Haus betraten. Für sie steht fest: Sie wollen so einen Ärger nicht mehr erleben. Das Haus wird verkauft.

Schäden vom Keller bis ins Obergeschoss 

Es ist ein Fall, der die Vielschichtigkeit der aktuellen Wohnungsnot verdeutlicht. Das Ehepaar führt durch das Gebäude, in dem nicht nur dreckverschmierte Fliesen und ein vollgemüllter Keller mit alten BMW-Radfelgen, eine Art Hamsterkäfig, zerfetzte Stoffreste, Flaschen und Kabelreste auffallen.

Vermieter verkaufen entnervt Immobilie

So sah eine Wohnzimmerscheibe aus, kurz nachdem die letzten Mieter in dem Haus in Leingarten nach Androhung einer Räumungsklage ausgezogen waren. Die Vermieter schreiben die Zerstörung den Mietern zu. Ihr Anwalt weist das zurück.

Fotos: Friese

Im Wohnzimmer ist eine Fensterscheibe in viele lange Linien gesplittert - Gewalt wie durch einen Steinwurf muss hier gewirkt haben. Im Kinderzimmer ist eine Schranktür zersplittert, in der Küche liegen herausgerissene Teile der Einbauschränke kreuz und quer. Im Obergeschoss ist von Fliesenplatten nur noch ein Scherbenhaufen übrig. Holger Freyer zeigt eine Tür, die im Haus versetzt und offenbar abgesägt worden ist, damit sie passt. An einer anderen Tür ist unfachmännisch ein Holzklotz mit einem Riegelschloss aufgeschraubt worden. Ein Fensterladen stand zersplittert im Heizraum "In meinen Augen ist das Hass", sagt Holger Freyer zu den Zerstörungen.

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Hausbesitzer spricht von bis zu 15.000 Euro Schaden

Auf 10.000 bis 15.000 Euro taxiert er den Schaden - ohne die Kosten für die zusätzliche Müllentsorgung. Sie haben Strafanzeige erstattet, wegen Sachbeschädigung und Betrug. Der Vorgang liegt jetzt bei Anwälten.

Vermieter verkaufen entnervt Immobilie

Blick in die Küche, wie Mieter sie nach Angaben der Hausbesitzer hinterließen. Einbauteile waren herausgerissen. In Keller und Hof stapelte sich zudem viel Müll.

Eigentlich wollte das Ehepaar die Wohnung vor einem neuen Mietvertrag erst renovieren, erzählen die beiden - doch die Interessenten mit den schulpflichtigen Kindern hätten darauf gedrängt, sofort einziehen zu dürfen. Die Renovierung wollte die Familie selbst übernehmen, dafür keine Kaution zahlen. Susanne Freyer zeigt den Mietvertrag mit dieser Vereinbarung. 950 Euro beträgt die Miete, steht im Vertrag. Die Familie habe aber nur 800 Euro gezahlt.

Später erfuhren die Freyers, dass der Ehemann die ganzen Monate nicht bei der Gemeinde gemeldet gewesen sei. Susanne Freyer äußert einen Verdacht. Sie zeigt ein zweites Papier mit nur einer Unterschrift in der Rubrik Mieter, das sie in der Wohnung entdeckt habe. Darin steht die Zahl 800 Euro. Diesen Vertrag habe die Frau womöglich beim Jobcenter vorgelegt, um Mietunterstützung zu erhalten und die Mietobergrenze nicht zu überschreiten. Falls die Behörde so einen Vertrag ohne Unterschrift des Vermieters akzeptierte, versteht sie die Welt nicht mehr.

Inzwischen haben die Freyers die größten Schäden behoben und eine Immobilienfirma mit dem Hausverkauf beauftragt. "Es ist traurig, dass es so weit kommt", sagt Holger Freyer. Die Entscheidung stehe nach einer zweiten negativen Erfahrung mit Mietern aber fest.

Anwalt der Vermieter weist Vorwürfe zurück

Klaus Schmidt, Anwalt der Mieter, weist auf Anfrage die Vorwürfe zurück. Nach Angaben seiner Mandanten hätten diese keine Schäden hinterlassen. Er führt von den Freyers beauftragte Handwerker als mögliche Verursacher an. Und spricht von Spannungen, weil immer wieder Handwerker in die Wohnung kamen. Die Mietminderung hätten seine Mandanten vorgenommen, weil die Vermieter die Heizung abgedreht hätten, erklärt Schmidt.

"Wir haben keine Heizung abgedreht", versichert Susanne Freyer. Und die Aussage, dass Handwerker für die Schäden verantwortlich sein sollen, nennt sie "unverschämt". Den Original-Mietvertrag hat sie dem zuständigen Jobcenter zum Vergleich inzwischen zugeschickt.

Rat des Fachanwalts

Haus & Grund-Anwalt Ludwig Zürn verdeutlicht auf Anfrage, dass er im Auftrag der Freyers Schadenersatz einklagen werde. Ein Gutachter ermittele die Schadenshöhe. Zürn nennt den Fall durch die zerstörerische Komponente "völlig außergewöhnlich". Allgemein rät er, bei Mietrückständen eine Abmahnung auszusprechen, wenn nötig zu wiederholen und dann zu kündigen. Bei zwei fehlenden Mieten könne dies fristlos erfolgen, wenn man 14 Tage Zahlungsfrist setze. Ein Versäumnis sieht er in dem Fall: Eine Absprache über Renovierungsarbeiten von Mietern sollte man im Detail schriftlich fixieren.

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