Mehr als 500 Einsätze wegen des Unwetters

Heilbronn/Region  Das Unwetter am Samstagabend in Heilbronn bringt die Einsatzkräfte der Feuerwehren an ihre Belastungsgrenze. 450 Kräfte sind im Einsatz, manche seit mehr als 24 Stunden. „Sie sind fertig“, sagt Kommandant Eberhard Jochim.

Von Heike Kinkopf und dpa

Mehr als 500 Einsätze zählt die Polizei nach derzeitigem Stand am Sonntagmorgen. Insbesondere die Feuerwehr waren stark gefordert. Das Unwetter am Samstagabend ab etwa 19.30 Uhr ließ den Rettungskräften keine Verschnaufpause. Es goss wie aus Kübeln, es blitzte und donnerte. 

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Feuerwehr-Kommandant Eberhard Jochim: „Zusammenspiel der Feuerwehren ist genial“

Obwohl der Starkregen längst vorbei ist, laufen die Einsätze der Feuerwehren immer noch. „Manche Bürger bemerken jetzt erst, dass ihr Keller voll gelaufen ist“, sagt Heilbronns Feuerwehrkommandant Eberhard Jochim. Mehr als 500 Alarmierungen haben die Einsatzkräfte bis Sonntagmorgen in Heilbronn absolviert. Dazu kommen Jochim zufolge 60 im Landkreis. 

Die Berufsfeuerwehr Heilbronn, alle Abteilungen der Freiwilligen in der gesamten Stadt und Wehren aus neun Landkreiskommunen sowie Helfer des Technischen Hilfswerks THW arbeiten seit Samstagabend Hand in Hand. „Als Stadt allein hätten wir das gar nicht schaffen können“, sagt Eberhard Jochim am Sonntagvormittag. „Tausend Dank an alle Helfer. Das Zusammenspiel der Feuerwehren ist genial.“

OB Mergel im Lagezentrum

"Großen Respekt" zollte auch Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel den Einsatzkräften. Mergel befand sich bis spät in die Nacht im Lagezentrum. "Ich bin froh und erleichtert, dass alles relativ glimpflich abging und insbesondere keine Personen verletzt wurden, soweit mir bislang bekannt", sagte er am Sonntagmittag. Das sei auch "der hervorragenden Arbeit von Feuerwehr, THW und Polizei zu danken". Am Montag werden ihm zufolge die städtischen Mitarbeiter des Betriebs- und des Grünflächenamts nicht routinemäßig unterwegs sein, sondern insbesondere Schäden beseitigen, Gullideckel kontrollieren und weitere Aufräumarbeiten erledigen. 

 

 

Rund 450 Einsatzkräfte pumpen seit gestern Keller aus, vor allem in Sontheim und Horkheim. Wegen des Unwetters hatten Brandmeldeanlagen ausgelöst, wie der Kreisfeuerwehrverband Heilbronn mitteilte. Die Rettungskräfte seien auch zu mehreren Türöffnungen gerufen worden. Ein zunächst gemeldeter Blitzeinschlag in einen Kirchturm in Sontheim stellte sich als Fehlalarm heraus.

 

Eigentlich feiert die Heilbronner Wehr seit Samstag einen Tag der offenen Tür. Deshalb sind manche Feuerwehrleute auch schon mehr als 24 Stunden auf den Beinen. „Die aus der Stadt sind fertig.“ Jetzt kommen weitere Kollegen aus Landkreiskommunen zur Unterstützung. Der Tag der offenen Tür soll am heutigen Sonntag trotzdem wie geplant stattfinden - mit einem abgeänderten Programm

Das Unwetter am Abend bezeichnet Eberhard Jochim als Novum. „Ein Unwetter in der Art haben wir in Heilbronn so noch nicht erlebt.“ Und trotz aller Strapazen klingt Freude in seiner Stimme mit über die „hervorragende Arbeit“ aller Einsatzkräfte in der Situation.

Aquaplaning-Unfälle auf A81

Der Polizei zufolge gab es zwei Unfälle auf der Autobahn 81. So habe es im Bereich Osterburken und Möckmühl sowie Boxberg wegen Aquaplanings gekracht. Es blieb beim Sachschaden.

Zwei Mal innerhalb von 48 Stunden getroffen

Zum zweiten Mal innerhalb von 48 Stunden wurde der Bretzfelder Teilort Weißlensburg Schauplatz wüster Schlamm- und Matschorgien. Nachdem erst am Freitag der Bauhof die Spuren des ersten Unwetters beseitigt hatte, spülte der Starkregen in der Nacht auf Sonntag wieder Unmengen von Matsch und Schlamm in den Ort. Auch im benachbarten Langenbrettach hatten Bauhof und Privatleute viel zu tun: Keller und Garagen liefen voll, Schlamm und Matsch mussten von der Landesstraße geschoben werden.

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Ab Mittwoch Wetterberuhigung

Nach den teils schweren Unwettern in den vergangenen Tagen in Baden-Württemberg ist in der neuen Woche eine Wetterberuhigung in Sicht. „Ab Mittwoch lassen wir die Gewitter erst einmal hinter uns“, sagte Sarah Jäger, Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD), am Sonntag. Dann werde es zwar etwas kühler, aber auch freundlicher. Zunächst drohen dem Südwesten zu Wochenbeginn aber neue Unwetter mit Gewittern und Starkregen.

Am Montag nimmt die Bewölkung zu. Laut DWD-Prognose bilden sich dann im Tagesverlauf in ganz Baden-Württemberg erneut Schauer und Gewitter. „Die werden auch wieder häufiger auftreten als zuletzt“, sagte Jäger. In der Nacht zum Dienstag gehen die Gewitterschauer dann in anhaltende Regenfälle über. Dann sei lokal auch wieder mit Starkregen zu rechnen, hieß es beim DWD.

Dazu bleibt es zunächst noch warm. Die Temperaturen erreichen am Montag 22 Grad im Bergland und bis zu 28 Grad im Kraichgau. Am Dienstag sinken die Temperaturen etwas. Höchstwerte von bis zu 24 Grad erreicht das Thermometer dann am Oberrhein. Erst ab Mittwoch soll es kühler werden.