Mehr Sicherheit beim Waldwegebau gefordert

Region  In Feldwegen in Zaberfeld und Beilstein wurde Bauschutt verbaut, der mit gefährlichen Schadstoffen belastet ist. Das fiel Umweltschützern im vergangenen Jahr auf. Nun hat der Fall das baden-württembergische Umweltministerium erreicht.

Von Reto Bosch
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Schadstoffbelateter Bauschutt in Feldwegen von Zaberfeld
Umweltschützer hatten im vergangenen Jahr in neuen Feldwegen in Zaberfeld verunreinigten Bauschutt gefunden. Foto: Archiv/privat

Das belastete Recyclingmaterial, das in Waldwege in Zaberfeld und Beilstein eingebaut worden ist, hat den Stuttgarter Landtag erreicht. Der SPD Abgeordnete Reinhold Gall aus Obersulm spricht von „einem Problem, das viele Regionen in Baden-Württemberg betrifft“. Er fordert das Umweltministerium auf, die bisherige Praxis sicherer zu machen. Post in dieser Sache hat Minister Franz Untersteller auch von den Grünen-Abgeordneten Markus Rösler und Daniel Renkonen bekommen.

Vom Landratsamt veranlasste Kontrolluntersuchungen hatten den Verdacht von BUND-Mitgliedern bestätigt: Die neu gebauten Waldwege in Zaberfeld und in Beilstein enthielten gefährliche Schadstoffe wie Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Polychlorierte Biphenyle (PCB). Und das, obwohl die Baufirmen die notwendigen Zertifikate vorgelegt hatten. Das Material wurde im Herbst 2018 zwar wieder ausgebaut. Offen ist aber die Frage, ob es eine hohe Dunkelziffer an verunreinigten Waldwegen gibt. In Zaberfeld und Beilstein wurden die Grenzwerte zum Teil erheblich überschritten.

Beim Umweltministerium gab es noch mehr Beanstandungen 

Reinhold Gall, Forstpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, konfrontierte das Umweltministerium Ende Februar mit einer Anfrage, die die Behörde jetzt beantwortet hat. Demnach haben allein die Regierungspräsidien in den vergangenen fünf Jahren rund 40 Meldungen über beanstandetes Wegebaumaterial erhalten. Das Ministerium erklärt, dass auch künftig nicht erfasst werden solle, wo im Staatswald Recyclingmaterial verwendet wird. Das Umweltministerium werde in Dienstbesprechungen mit den Regierungspräsidien und Landkreisen verstärkt auf die fachlichen und rechtlichen Erfordernisse beim Waldwegebau hinweisen. Dazu gehört zum Beispiel, dass nur zertifiziertes Material verwendet werden darf.

„Deutlich wird, dass das Umweltministerium keinerlei Überblick hat, wo Recyclingmaterial im Staatswald eingebaut wird“, kritisiert Gall. Für kommunalen und privaten Wald gebe es überhaupt keine Erkenntnisse über den Umgang mit Verstößen, obwohl diese dort noch wahrscheinlicher sein müssten. „Fraglich ist deshalb, ob die vorgeschriebene Qualitätsüberprüfungen ausreichend sind.“

In der Region könnte noch mehr belastetes Material eingebaut worden sein

Die SPD-Fraktion formuliert eine Reihe von Forderungen. Eingehende Meldungen müssten zentral erfasst werden. Nötig sei zudem, Verstöße strenger zu ahnden, die bisherige Regelung schrecke offenbar niemanden ab. Zudem seien grundsätzlich Rückstellproben von Recyclingmaterial zu nehmen. Und: Die SPD fordert ein umfassenderes Qualitätssicherungssystem für Recyclingfirmen.

Die Grünen-Abgeordneten Dr. Markus Rösler und Daniel Renkonen haben ihrem Parteifreund und Minister Untersteller Mitte März einen Brief geschrieben. Darin weisen sie darauf hin, dass in den Wäldern von Beilstein, Ilsfeld und Zaberfeld weiteres belastetes Material eingebaut sein könnte. So seien etwa am „Fohlenberg“ auf Gemarkung Beilstein Abbruchmaterial, Elektrokabel, Bad-Armaturen und Küchenhölzer gefunden worden. Das Ministerium solle diesen Hinweisen nachgehen. Renkonen und Rösler wollen außerdem wissen, „wie die Landesregierung sicherstellen kann, dass das Qualitätssicherungssystem wieder erfolgreich arbeitet“.

 


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