Lust auf Chefin

Heilbronn  Es gibt viele Frauen in der Region, die in führenden Positionen tätig sind. Nur wirklich sichtbar und wahrgenommen werden sie nicht. Eine regionale Initiative will Frauen in Führungspositionen jetzt besser vernetzen.

Von Bärbel Kistner

Lust auf Chefin

Initiatorinnen des neuen Netzwerks: (v.l.) Nadine König, Simone Rieß, Silvia Payer, Kerstin Skrobanek, Maren Haag, Yvonne Zajontz, Sandra Büchele. Foto: Mario Berger

 

Es gibt viele Frauen in der Region, die in führenden Positionen tätig sind. Nur wirklich sichtbar und wahrgenommen werden sie nicht, sagt Sandra Büchele, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Heilbronner Agentur für Arbeit. Büchele und fünf weitere Frauen der Dualen Hochschule und der Hochschule Heilbronn, der Kontaktstelle Frau und Beruf, dem Netzwerk Fortbildung und der Stadt Heilbronn wollen das in der Zukunft ändern. Die sechs haben ein Führungsfrauen-Netzwerk für den Raum Heilbronn gegründet.

"Wir wollen Lust auf Führung machen", erklärt Büchele. "Und auch Macht ganz gezielt nutzen, um weitere Führungsfrauen zu fördern." Weibliche Macht sei positiv und wirksam. Die Position als Chefin "macht Spaß und ist nicht nur Qual oder Mühsal". Auch diesen Ansatz will das Netzwerk vermitteln und gezielt den weiblichen Nachwuchs in Betrieben und Institutionen motivieren, sich für Führungsaufgaben zu interessieren, betont Büchele.

Finanzieller Aspekt

Eine weitere Botschaft, warum es sich lohne, in leitenden Positionen zu arbeiten, sei der finanzielle Aspekt. Mehr Geld zu verdienen bedeute, sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie leisten zu können. Zudem könne eine Führungsfrau mit Kindern ihre Position nutzen, um sich bei ihrem Arbeitgeber entsprechende Arbeitszeitmodelle zu erschließen.

Erstmals getroffen haben sich die Initiatorinnen bereits vor einem Jahr − damals überrascht vom großen Zuspruch, den die Auftaktveranstaltung hatte. Jetzt gab es den ersten öffentlichen Abend mit einem Führungsfrauen-Talk in der Kunsthalle Vogelmann, die mit der soeben eröffneten Ausstellung "Halb Frau, halb Künstlerin" den passenden Rahmen bot.

Eigener Führungsstil

Um die Rolle von Vorbildern auf dem Weg in Führungspositionen ging es unter anderem in der von Susan Barth moderierten Gesprächsrunde. Barbara Brakenhoff, Architektin bei der Buga, hat sich stets ganz gezielt Mentorinnen als wichtige Begleiterinnen gesucht.

Sie habe viel Glück gehabt, sagt Sabine Schober von Schwarz IT, und sei oft auf Männer getroffen, die ihr Türen öffneten: "Ich habe keine Sekunde gezögert durchzugehen." Im Kontakt mit schlechten Führungskräften sei Schober klar geworden, wie sie auf keinen Fall werden will. In ihrem Führungsstil, "mit dem sich Männer schwer tun", setze sie unter anderem darauf, Kompetenzen abzugeben und Mitarbeitern etwas zuzutrauen.

Mutig und neugierig zu sein ist der Rat von Kristina Schnüll (Caritas Heilbronn-Hohenlohe) an künftige Führungsfrauen. "Traut euch", ergänzt Schober, "und lasst euch nicht beirren, dass ihr besonders hübsch sein müsst". Gemäß dem Motto des Abends ist das ohnehin nicht nötig: "Macht macht schön."

Führungsfrauen-Netzwerk

Infos bei der Kontaktstelle Frauen und Beruf unter der E-Mail-Adresse frauundberuf@heilbronn-Franken.com.