Letzter Castor-Transport erreicht Neckarwestheim

Obrigheim/Neckarwestheim  Der fünfte und vorerst letzte Atommülltranport auf dem Neckar ist im Zwischenlager in Neckarwestheim angekommen. Die EnBW spricht von einem Erfolg - die Gegner von unnötigen Risiken.

Von unserer Redaktion und dpa

Sechs Monate nach dem bundesweit ersten Atommülltransport per Schiff sind am Dienstag die letzten drei Castoren im Zwischenlager Neckarwestheim angekommen. Damit sind, wie vom Energiekonzern EnBW geplant, insgesamt 342 ausgediente Brennelemente vom stillgelegten Meiler in Obrigheim auf dem Neckar nach Neckarwestheim gebracht worden. Die Verlagerung der verbrauchten Brennstäbe sei nun erfolgreich und sicher abgeschlossen, teilte die EnBW weiter mit.

Es sei der reibungsloseste der insgesamt fünf Transporte hoch radioaktiven Mülls auf dem Neckar gewesen, sagte ein Polizeisprecher in einer ersten Bilanz. Man habe die Lage jederzeit unter Kontrolle gehabt. Bei dem Großeinsatz waren Bereitschafts-, Bundes- und Wasserschutzpolizei vor Ort. Auch ein Hubschrauber stieg auf, um das Spezialschiff auf seiner etwa 50 Kilometer langen Flussfahrt aus der Luft zu beobachten. „Jeder Transport ist von uns mit Akribie und hoher Verantwortung begleitet worden“, sagte der Sprecher.

Rückbau in Obrigheim

Für die EnBW sind die Transporte eine „wichtige Weichenstellung für den Standort Obrigheim“, wie der Konzern mitteilte. Der Rückbau des stillgelegten Meilers könne nun zügig vorangetrieben werden. Im Zwischenlager Neckarwestheim mit 151 Castor-Stellplätzen stehen nun 15 Behälter mit Brennelementen aus Obrigheim. 125 Stellplätze werden für die Lagerung von Brennstäben der beiden Neckarwestheimer Kraftwerksblöcke benötigt. Eine Erweiterung des Zwischenlagers wegen des Obrigheimer Atommülls war damit nicht nötig.

Atomkraftgegner sprechen von unnötigen Risiken

Atomkraftgegner hatten zwei Mahnwachen in Lauffen am Neckar sowie in Neckarwestheim abgehalten. Der Transport habe nichts gebracht außer Risiken, kritisierten Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood. Die Anti-Atominiative „Ausgestrahlt“ nannte die Transporte insgesamt unverantwortlich. „Statt in Obrigheim lagert der Atommüll nun 50 Kilometer flussaufwärts in Neckarwestheim“, kritisierte sie. „Er ist damit nicht entsorgt, sondern das Problem wurde nur auf riskante Weise von A nach B verschoben.“

 

 

 

Das Spezialschiff war am späten Montagabend im Hafen des stillgelegten Meilers Obrigheim mit den Behältern beladen worden und hatte kurz nach 23 Uhr abgelegt. Gegen 6 Uhr passierte das Schiff mit dem hochradioaktiven Müll Heilbronn. Gegen 9.45 Uhr kam es am Zwischenlager an. Vorangegangenen waren bereits vier Transporte mit ebenfalls jeweils drei Castoren. Der bundesweit erste Transport hoch radioaktiven Atommülls per Schiff war Ende Juni durchgeführt worden. Damals hatten sich Aktivisten von Brücken abgeseilt und das Schiff etwa eine Stunde lang blockiert.

Bisherige Transporte