Lauffener Randalierer soll Tat angekündigt haben

Lauffen  Am Montag zertrümmerte ein 21-jähriger Gambier am Bahnhof in Lauffen mehr als 20 Autos. Flüchtlinge der Lauffener Asylunterkunft hatten schon am Sonntag die Polizei gerufen, als der Mann seine Tat angekündigt haben soll.

Der 21-jährige Gambier, der am Montag mehr als 20 Autos am Bahnhof in Lauffen zertrümmert hat, soll der Polizei bereits einen Tag zuvor seine Tat angekündigt haben. Das schildern mehrere Flüchtlinge übereinstimmend, die am Sonntag die Polizei um Unterstützung in ihrer Unterkunft baten.

Polizeisprecher Frank Belz bestätigt auf Anfrage von Stimme.de, dass es bereits am Sonntag gegen 13 Uhr einen Einsatz in der Flüchtlingsunterkunft hinter dem Rewe Lebensmittelmarkt gegeben hat. Drei Streifen seien dort gewesen. Es treffe zu, dass der Mann Drohungen ausgesprochen habe, sagt Belz. Einem Mitbewohner habe er gesagt, er werde ihn umbringen. Dass der 21-Jährige auch Polizisten gegenüber angekündigt hatte, Autos zerstören zu wollen, kann Belz nicht bestätigen.

Die Polizei sah zunächst keine Gefahr mehr für die Sicherheit

Polizisten haben in solchen Situationen grundsätzlich einen Ermessensspielraum und können jemand auch kurzfristig in Gewahrsam nehmen und bis zu 48 Stunden lang einweisen lassen. Die Störung für die öffentliche Sicherheit sahen die Polizisten vor Ort laut Belz nach ihrem Einsatz zunächst als beseitigt an. Es sei aber klar gewesen, dass in den nächsten Tagen gehandelt werden sollte – weshalb auch die Stadtverwaltung und das Landratsamt über den Vorfall informiert wurden.

Der junge Mann hatte offenbar bereits am Sonntag begonnen, in der Asyl-Unterkunft zu randalieren. Er soll Kabel zerschnitten, Telefone und Fahrräder zerstört haben. Mit einem Schraubenzieher stach er laut der Schilderungen in die Fahrradreifen. Die Polizei bestätigt die Zerstörung von Fahrrädern ebenfalls.

Flüchtlinge riefen bereits am Sonntag die Polizei

Flüchtlinge vor Ort berichten, sie hatten überlegt, die Auseinandersetzung mit dem Mann zu suchen. „Aber das wäre dann zu unserem Problem geworden“, sagt einer von ihnen. „Besser wäre es gewesen, wenn die Polizei ihn mitgenommen hätte.“ Es sei offensichtlich gewesen, dass der Mann psychische Probleme habe.

Nach Angaben des Landratsamts ist der Mann bislang nicht auffällig gewesen. Lauffens Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger sagt, er verstehe den Frust der Autofahrer. Die Behörden hätten aber nicht falsch gehandelt. „Mit dem Ermessen ist es nicht einfach“, sagt er, „vor allem in der Nachbetrachtung.“ Waldenberger sagt, der Mann habe – am Montagvormittag in Anwesenheit eines Vertreters des Ordnungsamts – von einem „Plan“ gesprochen. Darauf habe man reagiert und eine ärztliche Untersuchung in die Wege geleitet.

Ausgerechnet in diesem Zeitraum sei er zur Randale losgezogen. Später wurde er in der Unterkunft festgenommen. Seit Montagnachmittag ist der 21-Jährige in einer Klinik untergebracht und die Frage, wie es weitergeht, ist offen. Falls ein Aufenthalt in einer geschlossenen Station keine Option sein sollte, könnte eine Untersuchungshaft infrage kommen – da Wiederholungsgefahr bestehen könnte. Hierüber wird dann ein Amtsrichter entscheiden.

Die Flüchtlinge sollten sich bei neuen Problemen bei der Polizei melden

Die Flüchtlinge in der Unterkunft berichteten am Montagabend übereinstimmend, der 21-Jährige habe am Sonntag vor den Polizisten geschrien, er werde damit weitermachen und morgen - also Montag - werde er Autos zerstören. Die Polizisten seien dann gegangen, als sich die Situation beruhigt hatte – mit dem Hinweis an die anderen Flüchtlinge, sie sollten sich melden, wenn es wieder Probleme gebe.

Am Montagmorgen waren nach Angaben der Polizei Vertreter der Lauffener Stadtverwaltung und auch des Landratsamts in der Flüchtlingsunterkunft vor Ort. Thema sei auch gewesen, ob der Gambier in eine andere Asylunterkunft verlegt werden soll. Nach Schilderungen von Flüchtlingen soll er auch am Montag wieder Fahrradreifen zerstochen haben – noch bevor er zu seinem randalierenden Streifzug gegenüber den Autos losgezogen war.

Immer mehr zurückgezogen

Nach Angaben des Lauffener Asylkreises lebte der mutmaßliche Randalierer seit drei Jahren in der Unterkunft in Lauffen. Mitbewohner beschreiben ihn als anfänglich positiven Menschen, der sich allerdings seit einem Jahr immer mehr zurückgezogen und nicht einmal mehr gegrüßt habe.

Sein Mentor vom Asylkreis, der namentlich ungenannt bleiben möchte, kann sich das Verhalten des Mannes nicht erklären und verurteilt das auch. Er könne lediglich dazu sagen, dass der Gambier aus seiner Sicht traumatisiert sei. Er sei Waise und damals vor seinem Onkel geflohen, nachdem der Sohn des Onkels verstorben sei – für dessen Tod habe der Onkel ihn verantwortlich gemacht. Der Mentor ist der Ansicht: „Manche Flüchtlinge wären besser in psychologischer Betreuung aufgehoben als in einer Flüchtlingsunterkunft.“
 
Der Asylkreis-Helfer sagt, es tue ihm sehr leid für alle. Sowohl für die betroffenen Autobesitzer als auch für die anderen Flüchtlinge, die jetzt von vielen mitverantwortlich gemacht würden. Auch Flüchtlinge bedauern das. „Das ist sehr, sehr unglücklich“, sagt ein weiterer von ihnen.


Ein ähnlicher Vorfall spielte sich in Donauwörth ab 

Vor sechs Wochen hatte es in Donauwörth in der Nähe von Augsburg ein ähnliches Szenario gegeben. Ein 19-jähriger Asylbewerber aus Nigeria schlug mit einem Baumstumpf gezielt auf Autoscheiben ein. Er kletterte dabei unter anderem auf Motorhauben und schlug immer wieder zu. Auch hier entstand nach Einschätzung der dortigen Polizei ein Sachschaden von mindestens 50.000 Euro.


Kommentar: Reaktionsgeschwindigkeit der Behörden wirft in diesem Fall einige Fragen auf

Der Zorn betroffener Autofahrer ist zu verstehen. Berufspendler kommen nach einem langen Tag am Bahnhof Lauffen an und das Auto ist zertrümmert. Wie komme ich heim? Kann ich am nächsten Tag zur Arbeit? Wo nehme ich das Geld für die Reparatur oder mindestens für die Selbstbeteiligung her? Den Schaden übernimmt wohl keine Versicherung komplett.

Und wer nun erfährt, dass der 21-jährige Gambier seinen Randale-Streifzug sogar angekündigt und niemand eingegriffen hat, der versteht die Welt nicht mehr. Die Polizei sah keinen sofortigen Handlungsbedarf. Fragezeichen im Kopf. Montag waren Vertreter von Stadt und Landratsamt in der Flüchtlingsunterkunft. Erneut kein sofortiger Handlungsbedarf. Unfassbar. Aber: Urteilen ist leicht. Wenn der Mann gleich eingewiesen worden wäre, hätte er vielleicht – wieder zurück in der Unterkunft – Tage später Autos zertrümmert.

Wie sich herausgestellt hat, verhielten sich Mitbewohner vernünftig und besonnen. Sie vermieden offenen Streit mit dem Mann, der ernste psychische Probleme hat, und warnten sogar vor ihm. Es wäre schade, wenn seine Zerstörungswut nun auf alle Flüchtlinge zurückfallen würde. Radikalisierung und Hass gibt es bereits genug. Schadensbegrenzung beginnt im konkreten Fall bei den betroffenen Autobesitzern. Polizei und die Stadt Lauffen sollten rasch überlegen, wie sie unbürokratisch helfen können.


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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