Lauffen profitiert wohl nicht vom Metropolexpress

Region  In Kirchheim und Lauffen bleibt es auch nach 2019 beim Halb-Stunden-Takt auf der Bahnlinie in Richtung Stuttgart und Heilbronn. Eine Verlängerung der S-Bahn-Linie S5 rückt in weite Ferne.

Von Alexander Hettich

Nicht jeder profitiert vom Metropolexpress

Das Stuttgarter S-Bahn-Netz wird auf absehbare Zeit nicht Richtung Heilbronn wachsen. Eine Verlängerung der Linie S 5 über Bietigheim hinaus nach Kirchheim am Neckar oder Lauffen hat keine Priorität. Das geht aus dem neuen Regionalverkehrsplan des Verbands Region Stuttgart hervor.

Das Land setzt auf den Metropolexpress. Er bringt von 2019 an mehr Züge zwischen Heilbronn und Stuttgart, in Lauffen und Kirchheim wird sich der Takt aber vorerst nicht verbessern.

Kirchheim wünscht sich dringen mehr Züge gegen den Verkehrskollaps

"Der Verkehr bricht täglich zusammen", sagt Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold. Autos verstopfen die Straßen der Gemeinde, die von vielen Bahnpendlern Richtung Stuttgart als Umsteigehalt genutzt wird. Das zeigen die vollen Park-and-Ride-Plätze. "Es geht nur über eine Verbesserung des Angebots auf der Schiene", ist Seibold überzeugt.

Eine Option, die Kirchheim seit Langem mit unterstützt, ist eine Anbindung ans Stuttgarter S-Bahn-Netz. Das brächte einen engeren Takt, bis zu vier Züge pro Stunde gegenüber aktuell zwei Regionalbahnen. Diese Variante rückt in weite Ferne.

Verlängerung nach Kirchheim und Lauffen kostet zu viel

Nicht jeder profitiert vom Metropolexpress
In Kirchheim wird die Linie S5 nach Stuttgart wohl noch lange nicht abfahren. Foto: Alexander Hettich  

Der neue Regionalverkehrsplan der Region Stuttgart enthält mehrere Varianten zur Verlängerung der S-Bahn-Linie 5, die bisher von der Stuttgarter Schwabstraße kommend in Bietigheim endet. Mögliche neue Endhaltestellen sind: Vaihingen an der Enz, Vaihingen-Enzweihingen, Kirchheim am Neckar und später eventuell Lauffen, falls die Zabergäubahn reaktiviert wird.

Die Option Nord mit Kirchheim und Lauffen hat laut Regionalplan gegenüber Vaihingen keine Priorität, wenn sie auch nicht für alle Zeiten verworfen wird. Mehr Kosten, weniger Nutzen, lautet das Fazit der Planer. Für Kirchheim scheint die S-Bahn erst einmal abgefahren. Zumal das Land und seine Partner andere Prioritäten setzen.

Neu sind zunächst einmal nur die Züge

Die Achse von Stuttgart über Bietigheim nach Heilbronn ist Bestandteil des sogenannten Metropolexpress-Konzepts (MEX), das deutliche Verbesserungen für Pendler bringen soll. Kernpunkt: Größere Städte wie Tübingen, Pforzheim, Schwäbisch Hall oder Heilbronn werden im Halbstundentakt an die Landeshauptstadt angebunden.

Nur: Für die Linie Heilbronn-Stuttgart ist das in der Regel schon jetzt der Fall. Hier schicken Ende 2019 die neuen Anbieter Abellio und Go Ahead ihre Züge auf die Reise. Die beiden hatten sich bei der Ausschreibung gegen die Deutsche Bahn durchgesetzt, beide gehen mit modernen Zügen inklusive WLAN und Klimaanlage an den Start.

Nahverkehrsgesellschaft will Lücken im Fahrplan schließen

Für den Zugtakt sind allerdings nicht sie zuständig, sondern die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), die im Auftrag des Landes Verkehrsleistungen bestellt. Sie kündigt im Rahmen des MEX-Konzepts weitere Verbesserungen auf der Frankenbahn an: Der Würzburger Regionalexpress-Eilzug, der zusätzlich zu den Regionalbahnen ohne Halt zwischen Heilbronn und Bietigheim unterwegs ist, soll künftig nicht mehr nur alle zwei Stunden, sondern stündlich verkehren.

Weitere Lücken im Fahrplan - auch abends - würden gefüllt, teilt die NVBW auf Nachfrage mit. "Die Strecke Stuttgart-Bietigheim-Heilbronn wird dann mit mindestens drei Zügen pro Stunde bedient." Die NVBW, die im Auftrag des Landes bei Bahnanbietern Leistungen bestellt, betont: Damit sei beim Takt "de facto der Standard einer S-Bahn-Strecke erreicht".

Mehr zum Thema: Lauffen könnte dem Stuttgarter Verkehrs- und Tarifverbund beitreten

Davon profitieren in der Region zunächst jene Fahrgäste, für die Heilbronn Start oder Ziel ist. In Lauffen und Kirchheim - und weiter südlich in Walheim und Besigheim, wo der Eilzug jeweils vorbeirauscht - bleibt es bei zwei Zügen pro Stunde.

Dort sind allenfalls abends oder an Wochenenden Verbesserungen zu erwarten. Ein Gewinner wiederum ist Nordheim. Bisher stündlich bedient, sollen die Regionalbahnen dort auch zweimal pro Stunde halten, wie die NVBW auf Nachfrage bestätigt. "Das wäre natürlich eine wesentliche Verbesserung", sagt Nordheims Bürgermeister Volker Schiek.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) macht sich für einen noch engeren Takt stark - in Form eines halbstündlichen Eilzugs, der wiederum an Lauffen und Kirchheim vorbeiführe. "Für uns haben schnelle Verbindungen von Heilbronn nach Stuttgart eindeutig Priorität ", sagt Michael Schwager vom VCD-Regionalverband.

 

Lauffen könnte sich dem VVS-Tarif anschließen

S-Bahn, Regionalbahn, Regionalexpress - die Zuggattung entscheidet über Takt und Geschwindigkeit. Eine ganze andere Frage ist die des Tarifs. In Kirchheim am Neckar liegt die Grenze zwischen Stuttgarter (VVS) und Heilbronner-Hohenloher-Haller (HNV) Verbund. Der VVS setzt im April die größte Reform seiner Geschichte um. Aus mehr als 52 Zonen werden fünf Ringe mit Stuttgart im Zentrum. Viele Fahrten werden günstiger, insbesondere für jene, die weite Strecken fahren. Dann werden vermutlich noch mehr Stuttgart-Pendler aus dem Süden der Region in Kirchheim parken und dort auf die Bahn umsteigen. Lauffen denkt darüber nach, sich ebenfalls dem VVS anzuschließen.