Landschaftspfleger, die das Herz berühren

Oberstenfeld  100 Stände rund ums Schaf: Das 19. Schafwollfestival in Gronau lockt am Wochenende trotz hochsommerlicher Temperaturen viele Zuschauer. Drei Monate altes Mufflon-Baby ist der heimliche Star.

Email

Mufflon-Baby Frieda-Lupinchen ist der heimliche Star des 19. Schafwollfestivals im Oberstenfelder Teilort Gronau. Kleine und große Besucher wollen es streicheln. Und wenn Waltraud Theiss ihm das Fläschchen gibt, zücken alle ihr Smartphone. "Mufflons sind die Urschafe aus der Natur", erklärt der Organisator der zweitägigen Veranstaltung, Franz Theiss.

Frieda-Lupinchen war jetzt sogar mit im Spanien-Urlaub, weil seine Mutter es nicht angenommen hat. Angefangen hat das Ehepaar Theiss mit der domestizierten Form der Mufflons, den Hausschafen. "Wir haben Grundstücke geerbt, die so steil waren, dass sie nur mit Schafen bewirtschaftet werden konnten", erzählt Franz Theiss. "Aus der Milch habe ich Frischkäse oder Quark hergestellt", sagt Waltraud Theiss. Viel Aufwand, vor allem, weil sie für die von ihnen gegründete "Wollaktion" viel unterwegs sind. "Deshalb haben wir auf Mufflons umgestellt." Sie haben keine Wolle.

Angefangen im Heilbronner Wollhaus

Das erste Schafwollfestival war noch im Heilbronner Wollhaus. Schon im Jahr darauf verlegte es Franz Theiss in seinen Heimatort Gronau. Aus anfangs sieben sind 100 Stände geworden. Kunsthandwerker und Schafhalter, aber auch ein paar Gewerbebetriebe präsentieren sich auf der Dorfwiese rechts und links der Bottwar.

Seit 16 Jahren dabei ist Andreas Mahr. Der gelernte Schriftsetzer aus dem Nordschwarzwald hat sich vor 30 Jahren die ersten Schafe angeschafft: "Fürs Herz." Die Rasse Coburger Fuchsschafe hat es ihm angetan. In Gronau verkauft er nicht nur Kleidungsstücke aus deren Wolle oder Felle. Er zeigt auch, wie man Schafe schert. "Es geht ums Tierwohl, ich schaue nicht auf die Uhr", erklärt der Autodidakt. "Wir müssen beide so gesund wie möglich aus der Sache rausgehen."

Zwölf Stunden spinnen für 100 Gramm Wolle

Carmen Ducke-Witwoski sitzt an ihrem Spinnrad, das sie in einer Manufaktur in der Uckermark gekauft hat. Zum zweiten Mal zeigt die Auensteinerin beim Festival ihr ungewöhnliches Hobby. "Für 100 Gramm brauche ich etwa zwölf Stunden", beschreibt sie, wieviel Arbeit darin steckt. Spinnen ist für die 54-Jährige aber vor allem eins: "Entspannung pur." Selbst im Urlaub hat sie ihr Spinnrad immer dabei.

Ein Sarg aus Wolle, gefertigt in Belgien, ist ein paar Meter weiter der Hingucker. Er steht auf einer schwarzen Kutsche von 1872 und gehört dem örtlichen Bestatter Klaus Rebholz. Er will aber nicht etwa den Schafwollsarg populär machen: "Eigentlich werbe ich für den Vertrags- und Nachlassmanager."

Artgerechte Schafhaltung in Ellhofen

Wurst und Fleisch gibt es bei der Schäferei Württemberger aus Ellhofen. "Das können Sie mit gutem Gewissen essen", erklärt Beate Württemberger einer Kundin. Der Betrieb hält 380 Mutterschafe, "und zwar artgerecht", betont die Landwirtin. Die Tiere sind das ganze Jahr auf der Weide im Weinsberger Tal und auf der Waldheide in Heilbronn. Die Lämmer werden von ihren Müttern großgezogen. Es wird kein Futter zugekauft. "Wir schlachten auch selbst." In der vierten Generation wird bei den Württembergers so gearbeitet. Der Wolf sei jetzt natürlich Thema, aber noch sind nicht angeleinte Hunde das größere Problem. Eines steht für Beate Württemberger jedoch fest: "Wenn der Wolf in unser Gebiet einzieht, hören wir auf. Das ist eine psychologische Sache."

Wollaktion

Wohin mit der Wolle? Um dieses Problem zu lösen, gründete Franz Theiss, damals Vorsitzender der Milchschafhalter-Vereinigung Baden-Württemberg, vor 25 Jahren die "Wollaktion". Er und seine Frau sammeln die Wolle von Schafhaltern aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern, lassen sie waschen und industriell verarbeiten. Die Produkte können die Teilnehmer der Wollaktion dann selbst verkaufen.

 


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

Kommentar hinzufügen