Künftiger Heilbronner Prälat muss sich schon der Kritik stellen

Heilbronn  Der linksliberale Arbeitskreis Offene Kirche der evangelischen Landessynode sieht mit der kurzfristigen Bestellung von Ralf Albrecht demokratische Gepflogenheiten verletzt.

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Das Männle steht für selbstbewusste und streitbare Protestanten.

Foto: Archiv

Der Vorstand des linksliberalen evangelischen Gesprächskreises Offene Kirche (OK) kritisiert das Verfahren der Neubesetzung des Heilbronner Prälatenamts scharf. Wie berichtet wird Harald Stumpf (62) aus gesundheitlichen Gründen nach acht Jahren vorzeitig in den Ruhestand treten. Die Landeskirche Württemberg gab am Montag seinen Nachfolger bekannt: Ralf Albrecht (55), früher Leiter des eher konservativen Tübinger Albrecht-Bengel-Hauses und seit 2007 Dekan in Nagold, soll das Amt am 1. Juli antreten. Er ist am 10. Januar vom Landeskirchenausschuss unter Leitung von Bischof Frank Otfried July gewählt worden.

Rein Rechtlich alles in Ordnung

Das Vorgehen sei zwar rechtlich nicht zu beanstanden, erklärt das neu gewählte Heilbronner Synodalmitglied Jörg Beurer im Namen der OK, dennoch widerspreche es "in mehrfacher Hinsicht" demokratischen Gepflogenheiten. "Uns blieb beinahe die Spucke weg."

Bei der Wahl zur 15. Landessynode am 1. Dezember habe die pietistische Vereinigung Lebendige Gemeinde (LG), deren Vorsitzender Ralf Albrecht ist, deutliche Einbußen hinnehmen müssen, argumentiert Beurer. Nun sei der neue Prälat noch vor der konstituierenden Sitzung der Landessynode, die am 15. Februar stattfindet, "in bemerkenswerter Geschwindigkeit" im seitherigen Ausschuss gewählt worden - entgegen der Gepflogenheiten früherer Stellenbesetzungen ohne Ausschreibung. Hier sollten "offensichtlich Fakten geschaffen werden", bevor die neuen Gremien ihre Arbeit aufnehmen.

Arbeitskreis fordert grundsätzlich Ausschreibungen

Die OK fordert den designierten Prälaten gleichzeitig auf, sein im Dezember errungenes Synodalmandat vor der konstituierenden Sitzung niederzulegen und sieht sich in seiner alten Forderung bestätigt, alle leitenden Stellen auszuschreiben und darüber hinaus Oberkirchenräte und Prälaten direkt von der Landessynode wählen zu lassen.

Landeskirche wollte Vakatur vermeiden

Der Sprecher der Landeskirche, Oliver Hoesch, betont auf Stimme-Anfrage, dass die Stelle nicht hätte ausgeschrieben werden müssen, dies sei bisher selten geschehen, wenn der Ausschuss dies für sinnvoll erachtet habe. Dieser demokratisch legitimierte achtköpfige Ausschuss sei im Übrigen paritätisch besetzt, OK und LG seien mit je drei Synodalen vertreten. Im vorliegenden Fall habe man sich für eine "umgehende Lösung entschieden, damit es nach Stumpfs überraschender Rücktrittsankündigung zu einem nahtlosen Übergang und keiner Vakatur kommt".

Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe spiele bei der Wahl keine Rolle, betont Hoesch. Es handle sich um eine Persönlichkeitswahl, bei der vor allem fachliche Kompetenz und menschliche Qualitäten entscheidend seien. Nicht zuletzt gibt Hoesch zu bedenken, dass der Prälat im Gegensatz etwa zu einem Dezernenten "keine große Macht" habe, sondern in erster Linie seelsorgerliche Aufgaben.

Designierter Prälat bleibt gelassen

"Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern, man muss sie ja nicht teilen", gibt der designierte Prälat Ralf Albrecht ziemlich gelassen zu verstehen. Der LKA sei ein paritätisch besetztes Gremium und "Herr des Verfahrens". Ob sich die Sitzverteilung nach dem 15. Februar ändert? Darüber will er nicht spekulieren. Außerdem werde er sein Synodalmandat nach der Investitur niederlegen. "Da muss sich niemand Sorgen manchen. Ich will der Prälat aller sein, so wie ich bisher auch der Dekan aller war."


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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