Kroaten feiern in Heilbronn den Einzug ins WM-Finale

Region  Nach dem Erfolg im Halbfinale gegen England haben Hunderte Kroaten in Heilbronn den außergewöhnlichen Erfolg ihrer Mannschaft gefeiert. Nach Angaben der Polizei gab es bis auf das Zünden zweier Knallkörper keine besonderen Vorkommnisse.

Von Adrian Hoffmann

Feiernde Kroaten in Heilbronn. Leserfoto

Etwa 300 Menschen vor der Aral-Tankstelle in der Oststraße und mehr als 200 Fahrzeuge im Korso wurden von der Heilbronner Polizei gezählt. In Leingarten versammelten sich etwa 30 feiernde Kroaten.

„Ich bin noch ein bisschen heiser“, sagt der begeisterte Dominik Levarda vom Sportverein Blau Weiß Heilbronn Tomislav. Er habe das Spiel daheim mit Freunden auf seinem „Glücksplatz“ geschaut. Er ist da sehr abergläubisch und kann deshalb nicht mehr im Vereinszelt in der Horkheimer Straße mitschauen – bislang habe Kroatien dann nämlich immer verloren.

Mannschaft erfüllt Fans mit Stolz

„Wir sind es ja inzwischen gewohnt, dass wir in Rückstand geraten und trotzdem noch gewinnen können“, erklärt Levarda und dann wird er ganz pathetisch. „Leiden, humpeln und trotzdem alles geben“, sagt er über die Nationalspieler Kroatiens. „Das erfüllt mich am meisten mit Stolz.“

Fürs Finale am Sonntag prophezeit er: „Die Franzosen werden wir auch noch knacken.“ Ebenfalls mit 2:1 und ebenfalls in der Verlängerung, so sein Tipp.

Levarda wird sich das Finale am Meer in Kroatien anschauen. „Das war nicht geplant“, sagt er. Klar dürfte sein: Es wird ekstatisch. Dominik Levarda: „Wenn sie das Finale gewinnen, springe ich nackig ins Meer.“ 

Bundestagsabgeordneter Juratovic freut sich auf das Finale

Auch Josip Juratovic, SPD-Bundestagsabgeordneter und gebürtiger Kroate, freut sich mit. Er teilt auf Anfrage mit:

  1. Geschichte wiederholt sich: wieder einmal hat David gegen Goliath gewonnen.

  2. Das jüngste Mitglied unserer Europäischen Familie gewinnt gegen das Land, das die EU verlassen will. 

  3. Passend zur aktuellen Flüchtlingsdebatte: Kroatien gewann mit acht ehemaligen Kriegsflüchtlingen.

  4. Der ganze Balkan wäre stolz, einen Weltmeister zum Nachbarn zu haben.

Beim Halbfinale am Mittwochabend wurde Juratovic von einem Reporter der britischen Tageszeitung „Guardian“ begleitet. „Nach dem 1:0 war der Guardian-Reporter noch glücklich“, sagt Juratovic. Die Wende im Spiel und den Siegtreffer habe er mit Fassung getragen. „Es war bewundernswert, wie er das ausgehalten hat.“ Er sei aber von den Kroaten auch gut mit Grillfleisch und Getränken versorgt worden. Juratovic: „Somit hoffe ich, dass der Schmerz über das verlorene Spiel für ihn zu ertragen ist.“

Das Finale wird Juratovic mit einigen kroatischen Freunden anschauen. Er hoffe, dass sich auch einige seiner deutschen Freunde dazugesellen werden.

 

3500 Fans feiern in Stuttgart

In der Stuttgarter Innenstadt bejubelten bis zu 3500 Menschen den Sieg gegen England, wie ein Sprecher der Polizei in der Nacht zum Donnerstag sagte. Im Anschluss sei ein Autokorso mit rund 100 Fahrzeugen durch die Stadt gefahren. Vereinzelt seien Menschen festgenommen worden, weil sie Pyrotechnik benutzt hätten. „Insgesamt verlief die Jubelfeier aber friedlich und ausgelassen“, sagte der Sprecher.

Auch in Ulm fanden sich Fußballfans zu mehreren spontanen Autokorsos zusammen. Das Polizeipräsidium zählte im Stadtgebiet 1200 feiernde Menschen, im gesamten Zuständigkeitsbereich 2500. Kroatische Fans in Reutlingen feierten mit einem Korso von rund 200 Fahrzeugen. Zu Spitzenzeiten waren laut Polizei 800 Menschen unterwegs. Auch hier seien die Feiern friedlich verlaufen. lsw