Kritiker wollen Moscheebau in Heilbronn nicht verhindern

Heilbronn  CDU, Freie Wähler und FDP hatten mit ihrer Ankündigung im Gemeinderat gegen den Neubau stimmen zu wollen, für Aufruhr gesorgt. Ziel sei mit der Ditib über das Konzept ins Gespräch zu kommen, so der CDU-Fraktionschef. Die Fraktionen erwarten dabei Signale, wie eine Parallelgesellschaft verhindert werden soll.

Von Bärbel Kistner
Email
Die Ditib-Moschee in Heilbronn. Foto: Dennis Mugler

Die neue Moschee könnte längst fertig sein. Seit 2012 plant die türkisch-islamische Ditib-Gemeinde Heilbronn, das in die Jahre gekommene Gebäude an der Weinsberger Straße abzureißen und durch einen architektonisch ansprechenden Neubau zu ersetzen. Doch das Gebäude steht noch nicht, und plötzlich wackelt das Projekt.

2015 sollte die Moschee eröffnet werden, doch der Termin hat sich immer weiter verschoben. Schließlich wurde es unrealistisch, vor der Bundesgartenschau zu beginnen. Anfangs genannte Baukosten in Höhe von sieben Millionen Euro sind längst zweistellig geworden.

Geldmangel und ein fehlendes Ausweichsquartier verzögern den Umbau

Moscheebau in Heilbronn soll nicht verhindert werden

Abstimmungen mit dem Ditib-Bundesverband, der den Bau maßgeblich über zinslose Darlehen finanziert, die Suche nach Geldgebern aus der Gemeinde und die nicht weniger schwierige Suche nach einem Ausweichquartier für die Moschee während der Bauzeit haben das Projekt verzögert.

Dazu kamen Probebohrungen für Fundamente und Tiefgarage. Später ging es um Abstimmungen mit der Stadt zu Öffnungszeiten und Parkplätzen. Zuletzt musste die Ditib noch ein Lärmschutzgutachten beibringen.

"Moschee nicht ungeprüft durchwinken"

Warum stellen die drei Mehrheitsfraktionen im Gemeinderat jetzt ihre Zustimmung infrage? 2017 habe man den Beschluss gefasst, das Projekt kritisch zu begleiten, wollte die Moschee aber aus dem Bundestagswahlkampf heraushalten, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Randecker. 2018 sei der richtige Zeitpunkt, weil Kommunalwahl 2019 noch weit weg sei. "Wir wollen die Moschee nicht verhindern", betont Randecker.

Das kann der Freie-Wähler-Fraktionschef Herbert Burkhardt nur unterstreichen. Jedoch haben die Akteure für ihn den Eindruck vermittelt, dass die Zustimmung im Gemeinderat nur noch eine Formalie sei. "Wir wollen die Moschee nicht ungeprüft durchwinken." Die Kommunalpolitiker können die Entwicklung in der Türkei beim Heilbronner Moscheeprojekt aber nicht einfach außen vor lassen.

Weiterlesen: OB Mergel ist verwundert über die plötzliche Kritik am Moschee-Bau

Die Ditib, die für Burkhardt früher für einen "moderaten Islam" stand, sieht er inzwischen anders. Nicht aufgrund von Vorgängen in Heilbronn, sondern weil etwa Ditib-Imame in Deutschland Gegner des türkischen Präsidenten Erdogan ausspioniert haben. Die Ditib ist der verlängerte Arm der türkischen Religionsbehörde, und sie entsendet die Prediger an deutsche Gemeinden.

"Diese Themen gab es 2012 so noch nicht", betont Burkhardt, der Befürchtungen hat, dass die Ditib "nationalistisch unterwandert" ist. Bei der Ditib vor Ort betone man stets, nichts mit nationalistischen Strömungen in der Türkei zu tun zu haben. " Damit macht man es sich zu einfach", sagt Burkhardt.

Das Konzept finden die Fraktionen "integrationshemmend"

Der Entwurf der Vorarlberger Architekten Bernardo Bader gewinnt 2014 den Architekturwettbewerb für den Moschee-Neubau an der Weinsberger Straße. Von Anfang an sind Gewerbe- und Kulturzentrum fester Bestandteil des Projekts.

Als "integrationshemmend" stufen alle drei Fraktionen das Konzept ein, das für die Moschee Gebets- und Schulungsräume sowie Gastronomie und Handel vorsieht. "Dort wird ein sozialer und gesellschaftlicher Mittelpunkt entstehen", schätzt Nico Weinmann (FDP) und sieht das Risiko, dass sich Muslime abkapseln. "Im schlechtesten Fall befördern wir damit eine Parallelgesellschaft."

Der Mix aus Gebetshaus und Geschäften ist keine Heilbronner Idee, sondern in vielen modernen Moscheen in Deutschland üblich. Im badischen Lahr entsteht für rund drei Millionen Euro ein Neubau mit Restaurant und Cafeteria, neben dem Landesgartenschaugelände. Auch die Ditib-Zentralmoschee in Köln − fünf Jahre später eröffnet als geplant − hat eine große Ladenpassage mit Fast-Food-Kette, Bank und Friseur. Die Heilbronner Ditib-Gemeinde braucht das Gewerbe in der Moschee auch zur Finanzierung.

Die Fraktionen wollen mit der Ditib den Dialog − und eine Lösung suchen. Weinmann: "Wir wollen die vielen Gemeinsamkeiten mit den Muslimen nicht in Abrede stellen."

Ein Minarett ist derzeit kein Thema

Die jüngsten Moschee-Projekte in der Region wurden vor den Ereignissen in der Türkei realisiert, die den Stimmungswandel beförderten. Kritische Stimmen gab es deshalb vor allem zu den Minaretten. Bei der Neckarsulmer Moschee verzichtete der Verein bislang trotz Erlaubnis auf den Minarett-Bau. Auch die Oberstenfelder Moschee hat keines, die Kirchheimer nur eine symbolische Stele. Das geplante Minarett in Heilbronn ist in der aktuellen Debatte kein Thema.

 


Kommentar hinzufügen