Konzept für mehr und bessere Radwege

Region  An Empfehlungen, wie das Wegenetz für Radfahrer im Landkreis Heilbronn verbessert werden kann, mangelt es nicht. Nach dem neuen Konzept müssten 128 Kilometer Radwege komplett neu gebaut werden. Die Gesamtbaukosten liegen bei geschätzt 41 Millionen Euro. Nun sind die Kommunen am Zug.

Von Reto Bosch

Konzept vorgelegt: Mehr und bessere Wege für die Radfahrer

Radfahrer lassen sich dank Streudiensten auch vom Winter nicht aufhalten. Der Radweg zwischen Lauffen und Brackenheim ist zu schmal, er könnte ausgebaut werden.

Foto: Archiv/Veigel

 

Noch liegt das Mammutwerk in der Druckerei. Doch bald gibt das neue Radverkehrskonzept des Landkreises Heilbronn einen Überblick, wo Wege verbessert oder neu gebaut werden sollten. Die Planer haben mehr als 300 Empfehlungen zusammengetragen. Das Wegenetz soll die wachsende Zahl an Zweirädern in die Zukunft leiten. Werden alle Vorschläge umgesetzt, ergeben sich bis 2030 Baukosten von mehr als 40 Millionen Euro.

Wie muss ein Radwegenetz aussehen, das alle Städte und Gemeinden miteinander vernetzt, die angrenzenden Kreise anbindet und den Bedürfnissen zum Beispiel von Pendlern und Schülern genügt? Um diese Frage beantworten zu können, hat der Landkreis das Büro RV-K aus Frankfurt damit beauftragt, das vorliegende Konzept aus dem Jahr 2003 auf den neuesten Stand zu bringen. 15 Monate lang analysierten die Fachleute Daten und fuhren alle Radwege ab.

128 Kilometer müssten neu gebaut werden

Viele Anregungen brachte eine Online-Umfrage an den Tag. "Bei uns war die Resonanz so gut wie nirgends anders", sagt Birgit Böhm-Lemke vom Amt Bauen, Umwelt und Nahverkehr. 1018 Meldungen erreichten die Planer. Konkretes Beispiel: Mitarbeiter der Firma Bosch in Abstatt schlugen vor, die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Ilsfeld-Helfenberg und Abstatt zur Radstraße zu erklären. "Das haben wir ins Konzept aufgenommen", sagt Böhm-Lemke. Ob aus dem Wunsch Realität wird, steht allerdings noch nicht fest.

Das zukunftsfeste Wegenetz umfasst nach Ansicht der Planer 1200 Kilometer Radwege. Dazu zählen 240 Kilometer überregionale, 95 Kilometer regionale und 853 Kilometer nahräumige Verbindungen. 128 Kilometer müssten komplett neu gebaut werden. Das Empfehlungspaket von RV-K beinhaltet aber auch schnelle Lösungen: bessere Querungshilfen, veränderte Ampelschaltungen, neue Beläge für wichtige Wege.

 

Beispiele für die 326 Empfehlungen

  • Brackenheim: Der Radweg zwischen Lauffen und Brackenheim soll ausgebaut werden. Er ist zu schmal. Geschätzte Baukosten: 170.000 Euro, hohe Priorität. Dazu kommen noch Ausgaben für Planung und Ausgleichsmaßnahmen.

  • Ittlingen: Das Konzept enthält einen 3,8 Kilometer langen Neubau zwischen Ittlingen, Reihen und Sinsheim. Niedrige Priorität, Baukosten summieren sich auf eine knappe Million Euro.

  • Bad Friedrichshall: An der Kreisstraße zwischen dem Plattenwald und Neckarsulm soll ein Kilometer Weg ausgebaut werden. Hohe Priorität, Baukosten betragen etwa 130.000 Euro.

  • Lehrensteinsfeld: Ein neuer Radweg zwischen Lehrensteinsfeld und Untergruppenbach-Oberheinriet würde mit 800.000 Euro zu Buche schlagen. Die Planer sehen aber ein eher schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis.

  • Bad Friedrichshall: Ein neuer Weg könnte Neckarsulm mit der Oberen Fundel in Bad Friedrichshall verbinden, wo Lidl mehrere Tausend Arbeitsplätze schafft. Kosten: 750.000 Euro.

 

Welche Projekte tatsächlich umgesetzt werden, ist noch unklar

Das Konzept enthält Empfehlungen, nicht Entscheidungen. "Die Kommunen können die Projekte flexibel angehen", sagte Landrat Detlef Piepenburg in der jüngsten Kreistagssitzung. Verantwortlich sind die zuständigen Baulastträger. Also die Städte und Gemeinden, das Land für Landesstraßen und der Bund für Bundesstraßen. Laut Birgit Böhm-Lemke sind die Vorschläge mit den betroffenen Behörden bereits besprochen, theoretisch müssten also alle realisierbar sein.

 


Umsetzen

Ein Kommentar von Reto Bosch

Umfassende Informationen, kompakt präsentiert: Die Heilbronner Landkreisverwaltung hat gemeinsam mit dem Fachbüro RV-K eine wirklich aussagekräftige Planungsgrundlage geschaffen. Dem Radverkehrskonzept ist einerseits die Expertise der Fachleute anzumerken. Andererseits erhöhen mehr als 1000 Vorschläge von Landkreis-Bürgern die Qualität des Werkes - wenngleich natürlich nicht alle Forderungen Eingang gefunden haben. Konstruktive Öffentlichkeitsbeteiligung also.

Auf den vielen Seiten bedruckten Papiers kann man allerdings nicht Fahrrad fahren. Nun liegt es vor allem an den Kommunen, aus Zeichnungen Asphaltbänder werden zu lassen. Und entlang von Landes- und Bundesstraßen sind Land und Bund gefragt. Der Blick zurück macht nur bedingt Hoffnung. Auf Antrag von CDU und FWV/FDP im Kreistag wurden die Städte und Gemeinden befragt. Ergebnis: Von den Empfehlungen des bislang letzten Konzeptes aus dem Jahr 2003 wurden gerade mal 34 Prozent umgesetzt. Meist lag es an den Kosten.

Diese wenig ambitionierten 34 Prozent müssen Ansporn sein, die Quote zu verdoppeln. Denn dann kann es gelingen, auch die Verkehrsleistung per Rad zu verdoppeln. Davon würden doch alle profitieren: staugeplagte Pendler, das Klima und die Gesundheit der Menschen.