Kommentar zur drohenden Knorr-Schließung

Heilbronn  Nicht die Kostenschraube, nur neue Produkte können Knorr und das Werk Heilbronn retten. Ob diese kommen, ist ungewiss.

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Unilever mag mit Engelszungen betonen, dass der Heilbronner Knorr-Standort noch eine Chance hat. Nüchtern betrachtet ist diese allerdings minimal – jedenfalls dann, wenn sich der von Produktionschef Marc Engel angeregte radikale Wandel nur auf die Kosten bezieht. Auch wenn die Suppentüte ein paar Cent billiger wäre, würde das Produkt deswegen nicht wieder zum Renner – und zum Retter des Traditionsstandorts. Auch Investitionen in effizientere Abläufe bringen aus diesem Grund wenig.

Die einzige Chance ist, dass Unilever in Heilbronn ganz neue Technologien ansiedelt, um künftig frische Convenience-Produkte herzustellen. Die sind auf dem Markt nämlich gefragt.

Das würde aber hohe Investitionen in Anlagen und Prozesse erfordern – und entspricht deswegen nicht dem unternehmerischen Naturell des börsennotierten Großkonzerns, der seinen Aktionären lieber schnelle Gewinne verspricht als ein langfristiges Geschäftsmodell.

Mit dieser Firmenpolitik beschädigt das Unternehmen allerdings seine eigene Zukunft: Knorr kann nur mit innovativen Produkten bestehen. Dass Kaufland vor einem Jahr ziemlich schmerzfrei sämtliche Unilever-Marken aus den Regalen räumen konnte, sollte den Rotstift-Managern Warnung genug sein.


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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