Kommentar zum NSU-Urteil: Schatten bleibt

Heilbronn/München  Das klare Urteil im NSU-Fall ist positiv. Zuvor hat der Staat in einer beispiellosen Mordserie versagt. Ein Kommentar von Stimme-Redakteur Carsten Friese.

Von Carsten Friese

Nach fünf zähen Prozessjahren um die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) hat das Münchener Gericht ein klares Urteil gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe gesprochen. Es hat keine Zweifel, dass die 43-Jährige im NSU-Trio in die Taten eingeweiht war, anteilig mitwirkte und ihre Aussage, immer erst hinterher von den von ihr abgelehnten Gewalttaten erfahren zu haben, als weder glaubhaft noch schlüssig eingestuft.

In der Gesamtschau hat Zschäpe für das Gericht eine klare Mitschuld an der beispiellosen Gewaltserie einer kleinen rassistischen Terrorgruppe. Weil zu viele Indizien die Hauptangeklagte belasteten. 

Mehr zum Thema: So reagiert die Region auf das Urteil im NSU-Prozess  

 

Lebenslange Haft und besondere Schwere der Schuld – im deutschen Strafrecht ist es die maximale Strafe. Für Angehörige der Opfer kann der Richterspruch ein Baustein sein, die Tat irgendwie etwas besser zu verarbeiten. Gerecht kann er nicht sein, wenn unschuldige Menschen sterben oder in ideologischer Verblendung schwer verletzt werden.

Andererseits bleiben viele Fragen nach Hintergründen, möglichen Helfershelfern und zum unsäglichen Verhalten vor allem einiger Verfassungsschutzbehörden offen. Dass Ermittler einseitig vorgingen, Opferfamilien unter Tatverdacht stellten und die Suche nach rechtsextremen Tätern sträflich vernachlässigten, wird auch als lähmender Schatten über dem NSU-Komplex bleiben.

Mehr zum Thema: Der Heilbronner Polizistenmord war nur an drei Prozesstagen in München ein Thema

 

Aus Heilbronner Sicht hat das Gericht zum Mordanschlag auf der Theresienwiese wenig Neues zutage gefördert. Die bohrende Frage, warum die Täter in die Stadt kamen und auf dem abgelegenen Pausenplatz auf die Polizisten schossen, wird wohl nie beantwortet. Ob es Helfershelfer oder Tippgeber gab, bleibt offen.

Das Gericht hat gezeigt, dass der Staat Rechtsextremen die Stirn bieten kann und derartige Taten mit voller Schärfe ahndet. Für die Angehörigen der Opfer kommt die akribische Aufarbeitung leider spät – zu spät.

Mehr zum Thema: Nach fünf Jahren NSU-Prozess ist Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft verurteilt worden