Kommentar: Manipulation

Kommentar  Den Rechtspopulisten der AfD sind seriöse Medien ein Dorn im Auge.

Email
Manipulation

Das ist also alles, was die AfD zu bieten hat. Harte, hundertausendfach verbreitete Anschuldigungen − ohne Substanz. Eine neue Ausgabe der "Alternativen Heilbronner Nachrichten", die die Bürger der Region davon überzeugen soll, dass Medien im Allgemeinen und der Heilbronner Stimme im Besonderen nicht zu trauen ist. Dabei offenbart das Blatt doch nur das geradezu erotische Verhältnis der AfD zur Lüge − auf einer einzigen Seite taucht der Begriff ein knappes Dutzend Mal auf. Seine mantrahafte Wiederholung soll die Armut an Fakten kaschieren.

Geradezu naiv ist es, den Beschluss des Presserats (den die AfD im Übrigen bei jeder Gelegenheit nach Kräften schmäht) in eine mit Beschimpfungen ("Schmierfinken") dekorierte Generalabrechnung mit der Stimme umdeuten zu wollen. In acht von neun Punkten wurde die Stimme-Berichterstattung nicht beanstandet, in einem Fall wurde eine Quelle übersehen. Das ist ärgerlich, aber keine Lüge. Denn im Gegensatz zum Heilbronner AfD-Kreisverband fühlt sich die Stimme-Redaktion wie die anderen seriösen Medien auch den Fakten verpflichtet. Die "Alternativen Nachrichten" dagegen stellen nicht korrekte Behauptungen auf, ordnen Äußerungen falschen Absendern zu, verschweigen Tatsachen, informieren einseitig. Dafür gibt es einen passenden Begriff: Manipulation. Betrieben von jenen, die anderen Lügen vorwerfen.

Warum aber gibt sich die AfD solche Mühe, deutschlandweit die Medien in Misskredit zu bringen? Ganz einfach: Das tun alle Populisten. Sie haben kein Interesse daran, dass ihr Tun von kritischen Journalisten beobachtet, hinterfragt und eingeordnet wird. Die AfD will sich offenbar eine rückwärtsgewandte Welt bauen mit möglichst wenigen Flüchtlingen, dafür mit kettenreagierenden Atomkraftwerken, rußenden Dieseln und geschlossenen Grenzen. Bei diesen Bauarbeiten stören die seriösen kritischen Medien nur. Deshalb schaffen sich die Rechtspopulisten eine eigene Nachrichtenwelt, in der sie sich ihrer Opferrolle lustvoll hingeben, die etablierten Parteien beschimpfen, dieses Land schlechtreden, um sich als Retter aufspielen zu können. Und um davon ablenken zu können, dass die AfD keine Antworten auf die entscheidenden Fragen der Zukunft hat. Die Partei sollte nur die vielen Bürger nicht unterschätzen, die sehr genau wissen, wie wenig Glaubwürdigkeit sich hinter dem Parteilogo der AfD verbirgt.

Ihre Meinung? reto.bosch@stimme.de

 

 


Kommentar hinzufügen