Knackig, saftig, crispy: So muss ein Apfel sein

Bad Friedrichshall  Eine informative und genussreiche Führung erlebten die Teilnehmer bei der Stimme-Lesersommer-Aktion im Obstgut Heuchlingen in Bad Friedrichshall. Derzeit herrscht Wassermangel auf den Plantagen.

Von Sabine Friedrich
Email

 

Das sind ja XXL-Exemplare. Mmmmh, sind die süß. Burghard Hein schüttelt den Kopf: "Den typischen Brombeergeschmack haben sie nicht", klärt der Experte über diese Versuchssorte auf. "Irgendetwas fehlt da", meint auch Roland Möller aus Hardthausen, einer der 30 Teilnehmer beim Lesersommer auf dem Obstversuchsgut Heuchlingen in Bad Friedrichshall.

Betriebsleiter Hein hat Recht. Zum Abschluss der dreistündigen Erkundungstour kommt er mit frisch gepflückten Brombeeren für den Verkauf. Die sind lecker. Hein und Dr. Franz Rueß, Abteilungsleiter Wein- und Obstbau an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg, bescheren den Frauen und Männern eine informative und genussreiche Führung.

Bei den Zwetschgen startet die Saison

Es ist wie im Schlaraffenland. Auf den 34 Hektar Land werden alle Obstkulturen, die es in Deutschland gibt, angebaut. Von A wie Aprikosen über K wie Kirschen hin zu Z wie Zwetschgen. Für Letztere startet jetzt die Saison. Die frühen Apfelsorten werden geerntet, die Birnen reifen. "Jede Woche gibt es etwas Leckeres zum Naschen", nennt Hein den Vorteil seiner Tätigkeit in diesem Landesbetrieb.

Der Summer Crisp schmeckt am besten

Sein Weinsberger Kollege strahlt. Die Verkostung ergibt ein eindeutiges Ergebnis. Der Summer Crisp schmeckt den meisten Teilnehmern am besten. "Knackig, saftig, crisp", so müsse ein Apfel sein, meint Rueß zu der Neuzüchtung, die gleich zwei Resistenzgene gegen Schorf besitzt. Der Laie staunt: Von der ersten Kreuzung 1997 bis zur Zulassung beim Bundessortenamt dauerte es 17 Jahre.

Beeren brauchen viel Wasser

Beim Streifzug durch die Plantagen fallen Äpfel mit braunen Wangen auf. Sonnenbrand. Die Mini-Kiwis hat es noch stärker erwischt. Hein wünscht sich ordentlich Regen. "Ich habe kein Wasser mehr", beklagt er. Nach dem dürren Sommer 2018 hat sich der Brunnen im Frühjahr nur zur Hälfte wieder gefüllt. Wasser ist im Obstgut rationiert, Äpfel müssen zugunsten der Beeren dürsten. Etwa 54 Kilometer lang ist die Tröpfchenbewässerung. Franz Freisleben ist sehr beeindruckt, was er über Züchtung, Ausbildung, Pflanzenschutz, Vermarktung, Schnitt oder Produktion erfährt. "Diese Vielfalt, es ist richtig spannend", sagt der Talheimer, der selbst Garten und Baumstückle hat.

Teilnehmer bekommen Anregungen für das eigene Stückle

Helmut Nef ist nicht der Einzige, der sich Notizen macht. "Ich nehme sehr viele Anregungen mit, auch was das Spritzen anbelangt", so der Neuenstadter. "Gibt es Sorten, die die Schnecken nicht mögen?", fragt Ursel Helbig bei den abgeernteten Erdbeerfeldern. Hein kennt keine. Die Besucher suchen den Schatten unter den voll behängten Walnussbäumen. 500 gibt es auf dem Obstgut, das seine Produkte zu veredeln weiß. Zum Beispiel zum Looping, einer spritzigen Mixtur aus Rotwein und schwarzem Johannisbeer-Muttersaft. Die Kostprobe erfrischt die Gruppe. Der Großteil der Obstgut-Ernte geht in den Direktverkauf in den Hofladen, zweimal die Woche geöffnet, oder in den Automaten, rund um die Uhr begehbar.

 


Zahlen zum Obstgut

Das Obstgut Heuchlingen, einer der vier Teilbetriebe im Versuchswesen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, wurde 1953 gegründet. Es hat eine Fläche von 34 Hektar, darunter sind zehn Hektar für Steinobst, drei Hektar für Beeren, 2,5 Hektar für Streuobst und drei Hektar, die nachhaltig ökologisch bewirtschaftet werden. Pro Jahr werden 15.000 bis 20.000 Liter Apfelsaft produziert. 2018 wurden zum Beispiel 200 Tonnen Äpfel geerntet.

 

Kommentar hinzufügen